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Thursday, February 23rd 2012, 11:56am

Re: Wer ist wer?

Vielen Dank Krümel für Deinen informativen Beitrag.

Der erste Punkt bestätigt eher meinen Verdacht, daß es sich eben gerade nicht um Anleger sondern mehr um Zocker handelt, denn Anleger sollten schon öfter mit Orders arbeiten, die nicht sofort ausführbar sind und Day-Trader, die auf sehr kurzfristige Ausführung von Orders aus sind und dabei als Instrument irgendwelche Scheinchen nutzen, sind vielleicht für den Kreis aller Day-Trader auch nicht die Repräsentation der Spitze an Professionalität, obwohl sicher auch (Semi-)Profis hier und da auch mal mit sofort ausführbaren Orders in Scheinchen operieren mögen. Wenn es sich auf die weiter unten genannte automatisierte Ausnutzung von Besonderheiten bei der Preisbildung bezieht, sind diese Markt-Teilnehmer übrigens eher seltener die Verlierer.

Wenn dann als Fazit nach den Konstruktions-Kriterien des Index bliebe, daß diejenigen, die sich zu spontanen Aktionen mit unprofessionellen Instrumenten durch übertriebenes und unflexibles Agieren gegen den Markt hinreißen lassen, repräsentativ für die unprofessionellsten der ober-gierigen Markt-Teilnehmer sind, und diese verlieren, könnte das noch durchgehen.

Auch Fisch's Ansicht, daß es nur auf die Nutzbarkeit ankommt, hat was für sich.

Bloß würde ich diesen Kreis nicht als repräsentativ für die "Privat-Anleger" ansehen. Mir gefällt der Tenor selbsternannter "Experten" nicht, die in Wahrheit Verkäufer für Retail-Schund-Produkte sind oder für diese arbeiten, und für ihre eigene Legitimation die Privat-Anleger pauschal als Voll-Trottel hinstellen.

Ich selber habe bei Consors schon Orders in Knock-Outs kurz vor der Knock-Out-Schwelle gesehen, die innerhalb weniger Minuten fünfmal hin und her gehandelt wurden, jeweils im Gegenwert eines Mittel-Klasse-Autos. Es gibt Leute, die sowas offenbar recht professionell betreiben, wie mir ein Mitarbeiter von Lang & Schwarz auch mit einem ärgerlichen Verlust-Potential für die gar nicht immer glücklich abschneidende Gegenseite bestätigte. Wie diese dann mit irgendwelchen Kleinst-Orders zusammen gerechnet werden, kann ohne genaue Kenntnis der Index-Formel auch nicht festgestellt werden, wo ja vielfältige Zusammenrechnungs- und Bewertungs-Möglichkeiten der Unmengen verschiedener Instrumente denkbar sind.

Sollte sich beim zweiten Blick eine brauchbare Verwendung als Hinweis für eigene Trading-Entscheidungen heraus stellen, so bleibt das natürlich unberührt von der Konstruktion des Maßes und irgendwelchen Betrachtungen über irgendwelche Personen-Kreise.

Ohne jetzt überhaupt was untersucht zu haben, stellen sich noch die Fragen, inwieweit das Maß auch noch genug Vorlauf beim Ein- und Ausstieg hat, wie hoch die Korrelation wirklich ist und für welche TF es denn anwendbar bleibt.
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Thursday, February 23rd 2012, 10:32am

Leider habe ich keine längeren Datenreihen zum Download finden können, sonst hätte ich das mal systematischer untersucht. Was ich aber beim Drüberblicken feststellen kann:

1. Intraday ist das Sentiment eventuell sogar brauchbar. Weil:

"Zur Berechnung des Privatanleger-Index werden nur marktnahe Orders herangezogen, die innerhalb von 60 Sekunden eingestellt und ausgeführt wurden. Damit ist garantiert, dass der Index tatsächlich die aktuelle Markteinschätzung der Privatanleger widerspiegelt. Nicht im Index berücksichtigt sind beispielsweise Orders, die bereits seit längerer Zeit auf ihre Ausführung warten und damit vergangene Markteinschätzungen repräsentieren. "

Quelle: https://www.boerse-stuttgart.de/de/markt…nformation.html

Die berücksichtigten Orders gehören vermutlich doch zu einer recht homogenen Gruppe von "Privatanlegern". Wer arbeitet so kurzfristig mit Optionsscheinen /Knock outs, so dass das o.g. Berechnungskriterium erfüllt ist ? ^^

2. Was hingegen in meinen Augen weniger Sinn macht, ist die längerfristige Aggregation über 1 Monat/ 3 Monate usw. Zum einen ergeben sich durch die unterschiedlich großen Aggregationszeiträume verschiedene Werte. Man vergleiche z.B. die Tiefpunkte der verschiedenen Zeiträume. Es sind ja eben keine Zoomfaktoren im Sinne verschiedener Timeframes, wie man sie üblicherweise von Kursen kennt. D.h. wenn ich Intraday einen Wert von -24 habe, kann der in dem 3-Monats-Chart nicht auftauchen, anders als bei H1- versus D1-Daten bspw. Man dürfte also nur noch in je einem Aggregationszeitraum arbeiten, da man die Werte zwischen verschiedenen Fenstern mMn nicht sinnvoll vergleichen kann und auch Extremwerte nicht erhalten bleiben (können). Das ist eher ein methodisches Problem.

Punkt 2: Es macht inhaltlich nicht viel Sinn, sich ein kurzfristiges Maß langfristig anzuschauen, bei dem Langfristanleger, die vermutlich eher nicht marktnah mit "innerhalb von 60 Sekunden eingestellten und gefillten Orders" in den Markt gehen/ihn verlassen explizit außen vor gelassen werden. Ich würde aber auch nicht erwarten, dass man die Aktionen der Kurzfristanleger in den größeren Zeitebenden des Dax sehen kann. Deswegen sieht man da mMn auch eher keine Korrelation zwischen Dax und Euwax.

Für Intraday-Betrachtungen lohnt aber sicherlich ein zweiter Blick, wobei ich es immer seltsam finde, wenn man Daten eines "wissenschaftlichen" Maßes nicht auch mal downloaden kann. Aber nun ja.... :whistling:
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Wednesday, February 22nd 2012, 7:40pm

Es geht nicht um das

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. Es geht darum, was man sehen kann.
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Wednesday, February 22nd 2012, 7:31pm

Wer ist wer?

Wer der "Privatanleger" sein soll, lasse ich dabei mal offen. Sicher wissen die Leute, die ganz weit im Hintergrund die Fäden ziehen, mehr als die Masse, aber die wirklich bedeutenden riesigen Spieler im Markt sind vielleicht fünf Dutzend Finanz-Gruppen und bei weitem nicht alle im tagtäglichen Umfeld sichtbaren Institute (nicht mal alle großen deutschen Banken gehören dazu und selbst in den ganz großen Instituten gibt es Erzeuger von mutwilligem Retail-Schrott). Von den für die breite Masse der Anleger sichtbar arbeitenden Vermögens-Verwaltern jedweder Coleur brilliert aber kaum jemand so sehr, daß sich irgendwer aus Respekt davor schämen müßte.

Viele Verwalter stehen unter einem als Gesamtheit aller Verwalter prinzipiell nicht bedienbarem Performance-Druck. Sicher schneiden die Privat-Anleger, die ja zu größten Teilen in schlechten Fonds anlegen (und nicht direkt in Aktien) schlechter ab als der Index. Diejenigen Anleger, die wirklich genug Geld haben, ohne total überhebelt Aktien in sinnvollen Mengen bei ausreichender Diversifikation direkt zu handeln und nicht nur ein paar Stücke mit wenigem Geld, was sie eigentlich für andere Anschaffungen besser ausgeben sollten, könnten wegen fehlenden Drucks sogar besser sein als die "Profis".

Solche Aussagen sind daher für einen sinnvollen Inhalt viel zu undifferenziert. Wen interessiert schon die Menge der Leute, die mit ein paar Tausend Euro als Anleger vom großen Reichtum träumen? Wen interessieren ein paar vermögende Freiberufler, Unternehmer und Manager, die sich durch schlechte Ratschläge dubioser "Berater" abzocken lassen? Wer wird da als "Privatanleger" welchem Kreis von "Profis" gegenüber gestellt? Ist ein Day-Trader, der bei ausreichend ausgefeilter Strategie bei striktem RM/MM eher kontinuierliche kleine Gewinne erreichen kann, überhaupt ein Anleger? Sind die mit verbrieftem Zeugs an der EUWAX handelnden Leute typische "Privatanleger" oder typische Day-Trader?

Edit: Um ehrlich zu sein, füge ich noch hinzu, daß ich persönlich auf den Charts zumindest auf Anhieb nicht einmal eine brauchbare Korrelation zwischen Sentiment und Index sehe. (Den Satz habe ich mir nach dem Ansehen nach allen obigen schon fertig geschriebenen Absätzen hinzugefügt. Bitte alle TF ansehen!)
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Wednesday, February 22nd 2012, 12:52pm

EUWAX Sentiment

Im gestrigen WHS-Webinar hatte Birger Schäfermeier auf den Privatanleger-Index Euwax Sentiment hingewiesen. Man kennt ja die Aussage: Der Privatanleger liegt immer falsch. Aber ein Blick darauf ist wirklich interessant.

hier findet man das Dingens EUWAX Sentiment
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