Worin bitte liegt etwas Falsches, vertragliche Ansprüche mit Hilfe der Gerichte durchzusetzen? Wieso sollte ein angestellter Manager die Schuld für Dinge übernehmen, die möglicherweise gar nicht in seiner Verantwortung oder seiner Dienstzeit lagen? Ganz bestimmt ist das heutige System der Manager-Vergütung überdenkenswert, ganz bestimmt gibt es totale Versager und ganz bestimmt sollte der Steuerzahler deren Versagen nicht noch bezahlen. Aber es hat immer noch jeder das Recht, seine Ansprüche auch gerichtlich zu verfolgen. Wenn er dabei durch die Richter Recht bekommt, hat sein Anspruch im Rahmen der bestehenden Gesetze auch bestanden.
Wenn schon Kritik geübt wird, dann doch bitte nicht an einzelnen Personen, die vollkommen verständlich ihre bestehenden Ansprüche verfolgen, wie es ökonomisch richtig fast jeder andere Bürger auch tun würde. Völlig unabhängig von der moralischen Berechtigung in der Höhe, haben auch Leute mit sehr viel Vermögen und Einkommen im Rahmen ihrer Dispositions-Möglichkeiten Verträge über alles Mögliche mit Dritten abgeschlossen und sind - auch, wenn das für Leute am unteren Ende der sozialen Leiter schwer verständlich sein mag - genauso wenig frei im mal so lockeren Verzicht auf einen schon verplanten Anspruch wie jeder andere Haushalt auch. Fallen ihre Zahlungen aus einem Vertrag aus, zieht das bei den von diesen Zahlungen Abhängigen mehr Kreise als bei diesen Personen selbst.
Wenn etwas weiter gedacht wird, ist das hochpopulistische Gerede von der Kontrolle der Manager-Gehälter gemäß der Frage "Cui bono?" nicht etwa eine soziale Wohltat, als die es den Sozialneid befriedigend verkauft wird, sondern eine Unterstützung für die konfliktscheuen Aktionäre, die zu desinteressiert sind, ihre Rechte als Eigentümer durchzusetzen und das auch noch gratis vom Staat - eben mit einem sie begünstigenden Gesetz - überlassen wollen. Wenn schon jemand überhöht kassiert, dann doch lieber der Manager, der wenigstens eine konkrete Beziehung zu einem Unternehmen hat, als irgendein anonymer Finanzhai.
Ich bin durchaus in der Lage, Neid als eine persönliche Charakterschwäche und Ungerechtigkeit als eine Systemfrage zu unterscheiden. Solange gegen konkrete Personen gepöbelt wird, dürfte aber eher eine persönliche Charakterschwäche und daher Neid die richtige Bezeichnung sein. Stellt man die Systemfrage, muß bei aller Berechtigung des Zorns über große Ungerechtigkeiten und teils sogar totaler Irrsinigkeiten nicht das Kind mit dem Bade ausgeschüttet werden und alte Ungerechtigkeiten einfach durch neue ersetzt werden. Selbst die Abwicklung alter ungerechter und überhöhter Ansprüche muß auf eine einigermaßen konsensfähige Art durchgeführt werden. Anderenfalls führt das moralisch gut gedachte Ansinnen zu Destabilisierungs-Tendenzen der Gesellschaft. Ist erstmal, egal von wem, ein Punkt überschritten, ab dem überhaupt keine Regeln mehr zu gelten scheinen, geht der Zerfall mit höchster Eskaltionsgeschwindigkeit weiter und am Ende ist niemandem geholfen. Extremste Kriminalität oder bürgerkriegs-ähnliche Zustände kann man ja nun in genug Staaten der Welt live beobachten, daß man sie nicht durch unbedachtes Handeln auch noch vor Ort bringen muß. Da ist es tausendmal besser, wenn die dritte Gewalt vielleicht auch mal fadenscheinig bemüht wird, als wenn in privaten Auseinandersetzungen das Recht des Stärkeren durchgesetzt wird