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american

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65

Thursday, October 12th 2006, 8:59am

Bioenergie

Da Xenia die Frage nach Ökologietiteln aufgeworfen hat will ich was zu den ebenfalls angebotenen Bioenergiezertifikaten schreiben.

Soweit ich es überblicken kann, gehen die Anbieter dieser Bioenergiezertifikate von steigenden Preisen der Rohstoffe bzw. von steigenden Kursen der im Sektor aktiven Unternehmen aus. Überall ist zu hören, daß Öl immer teurer werden wird, Bioenergie dadurch wettbewerbsfähig wird usw. Das muß nicht so sein, im Gegenteil - es ist sogar sehr unwahrscheinlich.

Abb. 1 zeigt aktuelle Ergebnisse einer Studie des EWI/Prognos. Unschwer zu erkennen: Bei einem Ölpreisniveau um $40 werden signifikante, zusätzliche Erdölmengen wirtschaftlich ausbeutbar. Sobald diese Vorkommen erschlossen, die Erschließungskosten also nicht mehr entscheidungsrelevant sind, werden große Teile dieser Vorkommen weiterhin ausgebeutet, auch wenn der Ölpreis unter $40 sinkt.

Ergebnis: Derzeitige Ölpreisnotierungen sind fundamental nur schwer zu begründen.

Weiterhin kommt die Studie zu dem Schluß, daß weiterhin sehr hohe Energiepreise negative Effekte auf das Wirtschaftswachstum und die Energienachfrage haben werden. Ein weiterer Grund, weshalb niedrigere Energienotierungen zu erwarten sind.

Zur Bioenergie: Ethanol und Biodiesel, mitunter BTL werden als zukünftige Bioenergieträger diskutiert. Um wettbewerbsfähig zu sein, müssen die Energiepreise auf ihrem hohen Niveau verbleiben oder sogar ansteigen. BTL Prozesse sind ab einem Rohölpreis von $70 wettbewerbsfähig, bei inländischem Ethanol und Biodiesel sieht es besser aus, allerdings würden Notierungen von $40 auch hier das wirtschaftliche Ende bedeuten.

Ergebnis: Bioenergie ist nicht wettbewerbsfähig, da derzeit keine Internalisierung der negativen externen Effekte der Nutzung fossiler Energieträger erfolgt.

Was sind nun die Handlungsoptionen?

- Internalisierung der externen Effekte über eine Marktlösung
- staatliche Eingriffe in den Markt und Ausschaltung desselben

Die EU und allen voran Deutschland haben sich für drastische staatliche Eingriffe in den Markt entschieden. Der Versuch, über eine Marktlösung die externen Effekte zu internalisieren mag manchen Politikern wohl zu passiv sein.

Wie funktioniert es nun?

Erzeugern von Bioenergie wird ein garantierter Preis für beliebige Mengen gewährt, der völlig unabhängig von Entwicklungen des restlichen Energiemarktes ist. Für Ethanol und Biodiesel werden Verwendungsquoten vorgeschrieben.

Was bedeutet das für die Notierungen von Bioenergieprodukten wie Raps, Getreide usw.?

Durch die staatlich festgelegten Preise für Energie legt der Staat indirekt die Produktpreise fest. Diese liegen deutlich über dem Wert, der sich durch Bewertung nach ihrem tatsächlichen energetischen Wert ergäbe. Weitere Steigerungen sind abwegig, da fundamental nicht zu begründen.
Bleibt noch die Versorgungslage, da Bioenergieprodukte auch als Nahrungsmittel eingesetzt werden könnten. Steigende Weltbevölkerung usw. sind hier die genannten Schlagworte.

Nun, renommierte Organisationen wie OECD, FAO und FAPRI kommen zu dem Schluß, daß die zu erwartende zusätzliche Nahrungsmittelnachfrage durch technischen Fortschritt und Ausdehnung der Anbauflächen befriedigt werden kann. Folgerichtig bleiben die Notierungen der Produkte konstant.

Was bedeutet das?

Der Einstieg in die europäische oder US-Bioenergieerzeugung hängt zu 100% an der Entwicklung der staatlichen Transferzahlungen und des Markteingriffs. Derzeit steht der IPO der Südzucker Ethanolproduktion an. Knapp gesagt: Ohne Schutz vor brasilianischem Ethanol ist die Ethanolproduktion in Europa nicht wettbewerbsfähig. Derzeit werden 19,2 ct je l Ethanol Zoll erhoben. Allein der Wegfall dieses Schutzes bei sonst gleichen Bedingungen hätte den Verlust der wirtschaftlichen Basis der Ethanolproduktion zur Folge.

Wie wahrscheinlich ist das?

Zitat aus http://dip.bundestag.de/btd/16/027/1602709.pdf

"Im Falle von Störungen des deutschen Biokraft- oder Bioheizstoffmarktes oder des Biokraft- oder Bioheizstoffmarktes in der Europäischen Gemeinschaft, die durch Einfuhren aus Drittländern hervorgerufen werden, wird die Bundesregierung bei der Kommission der Europäischen Gemeinschaften die Einleitung geeigneter Schutzmaßnahmen beantragen.“

Der politische Wille, den Markt völlig auszuschalten, ist offensichtlich.

Muß nun weg, später evtl. mehr.

gruß

american
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xyxyber

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64

Wednesday, October 11th 2006, 9:05pm

TV-Sendung zu Discountern

In Fortsetzung der Diskussion zu Markt und Realität aus dem Thread TV tips zur Sendung über die Discounter (empfohlen im Posting von ktrade 03.10.2006 14:33) sage ich:

Das Leben ist nicht nur ein Markt, aber überall, wo Waren und Dienstleistungen ausgetauscht werden, gelten die Gesetze des Marktes. Wird die freie Entscheidung der Teilnehmer auf dem Markt eingeschränkt, werden sich Nebenmechanismen bilden, die für alle Beteiligten schlechter und teurer sind.

Die Finanzmärkte als weitgehend intakte Märkte erlauben eigenverantwortlich agierenden Individuen, Entscheidungen ohne irgendwelche Zustimmung erheischenden Statements und ausufernder unberechtigter Kontrolle durch Dritte zu fällen und umzusetzten. Der Umgang auf dem "Arbeitsmarkt" ist dagegen von Beharrung geprägt und teils irrsinnigen Regulierungen unterworfen. Würde der "Arbeitsmarkt" wieder mehr als Markt im eigentlichen Sinn funktionieren, wäre der gesamtgesellschaftliche Wohlfahrtsgewinn geradezu exorbitant. Das ist keine Ideologie, sondern entspricht volkswirtschaftlichen Gesetzmäßigkeiten.

Leider kann mit der einfachen sachlichen Feststellung nichts in der Realität durchgesetzt werden. So wird es zwangsläufig zu einer weiteren Zunahme der negativen Randerscheinungen am Arbeitsmarkt und weiterer Kapitalflucht aus D kommen, so lange, bis auch die Mehrheit der Entscheider sich an eine objektive Betrachtung heranwagen, anstelle bloße Wunschvorstellungen mit immer abenteuerlicheren Gesetzes-Machwerken und Lobby-Organisationen umsetzen zu wollen, die bei auch nur minimalem ökonomischen Sachverstand von vorherein als teure Fehlversuche erkennbar sind.

Für einen Trader sollte die sachlich distanzierte, von manchen als technokratisch empfundene, Betrachtung ökonomischer Sachverhalte selbstverständlich sein. Alles andere mag zwar erst mal als menschlich angenehm empfunden werden, führt aber zu Verlusten, egal, ob im Trading an den Finanzmärkten oder bei der Gestaltung der Güter- und Arbeitsmärkte.

xyxyber

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63

Tuesday, October 10th 2006, 10:40pm

RE: politikforum.de

@ Bo10a

Allerbeste Genesungswünsche!

Paßt schon. In diesem Thread ist Kritik gestattet, bloß sollten vor lauter vordergründiger Moral nicht gleich alle zumindest in der kurzen Frist wirkenden Kausalitäten ignoriert werden. In der langen Frist wird die Welt sowieso vollkommen anders aussehen - hoffentlich besser.

Das mit dem 'in Saus und Braus leben' stimmt übrigens in wirtschaftspsychologischer Sicht nur eingeschränkt, denn für die persönliche Befindlichkeit ist neben dem objektiven Reichtum auch die relative Position zum Umfeld ebenso bedeutsam. Je nach individueller Präferenz kann der relative Faktor den objektiven sogar dominieren. So kommt es zum Beispiel, daß sich Leute, die in eine reichere Gegend ziehen, dort trotz der verbesserten Lage öfter als Underdogs fühlen.

Bo10a

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62

Tuesday, October 10th 2006, 10:11pm

RE: politikforum.de

@ xyxyber

Ich freue mich über Dein letztes differenziertes Posting. :)
Ich hätte mich auch sicherlich in Deinem Thread anders ausgedrückt, wenn es mir gesundheitlich nicht so mies gehen würde. ;(

Einen schönen Abend noch =)

Bo10a

xyxyber

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61

Tuesday, October 10th 2006, 9:13pm

RE: politikforum.de

Zum kapitalistischen System und seinen Auswüchsen - und das sind bei genauer Betrachtung noch viel mehr, als die meisten glauben - kann man persönlich durchaus sehr zwiespältige und differenzierte Meinungen haben.

Beim politischen System kann man sowohl für mehr Staat als auch für weniger in jedem Teilbereich eine gesonderte Ansicht vertreten. Beim Geldsystem könnte man z. B. die Vorstellungen des Freigeldes durchaus betrachtenswert finden. Der Glaube, als mehr oder weniger träge angenommene Menschen zur Arbeit mit scharfem materiellem Zwang anzuhalten zu müssen, steht bekanntermaßen der freien Entfaltung des Einzelnen durch von Innen heraus, aus eigenen Willen und Verantwortungsbewußtsein erbrachten Höchstleistungen entgegen. Die Gründe für die Abweichungen vom Ideal und ihre historischen Ursachen sind oft aus verschiedenster Sicht zu erklären versucht worden und in Unmengen politischer, ökonomischer und historischer Literatur auch in jeder erdenkbaren Sicht nachzuvollziehen.

Es gibt sowohl von positiven als auch von negativen Menschenbildern ausgehende Theorien und darüberhinaus auch spieltheoretische, politisch weitgehend neutrale Modelle, die noch viel kniffligere und häufig total unerwartete Antworten geben und oft ohne jeden bösen Willen der Beteiligten bereits bei geringen Änderungen der Ausgangsbedingungen zwischen den Extremen als einzigen stabilen Endzuständen relativ zügig umkippen.

Die eigene moralische Ansicht hilft bei der Erklärung bereits ablaufender oder unmittelbar bevorstehender wirtschaftlicher Vorgänge kaum weiter und darf nicht zur Aufhebung des ökonomischen Sachverstandes führen.

Purri

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60

Tuesday, October 10th 2006, 8:33pm

Ich könnt jetzt antworten, lass es aber lieber bleiben. Polit-Diskussionen auf Internet-Boards arten einfach relativ schnell in Untergriffen und Flames aus. Evtl. sollte man das Thema wirklich ins politikforum.de verbannen.

Bo10a

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59

Tuesday, October 10th 2006, 8:27pm

RE: politikforum.de

@ xyxyber

Du argumentierst als reiner Betriebswirtschaftler und hast wohl von Wirtschaftspsychologie und Ökologie noch nie was gehört, geschweige denn Dich intensiv damit auseinandergesetzt.
Von daher siehst Du bestenfalls 33 % der Realität. Wirtschaft wird von Menschen gemacht, und nicht von Zahlen-Robotern.
Wer das nicht begreift, wird nie verstehen, weshalb die Weltwirtschaft und die Natur über kurz oder lang den Bach runter gehen.

Im Grunde genommen sind angesichts des Hungers in der Welt und der immer häufigeren Naturkatastrophen die achso großen Weltökonomen - bis auf wenige Ausnahmen - schon lange gescheitert.

Wenn man selber in Saus und Braus leben kann, läßt sich das natürlich gut verdrängen. ;)

Gruß
Bo10a

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Xenia

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58

Tuesday, October 10th 2006, 8:16pm

Weiss nicht ...

Man könnte vielleicht auch ganz allmählich mit Ökologie Titeln long gehen ?

www.news.ch/242212/detail.htm

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xyxyber

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57

Tuesday, October 10th 2006, 8:04pm

politikforum.de

@ RS8 politikforum.de ist eine gute Empfehlung. Danke!

Ich bin auch überrascht, daß hier, in einem Forum von Tradern, weniger auf unabhängig von unseren persönlichen Einstellungen objektiv wirkende Ursache-Wirkung-Mechanismen des heutigen Wirtschaftssystems als Erklärung für real beobachtbare Phänomene abgestellt wird, als auf subjektive Wünsche zu realistischerweise in absehbarer Zeit kaum änderbaren Tatsachen.

Ich denke, daß ein Trader durchaus eine weit vom status quo abweichende private Meinung haben kann, aber das Verständnis aktueller ökonomischer Vorgänge und deren Einschätzung für die Suche des eigenen Vorteils sicher am Fakt der Profit-Orientierung der entscheidenden Player und der dabei von diesen benutzten Techniken ausrichten sollte.

Wenn das mit der Kriegswut und der Pseudo-Demokratie so ist, geht der gewinnorientierte Trader in Rüstungs- und "Security"-Titeln long, und hedgt marktneutral mit Ökologie-Titeln.

Xenia

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56

Tuesday, October 10th 2006, 9:02am

Moin Moin

"Die Macht im Staate haben die Konzerne übernommen."

Ja. Unser grosses Vorbild ist ja auch ein Land mit Pseudo-Demokratie und einem kriegswütigen Kasper als Präsident.

Quoted

Lobbying wird für Konzerne immer wichtiger. Lobbygruppen versuchen gezielt, Ansätze und Meinungen ihrer Auftraggeber in politische Prozesse, wie beispielsweise Gesetzgebungsverfahren einzubringen. Unternehmen sind aus Wettbewerbsgründen bemüht, über für sie wichtige politische Entscheidungen nicht nur auf dem Laufenden zu sein und deren Auswirkungen zu verstehen, sondern sie auch zu beeinflussen.


Quoted

Verstärkt seit dem Ende der 1990er Jahre entstand in Deutschland eine große Zahl von Initiativen, die sich für als notwendig angesehene marktwirtschaftliche Reformen und gegen Reformstau einsetzen. Viele dieser Gruppen verstehen sich selbst als Basisbewegungen, Kritiker bezeichnen sie oft als Lobby-Organisationen der Wirtschaft und verweisen als Beleg auf ihre Finanzierung. Sie nutzen beispielsweise große Anzeigen in Tageszeitungen, aber auch Rundfunk, um für ihre (politischen) Ziele zu werben und so in ihrem Sinn Einfluss auf die öffentliche Meinung zu nehmen. In Diskussionen wie um Kernenergie, Biotechnologie, Urheberrecht/Tauschbörsen oder um Softwarepatente wird immer wieder kritisiert, dass Industrie und Großkonzerne über massive Lobbyarbeit Gesetze auf Bundes- oder EU-Ebene (EU-Kommission) durchsetzen, die in ihrem Interesse, aber nicht im Interesse des Mittelstandes oder des durchschnittlichen Verbrauchers seien. Die Befürworter verweisen dann auf die internationale Wettbewerbsfähigkeit.

http://de.wikipedia.org/wiki/Lobbyismus

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Bo10a

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55

Tuesday, October 10th 2006, 8:41am

RE: Anreize für gewünschtes Handeln

Quoted

Original von RS8

@ purri
Die Diskussion um den Umfang der Staatstätigkeit ist ja nicht neu. Spätestens mit Gründung der BRD hat man sich für eine ordoliberale Wirtschaftspolitik entschieden. Bleibt die Frage, wie viel vom ursprünglichen Konzept heute in der BRD noch Anwendung findet...
Bahn- und Wasserversorgung sind keine Beispiele gegen Privatisierung sondern Beispiele für schlecht/falsch gemachte Privatisierung (soviel zum Thema schwarz/weiß). Genau das hat User xyxyber zu erklären versucht, als er Problematik um die aktuelle Bahnprivatisierung angesprochen hat.

ps. eigentlich wollte ich mich zum Thema gar nicht äußern. Da habe ich hier schon genug Diskussionen zu geführt. Dieses Forum empfehle ich auch allen, die sich (wirtschafts-)politisch streiten bzw. weiterbilden möchten.


Die Macht im Staate haben die Konzerne übernommen. Von daher sind zumindest in Deutschland gut gemachte Privatisierungen nur noch ein frommer Wunsch.

Gruß
Bo10a

RS8

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54

Monday, October 9th 2006, 11:06pm

RE: Anreize für gewünschtes Handeln

Quoted

Original von xyxyber
Wenn die Anreize durch geeignete gesetzliche Regeln richtig gesetzt sind und nicht auf das Gute im Menschen gehofft wird, sondern stattdessen sein rationales und ökonomisch sinnvolles Handeln der Ausgangspunkt ist, können die gewünschten Resultate erreicht werden.

Wenn Unternehmen weitgehend von der Haftung für ihre Risiken freigestellt werden und gegenüber der Allgemeinheit bestehende Verpflichtungen nicht mit aller Konsequenz eingefordert werden, ist für die Unternehmen kein ernsthafter Anreiz zur Risikobegrenzung im lockeren Umgang mit der Sicherheit oder zur Einhaltung sonstiger Verpflichtungen gegeben. Würde die Politik nicht nur mit dümmlichen Sonntagsreden appelieren, sondern ihre Gesetzesarbeit handwerklich korrekt machen, kann man auch auf große Unternehmen guten Einfluß nehmen.

Eine besonders eklatante Fehlleistung der Politik ist der Verzicht auf vertraglich gebundene Verpflichtungen gegenüber der öffentlichen Hand bzw. deren konsequenter Durchsetzung. Aber in der kranken Welt der Bürokratie ist es effektiver Bußgeldbescheide über einige Euro bei einem Verkehrssünder mit Zwangshaft einzutreiben als Milliardenverpflichtungen bei Großunternehmen mit erheblichen volkswirtschaftlichen Auswirkungen und großen Gefährdungspotentialen zu kontrollieren.

Wenn öffentliche Unternehmen allerdings die Lösung aller Probleme sein sollten, dann müßte der Sozialismus den Westen aufgekauft haben und nicht kollabiert sein.


Ich habe zwar nicht das Gefühl, dass man für dich in die Bresche springen müsste. Aber was du schreibst, hat Hand und Fuß...nur wird es von einigen hier nicht ganz verstanden ;)


@ chatterhand
Sozialismus in einem Atemzug mit freien Wahlen zu erwähnen, hat mich doch glatt zum Schmunzeln gebracht :D

@ purri
Die Diskussion um den Umfang der Staatstätigkeit ist ja nicht neu. Spätestens mit Gründung der BRD hat man sich für eine ordoliberale Wirtschaftspolitik entschieden. Bleibt die Frage, wie viel vom ursprünglichen Konzept heute in der BRD noch Anwendung findet...
Bahn- und Wasserversorgung sind keine Beispiele gegen Privatisierung sondern Beispiele für schlecht/falsch gemachte Privatisierung (soviel zum Thema schwarz/weiß). Genau das hat User xyxyber zu erklären versucht, als er Problematik um die aktuelle Bahnprivatisierung angesprochen hat.

ps. eigentlich wollte ich mich zum Thema gar nicht äußern. Da habe ich hier schon genug Diskussionen zu geführt. Dieses Forum empfehle ich auch allen, die sich (wirtschafts-)politisch streiten bzw. weiterbilden möchten.
If you don't bet, you can't win.
If you lose all your chips, you can't bet.


- Larry Hite -

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- einer, der Bescheid weiß -

Bo10a

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Sunday, October 8th 2006, 1:53pm

In den Vorstandsetagen der DAX-Unternehmen sind mehr als 24% Ausländer, eine Steigerung gegenüber 2000 um das Doppelte. Da braucht man sich also über unseren deutschen Konzerne über nichts mehr wundern.

Ich bezweifle, daß die Dow Jones-Unternehmen 24% Ausländer, geschweige denn viele Deutsche, in ihren Vorständen haben
-vielleicht werden die ja bald von vielen kleinen Chinesen unterwandert :D -.

Aber die USA haben ja auch unser Gold in ihren Tresoren.
Kleiner Pfand, falls die Deutschen mal wirklich frech werden sollten. :P :evil:

Anstatt das die deutschen Politiker auf diese Art von Globalisierung reagieren, wird alles abgenickt, was von der EU kommt, und nur das was sinnvoll ist, wie zum Beispiel zum Thema Rauchen, wird abgelehnt. ;(

Stattdessen gibt es immer noch die Macht und Bürokratie der Bundesländer mit ihren Landesfürsten, sodaß sich Deutschland immer mehr selbst zerfleischt.

Für ein freies, selbstbestimmtes Europa!

Ich weiß, alles mal wieder holzschnittartig sehr vereinfacht, aber angesichts der allgemeinen Extremverarschung ist mir die Lust an hochtrabenen, differenzierten Diskussionen vergangen. ;)

Gruß
Bo10a

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Bo10a

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52

Saturday, October 7th 2006, 7:40am

RE: Anreize für gewünschtes Handeln

Quoted

Original von chatterhand

Quoted

Original von Purri
Oder vielleicht eigenen sich ...


Ganz meine Meinung! :)


dito :)

Gruß
Bo10a

chatterhand

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51

Friday, October 6th 2006, 11:35pm

RE: Anreize für gewünschtes Handeln

Quoted

Original von Purri
Oder vielleicht eigenen sich gewisse Dienstleistungen, denen ein politisch gewünschter Grundversorgungsauftrag zugrunde liegt, einfach nicht zur Privatisierung? Gewisse Dinge will man als Gesellschaft einfach haben, und manche davon lassen sich einfach nicht profitabel betreiben. Negativ-Beispiele gibts ja zur genüge. Die Bahn in UK wurde ja schon genannt, die englische Wasserversorgung ist ebenfalls eine Katastrophe, die amerikanischen Stromnetzte, die englischen Patienten müssen Teils ins Ausland reisen für eine Operation, etc. etc. etc...

Ich finds prinzipiell nicht schlecht, wenn die öffentliche Hand in Unternehmen in diesem Bereich zumindest die Sperrminorität hält. In einem Grossteil der europäschen Länder funktioniert das hervorragend. Ist zumindest ehrlicher als amerikanische Verhältnisse, wo das alles grossteils privatisiert ist, aber Politik und Wirtschaft in einem Masse verwoben sind, das es nur mehr zum kotzen ist (hat mit freier Marktwirtschaft auch nicht mehr viel zu tun), und obendrein oft nicht zufriedenstellend funktioniert.

Der Markt kann halt nicht alles regeln, und teilweise hab ich den Eindruck, das bei manchen sog. Marktliberalen mehr Ideologie im Spiel ist als bei den Sozialisten. Pragmatismus sollte hier die Devise sein, meines Erachtens.


Ganz meine Meinung! :)

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chatterhand

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50

Friday, October 6th 2006, 11:33pm

RE: Anreize für gewünschtes Handeln

Jaja, das ist heutiger Stand. Wer sagt denn, dass der Kapitalismus für immer bleibt, ist er von Gott gegeben? Es gibt doch Alternativen, teilweise von Milliarden Menschen geduldet, erduldet oder sogar erwünscht.

1. Beispiel: Sozialismus, immerhin noch in Kuba, Nordkorea und mit Abstrichen China immer noch praktiziert, da leben nicht gerade wenige Menschen. Entwicklung in Süd-/Mittelamerika. Immer mehr Sozialisten übernehmen nach freien Wahlen das Ruder. Und in Europa sogar in Österreich! 8o ;)

2. Beispiel: Islam, nicht wenige Menschen kämpfen für die weltweite Verbreitung und die Etablierung von Gottesstaaten.

Diese Strömungen sollte man nicht ignorieren. Ob sie dauerhaft 2. Sieger bleiben werden, ist noch ungewiss. Sich als Kapitalist als Sieger oder dauerhaft überlegen zu fühlen zeugt von einer Arroganz, die sich eines Tages rächen könnte. Abwarten!

Und jetzt zu unseren Politikern;

Diese unfähigen und selbstgefälligen Volksausnutzer und Selbstbediener gab es immer und wird es immer geben und zwar in jedem System. Daher sollte man sehr genau vorher hinschauen, welche kapitalistischen Träume (Privatisierung ect.) überhaupt machbar sind und ob sie sich nicht durch die Politik ins Gegenteil umkehren werden.

Schwarz/Weiss-Denken macht sich immer gut am Stammtisch, mit der Realität in einer Demokratur verträgt es sich aber nicht bzw. ist nicht wie gewünscht durchsetzbar/umsetzbar.

Purri

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49

Friday, October 6th 2006, 11:33pm

RE: Anreize für gewünschtes Handeln

Oder vielleicht eigenen sich gewisse Dienstleistungen, denen ein politisch gewünschter Grundversorgungsauftrag zugrunde liegt, einfach nicht zur Privatisierung? Gewisse Dinge will man als Gesellschaft einfach haben, und manche davon lassen sich einfach nicht profitabel betreiben. Negativ-Beispiele gibts ja zur genüge. Die Bahn in UK wurde ja schon genannt, die englische Wasserversorgung ist ebenfalls eine Katastrophe, die amerikanischen Stromnetzte, die englischen Patienten müssen Teils ins Ausland reisen für eine Operation, etc. etc. etc...

Ich finds prinzipiell nicht schlecht, wenn die öffentliche Hand in Unternehmen in diesem Bereich zumindest die Sperrminorität hält. In einem Grossteil der europäschen Länder funktioniert das hervorragend. Ist zumindest ehrlicher als amerikanische Verhältnisse, wo das alles grossteils privatisiert ist, aber Politik und Wirtschaft in einem Masse verwoben sind, das es nur mehr zum kotzen ist (hat mit freier Marktwirtschaft auch nicht mehr viel zu tun), und obendrein oft nicht zufriedenstellend funktioniert.

Der Markt kann halt nicht alles regeln, und teilweise hab ich den Eindruck, das bei manchen sog. Marktliberalen mehr Ideologie im Spiel ist als bei den Sozialisten. Pragmatismus sollte hier die Devise sein, meines Erachtens.

xyxyber

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48

Friday, October 6th 2006, 10:33pm

Anreize für gewünschtes Handeln

Wenn die Anreize durch geeignete gesetzliche Regeln richtig gesetzt sind und nicht auf das Gute im Menschen gehofft wird, sondern stattdessen sein rationales und ökonomisch sinnvolles Handeln der Ausgangspunkt ist, können die gewünschten Resultate erreicht werden.

Wenn Unternehmen weitgehend von der Haftung für ihre Risiken freigestellt werden und gegenüber der Allgemeinheit bestehende Verpflichtungen nicht mit aller Konsequenz eingefordert werden, ist für die Unternehmen kein ernsthafter Anreiz zur Risikobegrenzung im lockeren Umgang mit der Sicherheit oder zur Einhaltung sonstiger Verpflichtungen gegeben. Würde die Politik nicht nur mit dümmlichen Sonntagsreden appelieren, sondern ihre Gesetzesarbeit handwerklich korrekt machen, kann man auch auf große Unternehmen guten Einfluß nehmen.

Eine besonders eklatante Fehlleistung der Politik ist der Verzicht auf vertraglich gebundene Verpflichtungen gegenüber der öffentlichen Hand bzw. deren konsequenter Durchsetzung. Aber in der kranken Welt der Bürokratie ist es effektiver Bußgeldbescheide über einige Euro bei einem Verkehrssünder mit Zwangshaft einzutreiben als Milliardenverpflichtungen bei Großunternehmen mit erheblichen volkswirtschaftlichen Auswirkungen und großen Gefährdungspotentialen zu kontrollieren.

Wenn öffentliche Unternehmen allerdings die Lösung aller Probleme sein sollten, dann müßte der Sozialismus den Westen aufgekauft haben und nicht kollabiert sein.

Xenia

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47

Friday, October 6th 2006, 10:12pm

XYX und "Die Bahn"

In Grossbritannien wurde die Bahn vor 10 Jahren schon privatisiert, aber die von dir in
Aussicht gestellten positiven Effekte sind leider nicht eingetroffen, soweit mir bekannt.

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chatterhand

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46

Friday, October 6th 2006, 10:01pm

RE: Konterkarierung der Wettbewerbs lähmt die Wirtschaft

Schau Dir mal die Bahn in GB nach der Privatisierung an, ein Bild des Schreckens! Frag mal die Engländer nach ihren Erfahrungen. 8o

Wer garantiert den Deutschen, dass es hier dann nicht genauso kommt? ?(