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Original von chatterhand
Das Problem ist die tagtägliche Einsamkeit im stillen Kämmerlein am PC.
Daher strebe ich langfristig eine Tradergemeinschaft in einem Gemeinschaftsbüro an. Bis dahin fließen aber noch ein paar Liter Wasser den Rhein hinunter.![]()
This post has been edited 3 times, last edit by "Iceman" (Nov 25th 2005, 6:22pm)

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Es brauchen wohl die allermeisten ein paar Jahre, bis sie einigermaßen äußerlich und vorallem auch innerlich wissen, wo der Hase langläuft - ein Jurist, ein Arzt oder ein guter Gitarrenspieler ist man ja auch nicht von heute auf morgen
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Wir Trader sind in einem nicht aufzulösendem Widerspruch gefangen : Wenn wir die Märkte traden , sollen wir IMMER rational sein , ohne störende Gefühle handeln , immer und allen unseren Signalen folgen , nie zögern , nie Angst haben , nie euphorisch sein , nie apathisch sein , eigentlich nie Mensch sein dürfen . Wir sollten demnach jeden Tag absolut gleich gut sein , absolut gleich konsequent , absolut gleich diszipliniert .
Weil wir aber Menschen sind , handeln wir jeden Tag anders , fühlen wir jeden Tag anders , sehen Dinge heute anders als gestern . Handeln ist demnach unmenschlich . Wir können die von uns tag-täglich geforderte Gleichheit einfach nicht an den Tag legen - zu mal sich paradoxerweis tag-täglich die Marktmuster ändern ! Unsere Natur in uns drinnen ist von Wandel beseelt , wellenförmig , zick-zack oder gestrichelt - aber nicht geradlinig wie wir unser Verhalten dem Markt gegenüber immer auszuformen versuchen .
Desweiteren wollen wir einfach nicht glauben , was wir auf unseren Monitoren sehen - unser Intellekt steht uns klar im Wege :
- Aber hier müßte doch jetzt endlich ein Widerstand sein
- Tiefer kann es einfach nicht gehen
- Nach diesem Gap kann der Kurs nur fallen
- So , diese 100 Punkte nehme ich jetzt mit - abends wären es 180 gewesen
- Na , die 50 Eier gegen mich sitz´ich doch auf einer Backe aus , es kann nur noch andersrum kommen usw. , usw. , usw. .
Die Erkenntnis für mich ist , daß Trading oder das Handeln im Sekundenbereich wie auf Wochen- und Monatsfrist für 95% der Menschen nichts ist - es läuft ihrem innersten Menschsein 100%ig zuwider . Sie müßten fast alles an sich/in sich ändern , was gerade sie als unverwechselbaren Menschen ausmacht , eben von anderen unterscheidet .
Als weiteres nicht überwindbares Übel kommt unsere Voreingenommenheit ins Spiel , mag sie nun aus intellektuellen Quellen entspringen oder aus " primitiven" Situationsreflexen , die uns im Nachhinein immer auf nicht zu erklärende Weise hemmen und lähmen - oder im Übereifer genau das Falsche tun lassen .
Diese zwei menschlichen Verhaltensweisen halten uns wahrhaft dauer- wie auch massenhaft vom Erfolg an den Märkten ab - egal , ob ein jemand im Sekundenbereich nach Futures hinterher jagt - oder auf Jahresfrist mit Aktien sein Glück versuchen will . Wir Menschen sind innerlich so gebaut , daß wir jeden Tag Launen haben - gute , schlechte , Gefühle , verliebt sind , schmerzlich zutiefst verletzt sein können -
und da sollen wir Tag für Tag gleich diszipliniert , gleich rational , gleich launenlos handeln -?-
und das an Märkten , die uns jede Stunde aber mit Extremlaunen quälen -?-
und das noch obendrein , wo wir alles auf dem Monitor Gesehene zweifelnd , zögernd , euphorisierend fehlinterpretieren . . .
Ich sehe für dieses Dilemma keinen Ausweg , ob mit Atemübungen , mit englischen oder amerikanischen Wortschöpfungen - sie verschleiern nur unser Menschsein auf diesem Gebiet . Blaue Augen können wir nicht wegtherapieren , schwarze Haare und die Körpergröße auch nicht .
Auf einem anderen Gebiete , wo mein Leben dranhing , und nicht nur diese paar popligen Märker , habe ich tagein -tagaus dieselbe Aufmerksamkeit , Disziplin und Konzentration folgen lassen: Beim Drachenfliegen am Tegelberg bei Füssen über Schloß Neuschwanstein-Schwangau . Obwohl das Leben dranhing , mein Leben , ist mir nicht ein Fehler unterlaufen , der die gleiche Schwere der vielen Mißgriffe meines früheren Tradens gehabt hätte . Für mich ist Traden im wahrsten Sinne des Wortes unmenschlich - darum hasse ich es abgrund tief . Beim Selberhandeln lief es vielen meiner Gefühle 100%ig zuwider.
Darum gebe ich es weg - keine optischen Täuschungen mehr , innerlichen Selbstzerfleischungen - und ob ich nun davor hocke oder etwas anderes mache , ist dem Kurs völlig piepenhagen . Wir sehen es ja immer wieder - immer wenn wir " irgendwie" verhindert sind , gibt es unglaublich starke Bewegungen - aber wir hätten es ja auch beim Davorhocken sowieso nicht geblaubt !!!
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This post has been edited 1 times, last edit by "Bo10a" (Nov 22nd 2005, 5:01pm)
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kannichdoc auf Seite 4 des w/o threads
Nach mehreren Jahren in denen für mich Kohle machen durch Daytrading absolut im Vordergrund stand, gönne ich mir nun seit 3 Monaten Auszeit. Abgesehen davon, daß das wohl in kaum einem anderen Beruf einfach so aus einer Lust heraus möglich ist, habe ich in der Zeit danach eine sehr wichtige Erfahrung gemacht:
Meine Seele hat sich während der Daytrading-Zeit ganz schön zurückgezogen, um nicht zu sagen, sie ist etwas verkümmert. Ich habe das damals aber gar nicht direkt wahrgenommen, sondern mir fiel nur auf, daß ich zum Misantropen, Eigenbrötler und Technokraten geworden war. Ich dachte, das wäre eben der Lauf meiner Entwicklung und irreversibel.
In den letzten 3 Monaten kam meine Seele aber wieder zur Entfaltung und in den Vordergrund, und auch wenn die negative Rückkopplung mit der Daytrading-Zeit nicht zwingend sein muß, sondern auch Zufall sein kann (vielleicht fühl ich mich einfach auch wohler seit ich seltener bei WO poste ), sehe ich da schon einige unversöhnliche Gegensätze.
Klar gehört der Mangel an sozialen Kontakten in vielen Fällen dazu, aber durch rigide Zeitbeschränkung beim Trading muß das eigentlich kein Problem darstellen. Viel wichtiger ist der Verlust der Kindlichkeit, wenn man als Eigenhändler erfolgreich sein will, die aber für eine glückliche Seele unerläßlich ist.
Selbstkontrolle, Disziplin, Hartnäckigkeit, Risikobewußtsein, Rationalität, Zuverlässigkeit auf der " tradingförderlichen" Seite der Persönlichkeitsattribute. Das sind alles sehr " erwachsene" , restriktive, harte Eigenschaften.
Spontaneität, Emotionalität, Sinnestreue, Offenheit, Risikofreude, Liebesfähigkeit, Spiellust, Phantasie auf der Seite der Attribute, die einen Trader schnell in den Ruin führen. Aber dies sind gerade " kindliche" , weiche Eigenschaften, die die Seele anregen und unerläßlich sind, um sich glücklich zu fühlen.
Um es kurz zu machen: Ich beobachte für mich gerade, daß " beides" zusammen nicht funktioniert, also habe ich mich für eine längere Handelspause entschieden, um auch mal einen anderen wichtigen Teil meiner Persönlichkeit ausleben zu können.
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