@ oldschuren
Zu viele Parameter. Alle wichtig. Alle müssen in einer gesunden Balance sein. Vernachlässigt man nur einen, kann es schon vorbei sein. Und als Anfänger hat man noch keine Ahnung, was einem alles beim Trading gefährlich werden kann.
Ja, das ist leider für einen Trading-Anfänger, der zu schnell in die Vollen geht, ein großes Problem. Ich kenne das aus der Arbeit mit Studenten, die noch keine Trading-Erfahrungen haben. Um alle Anforderungen nach und nach in ihrer ganzen Bedeutungstiefe zu verstehen, bedarf es sicher mehrerer Iterations-Runden, wobei man in jeder ein besseres Verständnis sowohl des Ganzen als auch seiner einzelnen Teile bekommt.
Beim langsamen Erhöhen der Risiken und langsamen Absenken der Time-Frames aus dem richtig komfortablen Bereich in zunehmend kritischer werdende Bereiche kann sich ein privater Trader aber ohne Weiteres auch eigenständig in die Materie einarbeiten.
Das desaströse Scheitern betrifft nur die Leute, die in totaler Igoranz in den ersten Tagen ohne genug Geld und Ahnung sofort all-in in der Formel 1 gehen. In ihrem Wahnsinn glauben sie nach ein paar möglicherweise zufällig gut gegangenen Aktionen, professionelles Trading betreiben zu können. Nach den dann irgendwann notwendig kommenden ersten schweren Verlustaktionen wird die Trader-Karriere beendet (halbwegs gut gegangen) oder mit immer neuen Geld immer wieder ohne spürbare Weiterentwicklung erneut von vorne begonnen (worst-case der Unbelehrbaren). Die später Erfolgreichen begreifen früh, daß sie gegen technisch gut gerüstete (Semi-)Professionals antreten. Dazu brauchen sie einige Kennnisse vorab, ganz viel praktisches Training, eine gehörige Position Respekt vor den Märkten und schrittweise schwieriger werdende ernsthafte und selbstkritische Arbeit an sich selbst. Dann sind die Chancen, in sinnvoller Zeit beständig profitabel zu werden, ziemlich gut. (Mehr Startkapital macht wenigstens meist etwas vorsichtiger, die Katastrophen daher in prozentualen Zahlen nicht ganz so schlimm, in absoluten umso schlimmer.)
@ DickT
So schwer solltest Du es Dir nicht machen. Das Markt-Risiko kann durch gute Vorbereitung allenfalls reduziert werden, nie aber ausgeschaltet. So eine Sicherheit von einer Methode zu erhalten, ist theoretisch und praktisch völlig unmöglich.
Nicht jeder x-beliebige lokale Hoch-/Tiefpunkt hat die gleiche Bedeutung. Zuerst einmal folgt aus dem gewählten Time-Frame eine brauchbare Festlegung der überhaupt relevanten Bewegungen, egal, welche genauen Maße (z. B. ATR-Multiple, Bandweiten etc.) man da nimmt. Weiterhin können mit Market-Profilen oder anderen Möglichkeiten (diverse Linien, Cluster etc.) die wichtigeren der Extrempunkte gefunden werden. Zum dritten sind die Punkte besonders wichtig, die sich in mehreren TFs häufen. Eine letzte Möglichkeit für ziemlich unsichere Trader ist das sture Anwenden der genauen ursprünglichen Trend-Definition mit höheren/tieferen Hochs/Tiefs ohne Ermessensspielraum, wenn der einen zu sehr nervt.
Zusätzlich ist zu beachten, daß an jeder Chart-Marke sowohl Durchbruch als auch Abpraller möglich sind, für die eben das gesamte Szenario incl. der Bedingungen, wo man sie als bestätigt ansieht, und der einzuleitenden Maßnahme im Vorab perfekt zurecht gelegt werden können, da sie außer der Positionsgröße, der konkreten Kurse und der Geschwindigkeit in fast immer derselben Weise zu behandeln sind.
Wenn die Stops bei jeder Mikro-Bewegung ausgelöst werden, dann sind sie für getradete Zeiteinheit zu ängstlich und zu klein gewählt. Das ist eine Folge zu großer Positionen für das vorhandene Kapital. Mit realistischen Erwartungen zweistelliger Jahresrenditen wird man nicht zu solchen Fehlern gedrängt. Die kommen eher bei Zugrundelegung theoretisch möglicher - aber erst im Nachhinein erkennbarer - Maximalgewinne mit all-in und Super-Hebel.
@ Termin-Trader
Auch ich halte Elliot-Wellen für ziemlich weit hergeholt. In der praktischen Anwendung kenne ich niemanden, der wirklich brilliant überzeugte, und supertolle Erklärungen in nachhinein sind wertlos.
Trotzdem finde ich die Überlegungen von Mandelbrot in
Fraktale und Finanzen. Märkte zwischen Risiko, Rendite und Ruin nicht schlecht, wo er aus zufällig abgeänderten überlagernden "Generator-Mustern" ähnlich den Elliot-Wellen ziemlich echt wirkende Kursverläufe erzeugt.
Glücklicherweise gibt er aber zu, daß er mehr eine grundlagenforschungsartige Anregung geben wollte, als irgendwie praktisch nutzbare Trading-Hilfen.