Bezugnehmend auf
Posts zur Trendfolge im Cable-Thread merke ich hier folgende Vorzüge von Optionen/Optionsscheinen an:
Wenn vom Trader ein längerer dynamischer Trend angenommen wird, der in so klarer Ausprägung eher sehr selten in den Options-Prämien schon eingepreist ist (da die dort meist genutzten Modelle nur geringfügig bis gar nicht die Markt-Richtung prognostizieren wollen), ist er mit nicht-linearen Instrumenten (Plain-Vanilla- und ggf. auch exotischen Optionen geeigneter Laufzeit) gegenüber linearen (Futures, CFD, Knock-Outs, fremd-finanzierte Anlagen im Underlying etc.) als Trendfolger erst recht besser dran gegenüber den vergleichbaren Trades mit linearen Instrumenten.
Selbst wenn beim Eingehen einer Position in einer trendlosen Zeit nicht mal die Richtung des späteren Ausbruches aus der Range richtig vorausgesehen wurde, kann bei ausreichender Dynamik mit einem Straddle oder Strangle (Long Put + Long Call gleicher bzw. auseinander liegender Basis-Preise) immer noch Geld verdient werden, da in einer dynamischen Bewegung der Wert der Seite auf der man richtig liegt, schneller an Wert zunimmt als die falsch liegende Seite verliert. Nur wenn gar keine Bewegung eintritt, kommen beide Seiten zugleich in den Verlust, was aber der akzeptable Preis für das ansonsten entspanntere Traden mit Optionen ist.
Bei deutlich über Intraday hinausgehenden Halte-Zeiträumen kann mit dem Einstieg in einer trendlosen Phase auch gleich noch eine günstigere Optionsprämie für eine Option-Long-Position verbunden sein.
Eine mögliche (teilweise direktionale) Strategie ist es, beide Seiten einzeln ganz normal nach den üblichen Techniken für seine Setups im Underlying zu handeln (wenigstens bzgl. des Exits), wobei man zuerst aus der richtig liegenden Seite aussteigt und später nach einer Korrektur auch die schlecht gelaufene Seite verkauft. Ebenso ist eine Staffelung zu verschiedenen Basispreisen empfehlenswert, da es bei den günstigen Kommissions-Strukturen nicht-deutscher Broker keinen Grund gibt, unerwünscht große Positionen mit einem Schlag in nur einer Options-Serie (Underlying, Typ, Laufzeit, Basiswert gleich) einzugehen, wenn man börsengehandelte Optionen nutzt.
Bei einem kurzzeitigen satten Rücksetzer können die Options-Prämien sogar wegen der gestiegenen Volatilität durch die negative Kurs-Entwicklung alleine gerade bei Options-Kombinationen deutlich weniger (bis gar nicht) reduziert werden als das bei einem linearen Instrument der Fall ist. Darum kann man Options-Kombinationen in vielen Fällen behalten oder durch Modifikation mit Hinzunahme weiterer Laufzeiten und Basispreise anpassen, wo bei einem linearen Instrument bei fast allen Trading-Stilen schon lange ein Stop Loss greifen mußte.
Genau aus diesem Vorteil, nicht wie bei linearen Instrumenten am Stop immer sofort mit der einzigen Möglichkeit die Position ganz oder teilweise aufgeben zu müssen, bezieht der Options-Trader einen nicht zu unterschätzenden mentalen Vorteil in der Stabilität seiner Strategien.
Es sollte bei aller Notwendigkeit von Stops nämlich nicht vergessen werden, daß die übersimplifizierte Idee, den Erwartungswert zu verbessern, indem man die Verlustteile der Verteilungs-Kurve der Kurs-Bewegungen abschneidet, so alleine nicht funktioniert, da der abgeschnittene Teil noch höherer möglicher Verluste mit einem jeweils am Stop wirklich bereits unwiederbringbar realisierten Verlust erkauft wurde, während die noch offenen Positionen auf der Gewinnerseite nur die Chancen auf noch höhere Gewinne darstellen, die noch keineswegs sicher sind.
Wer mit Optionen sehr professionell arbeitet, kann die Prämien-Kosten noch verringern, indem er mit weiteren selber geschriebenen Optionen (Call Short, Put Short) Prämien vereinnahmt und das Ganze so zu komplexen Kombinationen erweitert, was dann aber schon die Oberstufe ist und leider auch sehr abstrakt wird und man sich voll auf seine Berechnungen verlassen muß, da sich das leider nicht mehr selbst erklärt oder leicht anschaulich ist, obwohl diverse Options-Softwares einige Entscheidungs-Hilfen optisch brauchbar darstellen können.
Emittenten-Produkte schneiden zwar hinsichtlich Stückelung für kleines Kapital besser ab, aber hinsichtlich Transparenz und Mindest-Kommissionen kann man sie eher vergessen, es sei denn man findet einen Dienstleister, der kommissionsfreie Ausführungen bietet, die auch wirklich stabil funktionieren (z. B. nicht wie bei Flatex, wo die Abwicklung mit den Transaktions-Kosten sparenden Premium-Partenern entgegen der Werbung nicht gerade immer problemlos klappt). Dabei sollte aber bedacht werden, daß sich solche Angebote aus Kickbacks aus der intransparenten Preisgestaltung des Produktes selber finanzieren.
Eine Straddle-/Strangle-Strategie vereint die Eigenarten von Sammeln und Jagen, bei von Zeit zu Zeit mal auftretenden sehr fixen und langen Bewegungen, die der Markt noch nicht eingepreist hat, kommt die Gewinnerseite richtig fett in den Gewinn, in den anderen Fällen versucht man die Differenz zwischen Gewinn der einen Seite und geringerem Verlust der anderen Seite zu sammeln. Wenn die Laufzeiten nicht ultrakurz (kürzer als einige Wochen) sind, kann man das Ganze insgesamt hinsichtlich des Aufmerksamkeits-Bedarfes sehr entspannt und hinsichtlich des Zeitwert-Verlustes tragbar durchziehen.
Wenn man vorher! richtig gerechnet hat, bezüglich seiner Ziele und Umschichtungs-Punkte, vermeidet man bei deren Einhaltung auch viele Trading-Fehler, die bei linearen Instrumenten aus der stets gleich teuren Ungewißheit des nächsten Pips/Ticks/Punktes kommen.
Ich denke schon, daß die exorbitanten Hebel und die recht ordentlich anzuschauenden Oberflächen der CFD-/FX-Plattformen die einstmals sehr beliebten Options-Produkte eher aus Marketing-Gründen, Bequemlichkeit der Nutzer und deren blanker Gier und Over-Confidence für das Retail-Publikum über Gebühr auf die Plätze verwiesen zu haben scheinen, als sachlich wirklich gerechtfertigt wäre, wobei es da auch in den verschiedenen Boards große Unterschiede gibt und es auch heute durchaus noch welche gibt, wo Strategien mit Emittenten-Produkten und über Intraday-Handel Hinausgehendes deutlich mehr Raum einnehmen.