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cosmopolit

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Monday, January 14th 2008, 5:03pm

Also ist der aktuelle Marktpreis eine Zusammenfassung aller Analysen der Marktteilnehmer und deren Umsetzung und entsteht nicht zufällig. Hier ging es ja um die Frage, ob die Chance 50:50 steht, dass sich der Kurs vom Entry in die eine oder andere Richtung bewegt. Ich nehm mal das Extrembeispiel vom 11.9.01. Die große Mehrheit der Marktteilnehmer interpretiert dieses Ereignis als negativ für die Märkte und eine Verkaufswelle beginnt. Wie groß war wohl die Chance auf einen erfolgreichen Longeinstieg zu einem beliebigen Zeitpunkt des Tages in diesem Umfeld? Sicherlich nicht 50%. In diesem Fall war die Analyse sicherlich nicht schwierig, denn jeder konnte sehen, dass die Nachfrage-Seite zusammenbrach und das war sicherlich alles andere als Zufall.
Und genau dieses Verschieben von Angebot und Nachfrage passiert täglich immer im kleinern Maße bei unbedeuteren Anlässen. Ich kann mir natürlich nicht wie im Extrembeispiel sicher sein, wie diese Anlässe von der Mehrheit interpretiert werden, aber zumindestens werden sie interpretiert. Auch das Ingnorieren eines Ereignissen ist eine Interpretation, nähmlich das dieses Ereignis keine Bedeutung hat. Mir ist klar, dass die Marktteilnehmer viele unterschiedliche Gründe haben, ihre Positionen zu kaufen,halten oder zu verkaufen. Wäre alles zufällig, bzw. alle Markteilnehmer hätten den gleichen Informationstand, würde das Kapital nur hin- und her geschoben werden, es würde keine Verlierer oder Gewinner auf lange Sicht geben. Das ist quasi so als spielen nur Poker Spieler des selben Levels gegeneinander, auf lange Sicht wäre ihre Billanz +- 0 , deswegen sind solche Spieler auf schlechtere Spieler angewiesen. Deshalb brauchen erfolgreiche Trader auch Trader, die aus den falschen Gründen ihre Entscheidungen treffen. Diese Trader auf dem falschen Fuss erwischen ist halt die Kunst. Die Markteilnehmer mögen dabei ständig wechseln, aber die Fehler bleiben die selben. Ich glaube nun mal nicht an Zufälle. ( außer in der Quantenphysik ;) )

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Monday, January 14th 2008, 3:47pm

Wieviel Markt-Effizienz?

@ cosmopolit

Das ist immer die alte Frage nach der Markt-Effizienz mit dem Paradoxon, daß wenn kaum jemand mehr analysiert, die Analyse der wenigen übrigen, eine wahre Goldgrube wäre. Je mehr alle mit brauchbaren Methoden analysieren, desto geringer ist der Wettbewerbsvorteil des einzelnen Marktteilnehmers daraus und ganz am Ende kann man sich darauf verlassen, daß der Marktpreis die Dinge schon ziemlich gut darstellt, insbesondere besser, als man es mit eigener Analyse überhaupt hingekriegt hätte. Der Markt spiegelt dabei kollektive Intelligenz wieder. Die ist umso bedeutender, als sie nicht nur verbal bekundet, sondern mit bedeutenden Vermögenseinsätzen unterlegt wird.

Zusammengefaßt wird das in dem Witz:

Student: "Da liegt ein Dollar-Schein."
Professor: "Kann nicht sein. Hätte er da gelegen, hätte ihn schon jemand aufgehoben."
Wer nichts weiß, muß alles glauben.

cosmopolit

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47

Monday, January 14th 2008, 2:46pm

Und genau da sind wir anderer Meinung: Ich glaube eben nicht daran, dass die Entscheidungs-Zeitpunkte zufällig sind. Wäre dem so, könnte man sich jede Analyse des Marktes schenken. Wir traden ja alle letzlich zu Zeitpunkten, wo wir denken, dass es zu einer Anhäufung von Entscheidungen kommt.
( Mal von bestimmten Options-Strategien abgesehen)

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46

Monday, January 14th 2008, 2:30pm

Die Preise sind dahingehend zufälliger Natur, daß konkrete Angebote und Nachfragen stark von zufälligen Entscheidungs-Zeitpunkten abhängen.

Die Zeitpunkte der entscheidendenden Marktteilnehmer sind für sie selber nur dahingehend zufällig, wie sie auf andere reagieren müssen, für ihre eigene Planung nicht. Da werden die Abläufe durch die Organisation ihrer Routine-Abläufe festgelegt (Meetings der Entscheidungsgremien, Tageseinteilung, individuelle Anlageziele). Für den Markt als Ganzes ist das Zusammentreffen aller Angetoe und Nachfragen zu einem konkreten Moment somit einigermaßen zufällig.
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cosmopolit

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45

Monday, January 14th 2008, 1:41pm

Der Hammer war jetzt nur ein Beispiel für ein Symbol. Ich hätte genauso gut eine Trendlinie im Weekly Chart nehmen können, die interessiert auch große Marktteilnehmer.
Ich will jetzt gar nicht von den ganzen fundamentalen Einflüssen sprechen, kennt man diese, kann man zumindestens eine längerfristige Prognose treffen. Wenn ich immer von 50:50 ausgehe, dann wären allen Preise rein zufälliger Natur und würden nicht von Angebot und Nachfrage bestimmt.
Je kürzer der Timeframe ist, desto mehr Marktrauschen kommt natürlich ins Spiel.

gladiator

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44

Monday, January 14th 2008, 2:12am

Jaja, die Hämmer funktionieren 50 mal und auch 50 mal nicht.
Meistens merken sich die Trader nur die Situationen, in denen der Hammer funktioniert hat.
Man darf die Sache auch nicht so einseitig aus dem Blickwinkel des Hobbytraders sehen. Viele große Marktteilnehmer interessiert es überhaupt nicht, ob da gerade mal ein Hämmerchen entsteht. Die tätigen ihre Trades nach ganz anderen Gesichtspunkten und interessieren sich überhaupt nicht für Candles. So einfach ist das nicht. Es bleibt im Endeffekt 50:50, wobei der Einstieg durch Wahrscheinlichkeiten (Trends, W/U usw.) verbessert werden kann.
Das Ganze ist viel komplizierter, und man muß als Trader schon relativ große Summen hin und her schieben, damit ein bischen Gewinn hängen bleibt.

cosmopolit

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43

Sunday, January 13th 2008, 11:03pm

Ich sehe das ein bisschen anders, 50:50 stehen die Chancen in einer Monte Carlo Simulation, hinter dem echten Handeln stehen immer noch Menschen und keine Zufallsgeneratoren. Menschen werden immer nach den gleichen Mustern handeln ( ob rational oder irrational) und dieses Verhalten wird sich in irgenteiner Form in den Charts widerspiegeln. Die Kunst besteht nun darin die Marktlage einzuschätzen und die Reaktion der anderen auf eben diese aktuelle Marktlage zu antizipieren. Das Problem ist, dass es einfach viel mehr mögliche Marktlagen gibt, als das es uns ein einfacher Blick auf die Charts weismachen will. Wir sind also Informationslöchern ausgesetzt. Es gibt Möglichkeiten diese Löcher zu stopfen, multiple TF Analysen, Fundementale Analyse etc, aber letztlich werden wir keine 100% Einschätzung der Marktes tätigen können, schon alleine weil uns der komplette Einblick in die Orderbücher der anderen Markteilnehmer fehlt. Deswegen bleibt meistens nur ein KISS Prinzip. Warum funktionieren KISS Strategien meistens so gut? Weil viele andere ebenfalls die gleichen KISS Strategien fahren und so selbsterfüllende Prophezeiungen entstehen. So entsteht immer eine gewisse Berechenbarkeit jenseits der 50:50 Canche. Zugegebenerweise stützt sich meine Annahme auf eine zweite Annahme: Das bei gleicher Marktlage die Interpretation und Reaktion der anderen Markteilnehmer wieder die Selbe ist. Das ganze beruht ein weinig auf der Theorie des symbolischen Interaktionismus, d. h., dass ein Symbol in der eigenen Identität das gleiche auslöst wie bei den Anderen. Das Symbol könnte z.B. eine Umkehrkerze wie ein Hammer sein, ich gehe dann davon aus, dass die anderen Markteilnehmer den Hammer ebenfalls als Umkehrformation interpretieren.

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Hintman

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Sunday, January 13th 2008, 7:06pm

Das sollte ja der Sinn von Trading sein :)
Parameter für Trading "Frei Schnauze": Stopp-Loss 0,6-fache ATR, Profit Target 1,8-fache ATR. Zeitstopp greift am 5. Tag des Trades.
Meine Postings stellen keine Aufforderung zum Wertpapierkauf dar, dafür ist jeder selbst verantwortlich.

gladiator

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41

Sunday, January 13th 2008, 5:40pm

Man könnte aber von einem 50:50 Einstieg ausgehend mit einem angemessenen Trailingstopp und Profittarget arbeiten, dann sieht die Sache schon besser aus.

Hintman

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Sunday, January 13th 2008, 5:36pm

Das ist korrekt, es gibt nur eine 50%ige Wahrscheinlichkeit, ob der Kurs von deinem Einstieg weg in RICHTUNG deines Stopps oder des Kursziels geht, nicht mehr.
Parameter für Trading "Frei Schnauze": Stopp-Loss 0,6-fache ATR, Profit Target 1,8-fache ATR. Zeitstopp greift am 5. Tag des Trades.
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Purri

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Sunday, January 13th 2008, 5:22pm

Ich bin nicht wirklich ein Statistik Guru, aber es erscheint mir logisch, dass auch wenn man 'Random walk' vorraussetzt, ein Preis der näher am Markt liegt mit höher Wahrscheinlichkeit getroffen wird als einer der weiter weg liegt. Wenn ich bei 100 einsteige, mein stopp liegt auf 98 und mein Ziel auf 120 hat man doch keine 50:50 mehr.

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Sunday, January 13th 2008, 4:27pm

@ Purri

Bei einem zufälligen Kursverlauf gibt es weder ex-ante-CRV <> 1 oder TQ <> 50 %.
Wer nichts weiß, muß alles glauben.

Purri

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37

Sunday, January 13th 2008, 2:34pm

Die Überlegungen mit den 50:50 stimmen aber nur, wenn Stop und Target gleich weit vom Einstieg entfernt sind. Bei einem CRV <> 1 müssten sich auch die 50:50 ändern, wenn man von einem zufälligen Kursverlauf ausgeht.

DickT

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Sunday, January 13th 2008, 9:17am

@gladiator

Das ist zu kurz gedacht. VOR der 50:50 Chance im EINZELFALL brauchst Du ein Setup, das auf lange Sicht öfter in die eine als in die andere Richtung schlägt, bzw. ein Setup, das es Dir erlaubt, im Falle des Falschliegens weniger zu verlieren als Du beim Richtigliegen gewinnst. Hier kommt in der Tat das MM ins Spiel. Außerdem brauchst du ein gutes RM, damit Du überhaupt auf Dauer im Spiel bleibst.

gladiator

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Sunday, January 13th 2008, 2:12am

Die logische Konsequenz:

Holt euch eine Münze und werft sie für den Einstieg! Oder vielleicht noch besser: Geht abwechselnd long und short!
Bei gutem MM/RM und für den Basiswert bzw. Zeitfenster richtigen Stop und Exit könnt ihr auf Dauer nur gewinnen. :thumbsup:

DickT

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Saturday, January 12th 2008, 1:00pm

@ Perfect Trader

Das Posting vervollständigt meine Aussage in dem Sinne, dass das Problem der 50:50 Chance auf eine andere Ebenen getragen und dort treffend analysiert wird. Wer die nötigen Informationen und technischen Möglichkeiten hat, kann durch Wissen um die aktuelle Orderlage (die sekündlich ändern kann) mittels Scalpen sein Geld verdienen (Arbitrageure arbeiten zwar mit einer anderen Technik aber doch verdanken sie ihren Vorteil ebenso einer schnellen Anbindung an die Handelsplätze). Ohne genau zu wissen, wie Scalpen mittels Orderbucheinsicht, ect. funktioniert, so weiß ich doch, dass gerade in diesem Punkt der Vorteil der betreffenden Trader liegt. Frontrunning und Insiderwissen zählen auch zu den Aspekten, die die 50:50 Prognosefähigkeit zu eigenen Gunsten deutlich verbessern können.
Im konkreten Fall ging es um einen Widerstands-/Unterstützungsbereich in einem Kursverlauf. Die Historie hat gezeigt, dass solche Punkte im Chart Wendemarken darstellen können und es "oft" auch tun - jedoch nicht zwangsweise. Die statistische Verteilung von "Widerstand hat gehalten" und "Widerstand wurde gebrochen" ist im Einzelfall vielleicht (womöglich nur scheinbar) begründbar. So könnten noch andere Faktoren in Betracht gezogen werden, die mittelbar oder unmittelbar das Börsengeschehen beeinflussen oder Rückschlüsse auf künftige Entwicklungen geben könnten (Bsp: Indikatoren, Volumen, Wirtschaftsdaten, meintewegen auch Mondphasen). Die Kombination verschiedener Signale mag die allgemeine Wahrscheinlichkeit für das so entstandene Kombinationssignal über einen zu definierenden Zeitraum in ihrer Gesamtheit erhöhen. Mit Sicherheit generiert eine solche Kombination weniger Signale, was nicht im Interesse des Traders sein kann. Für den Einzelfall ändert dies aber nichts an der 50:50 Chance.
Beim einfachen Blick auf den Chart bleibt nur die Erkenntnis: "Der Kurs dreht oft an diesen und jenen Punkten, ob er es auch diesmal tut, sehen wir erst hinterher". Bis dahin bleibt in Ermangelung von Alternativen die 50:50 Chance aus "Widerstand hat gehalten" oder "Widerstand wurde durchbrochen". Daraus leitet sich auch die Börsenlehre in Bezug auf ein Handelssystem "Keep it simple!" ab. Schließt man andere technische oder insiderbedingte Vorteile aus, liegt im Einzelfall die Wahrscheinlichkeit bei jedem alleine aus dem Chart heraus generieten Signal bei der 50:50.

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Mihcat

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Saturday, January 12th 2008, 11:16am

Zusammenfassend bleibt festzustellen, daß es zwar unter diversen Bedingungen exzellente Setups geben kann, die aber durch an anderen Stellen unvermeidbare Fehlsignale auf ein normales Maß reduziert werden.


... oder trivial gesagt, neben Setup, RM/MM und Trademanagement gehört ein glückliches Händchen eben auch dazu.
Mihcat :)
"Der Zufall begünstigt nur den vorbereiteten Geist." (Louis Pasteur)

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Saturday, January 12th 2008, 10:17am

Prognosefähigkeit

Das mit der Prognose und den 50:50 ist leider nicht ganz so einfach, weil es extrem wichtig ist, was genau überhaupt gefragt wurde. Da muß man durchaus haarspalterisch werden, damit eine solche Diskussion nicht um des Kaisers Bart ist und die Dinge ohne sie nicht genauso oder gar besser gelaufen wären.

In erster Näherung sind die Märkte effizient genug, um an allen anderen Aspekten eines Trades mehr zu arbeiten als am Einstieg. Bis ein Trading-Anfänger soweit ist, daß er die Wichtigkeit eines Systems als Ganzes anstatt der Überbewertung eines einzelnen Trades erkannt hat, vergehen meist lange Zeiten. In diesen erscheint für die Verluste vordergründig eine falsche Prognose am Einstiegszeitpunkt der Grund zu sein. Bei sachgerechter Analyse entstehen die wesentlichen Teile der Verluste aber durch Fehler in Disziplin, Money-, Risk- und Trade-Management.

Nach alledem bleibt trotzdem die Frage nach dem Grad der Prognostizierbarkeit von Märkten bestehen.

Dazu können zwei Varianten benutzt werden, der schwierige Versuch einer genauen mathematisch-ökonomischen Begründung und die empirische Beobachtung des Gelingens bei den einzelnen Marktteilnehmern.

Bei einer mathematisch-ökonomischen Untersuchung kann die Frage Prognostizierbarkeit Ja/Nein nicht direkt beantwortet werden, sondern muß durch eine wesentlich genauere Frage präzisiert werden. Dazu ist insbesondere zu definieren, was überhaupt Prognostizierbarkeit bedeutet, wie sie prinzipiell ermittelt werden kann und nach welchem statistischen Sicherheitskriterium sie nach dieser Definition und dem Untersuchungsprinzip als ausreichend belegt gilt und ob das Resultat dann auch wirklich praktisch getradet werden kann. Selbst bei der Auswertung im Nachhinein muß man mit der Signifikanz eines Resultates für die eine oder andere Aussage sehr vorsichtig sein, da der einzelne Ausgang eines zufallsabhängigen Prozesses fast nichts über die prinzipielle Struktur des Prozesses über alle seine Zufallspfade sagt.

Jeder dieser Einzelpunkte kann unterschiedlich angegangen werden und dementsprechend unterscheiden sich die resultierenden Aussagen.

Die allgemeine Aussage, daß an den Märkten nur Wahrscheinlichkeiten gehandelt werden, ist trivial und jedem auch nur minimal über das Anfängerstadium hinausgewachsenen Trader selbstverständlich. Prognostizierbarkeit kann daher sowieso nur heißen, daß im Rahmen eines Systems in einer Vielzahl von Trades durch einen ausschließlich dem Einstieg zuzurechnenden Vorteil ein positiver Erwartungswert eintritt.

Bereits eine genaue Untersuchung dieser Frage ist schwierig, da eine ausreichende Dauer des erforderlichen Untersuchungszeitraumes festzulegen ist und eine ausreichende Stabilität bestimmter Eigenschaften des Marktprozesses angenommen werden muß. Weiterhin müssen Kennzahlen gesucht werden, die einen stabilen Vergleich über einen längeren Zeitraum ermöglichen. Das, was da einige System-Backtest-Software zusammenrechnet, ist zwar oft optisch imposant, aber inhaltlich fragwürdig. Erste Probleme treten schon bei der Nutzung vernünftiger Daten auf (Splits, Sonderdividenden, Endloskontrakte, rein datenbedingte Spikes etc.) Danach gibt es Probleme bei der korrekten Behandlung absoluter und relativer Abhängigkeiten und der Reihenfolgeabhängigkeit statistischer Einzelevents in einer Kursreihe zu Zeitpunkten mit höchst unterschiedlichem absoluten Kurslevel. Diverse weitere Probleme lassen sich finden, die die letztendliche Beantwortung schwierig machen.

Früher oder später wird man immer beim Problem der Serienkorrelation einer Kursreihe mit sich selbst ankommen, also, ob vergangene Kurse zukünftige beeinflussen. Obwohl selbst die Abrede dessen bei einer Reihe von Untersuchungsansätzen herauskommen kann, gehe ich da klar vom Gegenteil aus. Aber zwischen dem Vorhandensein einer Abhängigkeit und deren gewinnbringender Ausnutzung liegen Welten.

Übrigens wären auch Abhängigkeiten jenseits statistischer Serienkorrelation denkbar, also nutzbringende Abhängigkeiten, die mit den üblichen statistischen Standardmethoden nicht erkennbar sind, wie sie z. B. bei der Sequenzzählung, wie bei Breadford-Raschke oder TomDeMarc benutzt werden. (TomDeMarc's 13 z. B. liefert übrigens auch heute noch ziemlich gute Ergebnisse).

Besonders in langfristigen Untersuchungen erscheinen die Aktienmärkte, bei zu simpler Herangehensweise exzellent zu prognostizieren: Sie gehen steil nach oben. Eine genaue Hinterfragung liefert aber selbst dabei ganz andere Ergebnisse (unsystematischer Benchmarkaufbau, Wiederanlage-Problematik, Inflation, Wechselkurs, Surviver-Bias, Steuer- und Kostenbelastung u. v. a. m.).

Selbst die allereinfachste Frage "Ist der nächste Kurs 50:50 hoch oder runter?" ist nicht so einfach, wie sie sich anhört. Unmittelbar vor der Ausführung, also wenn die Orders in der Order-Queue abgearbeitet werden, ist für einen geeignet positionierten Betrachter die Prognose zu 100 % möglich, nur die Bearbeitung ist noch verzögert. Auf dem Level des Scalpings spielen die genauen technischen Gegebenheiten z. B. eine wichtigere Rolle als eine Prognosefähigkeit im üblichen Sinne und nicht umsonst bietet die EUREX Collocation für eigene Handelssystem-Server direkt vor Ort an.

So kann die Liste der Spitzfindigkeiten und des Streits um einen ausreichenden wissenschaftlichen Beweis sehr lange weitergetrieben werden, wozu in einem Forum, daß sich an die breite Masse auch vieler Trading-Anfänger wendet, nicht unbedingt der beste Platz ist. Eine Antwort unter einem wirklich wissenschaftlich befriedigenden Niveau wäre aber auch nur auf gehobener Glaubensebene. Da kann man sich den Weg abkürzen und gleich an seine Entry-Methodik glauben, die gepaart mit richtigem MM/RM und etwas Nacharbeit an Hand guter Trading-Tagebücher auch gute Resultate liefert.

Bleibt der zweite Weg der Beobachtung der sagenhaften Outperformer. Gäbe es wirklich signifikant hohe, stabile und ex ante zusicherbare wenigstens minimale Outperformer, könnten sie mit ausreichendem Fremdkapital überall angetroffen werden. Danach bliebe noch die zweite Frage, ob diese Ergebnisse wirklich ein sicheres Resultat ihrer tollen Methode sind oder nur ein besomnders günstig gewählter Zusfallpfad.

Zusammenfassend bleibt festzustellen, daß es zwar unter diversen Bedingungen exzellente Setups geben kann, die aber durch an anderen Stellen unvermeidbare Fehlsignale auf ein normales Maß reduziert werden.
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Wednesday, January 9th 2008, 6:27pm

Esoterische Methoden

Als Anmerkung zu in Navy-CIS' Posting vom 09.01.2009 16:19 in einem anderen Thread erwähnten Buch von Bryce Gilmore Geometry of Marketsbemerke ich kritisch zu esoterischen Methoden:

Mit der vergleichbaren Richtung von Bryce Gilmore und streng statistischer Denke war ich etwas vorschnell, aber ich sagte ja auch nur "im weitesten". Er unterliegt ebenso in hohem Maße der Zahlenmystik wie Fibo- und Elliot-Leute. Unabhängig von zuweilen möglicherweise brauchbaren Resultaten hält die Methodik einer strengen wissenschaftlichen Überprüfung nach heutigen Maßstäben nicht stand.

Andererseits darf man es sich mit dem Verriß nicht vollkommen wissenschaftlicher Methoden auch nicht zu leicht machen. So kann man z. B. zeigen, daß Ganns Methodik (Bryce hat einige Elemente daraus) trotz aller Irrationalität der Präsentation wegen bestimmter Eigenschaften von Volatitäten und bestimmten Zahlenreihen sinnvolle Schätzungen für erwartete Bewegungen liefern kann. Als wissenschaftlich denkender Mensch und ziemlich im Leben des Jahres 2008 stehend, stößt mir aber die hoch-esoterische Verpackung stark auf.

Andererseits muß auch ein statistisch versierter Mensch ehrlich genug sein, daß die Statistik selbst trotz aller Wissenschaftlichkeit zuweilen zu esoterischen Methoden neigt. (z. B. nicht-orthogonale Komponenten in der Faktor-Analyse entgegen der ursprünglichen Annahme der Orthogonalität) und gerade höhere statistische Abstraktionen nur noch schwer erfaßbar sind und bei der praktischen Anwendung regelmäßig zu subtilen Fehlern führen.

Ebenso darf einfaches Erfahrungswissen nicht entwertet werden. So ist z. B. fast das gesamte Wissen der Materialwissenschaften durch dubioses Rumprobieren mit alchimistischen Mixturen entstanden und hat überhaupt erst die heutige technologische Basis ermöglicht. So spielten z. B. sowohl beim Drahtziehen als auch beim Oberflächenbeschichten unappetitliche Mixturen mit einem kräftigem Zusatz Exkrementen wichtige Schlüsselrollen.

Darum will ich mir, trotz nicht gerade euphorischer Begeisterung, nicht den strengen Richter anmaßen.
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30

Wednesday, January 9th 2008, 2:18pm

@ oldschuren

Quoted from "oldschuren"

Zu viele Parameter. Alle wichtig. Alle müssen in einer gesunden Balance sein. Vernachlässigt man nur einen, kann es schon vorbei sein. Und als Anfänger hat man noch keine Ahnung, was einem alles beim Trading gefährlich werden kann.
Ja, das ist leider für einen Trading-Anfänger, der zu schnell in die Vollen geht, ein großes Problem. Ich kenne das aus der Arbeit mit Studenten, die noch keine Trading-Erfahrungen haben. Um alle Anforderungen nach und nach in ihrer ganzen Bedeutungstiefe zu verstehen, bedarf es sicher mehrerer Iterations-Runden, wobei man in jeder ein besseres Verständnis sowohl des Ganzen als auch seiner einzelnen Teile bekommt.

Beim langsamen Erhöhen der Risiken und langsamen Absenken der Time-Frames aus dem richtig komfortablen Bereich in zunehmend kritischer werdende Bereiche kann sich ein privater Trader aber ohne Weiteres auch eigenständig in die Materie einarbeiten.

Das desaströse Scheitern betrifft nur die Leute, die in totaler Igoranz in den ersten Tagen ohne genug Geld und Ahnung sofort all-in in der Formel 1 gehen. In ihrem Wahnsinn glauben sie nach ein paar möglicherweise zufällig gut gegangenen Aktionen, professionelles Trading betreiben zu können. Nach den dann irgendwann notwendig kommenden ersten schweren Verlustaktionen wird die Trader-Karriere beendet (halbwegs gut gegangen) oder mit immer neuen Geld immer wieder ohne spürbare Weiterentwicklung erneut von vorne begonnen (worst-case der Unbelehrbaren). Die später Erfolgreichen begreifen früh, daß sie gegen technisch gut gerüstete (Semi-)Professionals antreten. Dazu brauchen sie einige Kennnisse vorab, ganz viel praktisches Training, eine gehörige Position Respekt vor den Märkten und schrittweise schwieriger werdende ernsthafte und selbstkritische Arbeit an sich selbst. Dann sind die Chancen, in sinnvoller Zeit beständig profitabel zu werden, ziemlich gut. (Mehr Startkapital macht wenigstens meist etwas vorsichtiger, die Katastrophen daher in prozentualen Zahlen nicht ganz so schlimm, in absoluten umso schlimmer.)

@ DickT

So schwer solltest Du es Dir nicht machen. Das Markt-Risiko kann durch gute Vorbereitung allenfalls reduziert werden, nie aber ausgeschaltet. So eine Sicherheit von einer Methode zu erhalten, ist theoretisch und praktisch völlig unmöglich.

Nicht jeder x-beliebige lokale Hoch-/Tiefpunkt hat die gleiche Bedeutung. Zuerst einmal folgt aus dem gewählten Time-Frame eine brauchbare Festlegung der überhaupt relevanten Bewegungen, egal, welche genauen Maße (z. B. ATR-Multiple, Bandweiten etc.) man da nimmt. Weiterhin können mit Market-Profilen oder anderen Möglichkeiten (diverse Linien, Cluster etc.) die wichtigeren der Extrempunkte gefunden werden. Zum dritten sind die Punkte besonders wichtig, die sich in mehreren TFs häufen. Eine letzte Möglichkeit für ziemlich unsichere Trader ist das sture Anwenden der genauen ursprünglichen Trend-Definition mit höheren/tieferen Hochs/Tiefs ohne Ermessensspielraum, wenn der einen zu sehr nervt.

Zusätzlich ist zu beachten, daß an jeder Chart-Marke sowohl Durchbruch als auch Abpraller möglich sind, für die eben das gesamte Szenario incl. der Bedingungen, wo man sie als bestätigt ansieht, und der einzuleitenden Maßnahme im Vorab perfekt zurecht gelegt werden können, da sie außer der Positionsgröße, der konkreten Kurse und der Geschwindigkeit in fast immer derselben Weise zu behandeln sind.

Wenn die Stops bei jeder Mikro-Bewegung ausgelöst werden, dann sind sie für getradete Zeiteinheit zu ängstlich und zu klein gewählt. Das ist eine Folge zu großer Positionen für das vorhandene Kapital. Mit realistischen Erwartungen zweistelliger Jahresrenditen wird man nicht zu solchen Fehlern gedrängt. Die kommen eher bei Zugrundelegung theoretisch möglicher - aber erst im Nachhinein erkennbarer - Maximalgewinne mit all-in und Super-Hebel.

@ Termin-Trader

Auch ich halte Elliot-Wellen für ziemlich weit hergeholt. In der praktischen Anwendung kenne ich niemanden, der wirklich brilliant überzeugte, und supertolle Erklärungen in nachhinein sind wertlos.

Trotzdem finde ich die Überlegungen von Mandelbrot in Fraktale und Finanzen. Märkte zwischen Risiko, Rendite und Ruin nicht schlecht, wo er aus zufällig abgeänderten überlagernden "Generator-Mustern" ähnlich den Elliot-Wellen ziemlich echt wirkende Kursverläufe erzeugt.

Glücklicherweise gibt er aber zu, daß er mehr eine grundlagenforschungsartige Anregung geben wollte, als irgendwie praktisch nutzbare Trading-Hilfen.
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