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DanielR

Nightwalker

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209

Thursday, April 8th 2010, 7:26pm

Hi Leute,

ich wollte mal wieder was zur Essenz des (meines) Tradens loswerden.

Irgendwie verrückt, man sitzt da vor den naked charts und klickert auf sell oder buy. ALLES ANDERE und damit meine ich ALLE anderen "Informationen" die irgendwo abseits von diesen Charts sind, interessieren mich nicht und beachte ich nicht, überhaupt nicht. Einfach nur Tradingsoftware auf, Lage auf den Charts checken und Maus klicken. Manchmal denke ich mir, "ist das alles?". Und nach ein paar weiteren getätigten Trades komme ich immer wieder zu einem "ja".

Ich weiß auch schon nicht mehr, was ich eigentlich im Forum schreiben soll, es erscheint mir sinnlos. Von anderen Systeme kennenlernen will ich auch nicht. Einfach nur mein Ding machen und durchziehen.

verrückt.

gruß
dan

PS: hier ausschließlich das von mir getätigte intraday kurzfristtrading - anders handle ich nicht
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DanielR

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208

Saturday, January 16th 2010, 4:33pm

Wozu den ganzen Tag arbeiten?


Um zunächst nicht abhängig zu sein. Das bringt Ruhe in das Traden, nimmt diverse Ängste etc. - vor allem, wenn man Familie hat. Das gilt besonders für "Amateure" und für die, die ohne Mentoring heranwachsen müssen wie es bei mir der Fall ist. Es hat aber auch Vorteile auf sich allein gestellt zu sein.


Höchst informativ, insbesondere mit der nachfolgenden Anmerkung "sich wiederholende Muster erkennen".
Stell bitte öfter Charts rein - es wird niemand dümmer davon!


die Muster stehen im starken Zusammenhang mit den Conditions. Das ist wichtig. Weil eine Jagd im Nebel anders verläuft, als eine Jagd bei klarer Sicht oder im Morgengrauen oder ein Jagd, wo plötzlich zu viele Jäger auf dem Feld stehen, die ggf. alle was anderes jagen wollen und einen selbst "stören können". Das ist meiner Meinung nach das Schwierigste - sich verändernden Rahmenbedingungen anpassen. Wenn du Jagst, musst du aber vollkommen anwesend sein und konzentriert.

Gruß
Dan
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archie

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207

Saturday, January 16th 2010, 3:18pm


War eine feine Jagd.
In der Tat und vor allem ein fixes Händchen. Chapeau! Wozu den ganzen Tag arbeiten? :thumbup:

Höchst informativ, insbesondere mit der nachfolgenden Anmerkung "sich wiederholende Muster erkennen".
Stell bitte öfter Charts rein - es wird niemand dümmer davon!

DanielR

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206

Saturday, January 16th 2010, 12:49pm

Viel interessanter wäre es für mich, wie Du Dich in Deine optimale Jäger-Power bringst und worauf Du achtest, damit Deine Reaktionen auf die Kurse und Deine Intuition am besten funktioniert.


Die Market Conditions beachten, kennen und verstanden haben. Das muss man durchdringen.

Das ist wie eine Art Puzzle,welches sich über die Zeit hinweg zusammensetzt.
Als ich mir in dem Forum zum Thema FX das erste Mal das wichtigste rausgeschrieben habe, habe ich viel verstanden. Im Laufe des Tradings habe ich das wiederholt gelesen und ich habe neue Sachen herausgelesen, die ich "am Anfang" gar nicht wahrgenommen habe. Irgendwann habe ich dann noch 1 oder 2 mal die ganzen großen FX Threads hier durchgelesen und wieder neue Sachen erkannt, die beim ersten rausschreiben untergegangen sind. Schon Wahnsinn, aber so ists.

Grüße
Dan

PS: an sonsten möglichst ausgeschlafen sein; sich wiederholende Muster erkennen; Screen Time; nicht auf andere hören; naked charts
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archie

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205

Saturday, January 16th 2010, 3:19am

Die sitzen gerne mit anderen Jägern zusammen und erzählen von ihren Abenteuern und Jagderfolgen.

Wie es da nicht selten zugeht beschreibt Otto von Bismarck:

Es wird niemals so viel gelogen wie vor der Wahl, während des Krieges und nach der Jagd. ;)

bo1

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204

Saturday, January 16th 2010, 12:14am

@ matsf

Daniel hat sich ja auch als Jäger geoutet. Die sitzen gerne mit anderen Jägern zusammen und erzählen von ihren Abenteuern und Jagderfolgen. Statistiken, genaue Analysen und Chartbilder erstellen dürften eher Farmern Freude bereiten. ;)

Wobei ich seine Charts nie für sonderlich aussagekräftig empfand. Das kriegen die Farmer hier viel besser hin. :D

@ Daniel

Viel interessanter wäre es für mich, wie Du Dich in Deine optimale Jäger-Power bringst und worauf Du achtest, damit Deine Reaktionen auf die Kurse und Deine Intuition am besten funktioniert. :thumbup:

bo1

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203

Friday, January 15th 2010, 11:59pm

@ Perfect Trader

Vielen Dank für Deine Hinweise und Erläuterungen. Sehr interessant!

Den Sammler hatte ich für mich übrigens auch als "Mischtyp" eingeordnet.

Die Relativierung hinsichtlich Charakter-Tendenzen und Vereinfachung hat übrigens auch Steffens gemacht.
Das sollte man m.E. bei jeder Typologie.

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202

Friday, January 15th 2010, 8:27pm

Jäger und Farmer

An der im Post 331 im Börsenbücher-Thread von bo1 angesprochenen Klassifizierung ist etwas daran. Wenn man nach dem Keirsey-Schema vorgeht, sind die SJ die Farmer und die SP die Jäger.

Die ESTJ und ISTJ bilden die "Super-Bauern", die 85 % aller heutigen Manager bilden. Sehr vereinfacht ausgedrückt ist in der heute üblichen vermeintlichen Ideal-Konstellation der ESTJ dabei für gewöhnlich der Boss und kümmert sich vorrangig um Extern-Kontakte (macht Umsatz) der ISTJ der typische Stellvertreter und kümmert sich vorrangig um die Ordnung im Hause (kontrolliert die Kosten), so daß das ideale Gespann sich in der Erzeugung des Profits (Umsatz - Kosten) ergänzt.

In Ergänzung zu bo1 merke ich noch an, daß der Jäger ein so großes Erfolgsmodell gewesen ist, daß der Farmer eher die notgedrungene Antwort darauf war, nachdem schlichtweg nicht mehr genug Beute für die sich vermehrenden Jäger da war. Der Sammler vereint einige Charakteristika von Jägern und Farmern und liegt im Übergangsbereich.

Wichtig ist aber, daß diese Unterscheidungen nur Character-Tendenzen wiedergeben und nicht uneingeschränkt unter allen Bedingungen gelten. Auch wenn viele sinnvolle Schlüsse mit der Klassifikation gezogen werden können, bedarf es in einer konkreten Entscheidungs-Situation etwas mehr als eines einzigen einfachen Modelles.

Für den Typ N, insbesondere den optimalen voll-techhnokratischen Trader-Typ NT ist die Unterscheidung in die Sub-Typen J und P nicht so bedeutsam wie beim Typ S. Daher kann er sich aus Sicht eines S-Menschen recht widersprüchlich verhalten, wenngleich er in seiner Werte-Ordnung völlig konsistent bleibt.

Mehr dazu kann man in den Büchern von Gunter Dueck lesen.
Wer nichts weiß, muß alles glauben.

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DanielR

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201

Thursday, January 14th 2010, 8:28pm

Ist jetzt natürlich sehr vereinfacht ein paar der Merkmale:

Jäger: Schnelle, intuitive Auffassungsgabe, schnelle Reflexe. Jäger sind eher nervöse Menschen, immer getrieben und auf der Suche. Eher Einzelgänger. Kurzfristtrader, so schnell wie möglich wieder raus aus den Trades. Schafft sehr viel in kurzer Zeit, braucht viel Erholung. Haben oft kein Zeitgefühl.

Farmer: Bewahrer unserer Gesellschaft, weniger impulsiv. Hohes Organisationstalent, können langfristig planen, haben ein genaues Zeitgefühl. Eher Swingtrader oder Investor. Eher Familienmensch. Schafft viel ausdauernd in kleinen Schritten, braucht meist nur kurze Erholung.


Dann bin ich ganz klar Jäger. :D

Danke Bo!
Dan
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archie

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200

Thursday, January 14th 2010, 3:57pm

@ bo1,
Danke für Deine Mühe, sieht interessant aus und macht neugierig.

Wenn man nur einen einzigen wirklich guten Ansatz herausfischen kann, hat sich der ganze Zwergenaufstand schon gelohnt und ausgezahlt.

bo1

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199

Thursday, January 14th 2010, 3:26pm

@ archie

Der größere 2. Teil bringt schon einiges Neues zur Charttechnik. Z.B. habe ich noch nirgends so Gutes und Erhellendes zu Trendlinien gelesen. Ich beachte in meinen Charts bisher aber nur seinen Rechteck-Ansatz, weil der am einfachsten und erstaunlich relevant ist.

In alles Andere müßte ich mich erst gründlich einarbeiten. Seine Methoden sind sehr komplex und vor allem für den 1 und 5 Minutenchart sehr umfangreich, wenn man sie alle anwenden will.
Da ich mit meinen Ansätzen inzwischen sehr zufrieden bin lasse ich das erstmal.

oldschuren

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198

Thursday, January 14th 2010, 3:05pm

Dann bin ich eher eine Jägermentalität. Dank Boa für den Buchtip. Werd ich mir bestellen. Auf solche Fragen ist es gar nicht leicht Antworten zu finden.

Zum Thema: Agieren in Stresssituationen finden man hier auch viele Tipps:
Unleash the Warrior Within: Develop the Focus, Discipline, Confidence and Courage You Need to Achieve Unlimited Goals
http://www.amazon.de/Unleash-Warrior-Wit…63477815&sr=8-1
ich raube, also bin ich....

archie

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197

Thursday, January 14th 2010, 2:53pm

@ bo1,
Danke, schon klarer. Scheint sich eher im Zeitrahmen <= 5 min zu bewegen.

Außer den Psycho-Aspekten: Beschreibt er lohnende und vor allem praktikable Kurzfrist-Ansätze, die neu sind und über das schon bekannte und übliche z.B. von Velez hinausgehen?

goso

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196

Monday, October 12th 2009, 2:23pm

Sehe ich ebenso, ob zB Fibonacci den Stein der Weisen entdeckt hat wage ich zu bezweifeln, da manche Techniken aber von vielen Marktteilnehmern angewandt werden sind sie im Endeffekt einfach selbsterfüllende Prophezeiungen, und dadurch eben brauchbar, und genau das interessiert mich in letzter Konsequenz.

MB/8

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195

Saturday, October 10th 2009, 8:31pm

RE: Ups, die schwierigen Fragen



Auch die Frage nach der Technischen Analyse als Humbug hat es besonders schwer in sich. Ein Ökonomie-Nobelpreis-Träger (habe gerade das Buch nicht bei der Hand, um zu sagen, wer es war) hinterfragte sie z. B. überhaupt nicht inhaltlich, sondern ging andersherum von der empirischen Tatsache aus, daß sie häufig angewandt wird, und wahrscheinlich nicht alle Leute wahnsinnig sind, die sie betreiben.

Weil sie häufig und von vielen Marktteilnehmern beachtet wird funktioniert sie oder eignet sich zumindest dafür, die Wahrscheinlichkeit ein wenig auf die eigene Seite zu bringen. So kann sich die Beschäftigung mit Sternzeichen, Mondphasen, Gann und Elliot doch lohnen, auch wenn diese "Techniken" keiner wissenschaftlichen Untersuchung standhalten.

Stadinski

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194

Saturday, October 10th 2009, 4:26pm

Kannst du das mal mit der Zahlenkombi 777 durchrechnen? Schließlich ist die 666 die Teufelszahl, oder Satan wäre besser getroffen. Die 777 soll die göttliche Zahl sein, vielleicht kann man damit etwas mehr anfangen als mit der Zahl des Teufels. Vielleicht ist sie noch kissiger! :?:

lg Stadinski

Stadinski

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193

Saturday, October 10th 2009, 4:23pm

Hi PT,

ja hier bin ich wieder. Hättest du nicht gedacht, gelle? Ich auch nicht. ;) (halt bevor es wieder zensiert wird, PT und ich haben per Telefon alle Unklarheiten beseitigt). Ist doch ok, wenn ich das schreibe oder PT? Keine Angst PT, es werden keine sinnlosen Einstiege meinerseits gepostet. Habe es auch endlich kapiert, das es keinem etwas bringt. ;)

Pt mal eine ehrliche Frage an dich, ohne irgendwelche Hintergedanken, oder zynischen Gedankenguts. Du hattes irgendwo hier mal geschrieben, das du mal Investmentbanker ausgebildet hast. Waren das die Jungs die man Cityboys in England nennt? Oder waren das Trader? Wenn es zweitere waren, kannst du nicht ein wenig aus dem Nähkästchen plaudern wie die in Banken traden? Wäre doch mal interessant zu wissen, wie die mit Centbeträgen MRD machen.

lg Stadinski

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192

Saturday, October 10th 2009, 2:40pm

Ups, die schwierigen Fragen

In Bezug auf eine im Gold-Thread angefangene Diskussion (und folgende 20 Posts) antworte ich Folgendes:

@ ibelieve

Mit dem verständigen Beobachter meine ich Leute, die das Machbare vom Wünschenwerten mit ordentlichen state-of-the-art-Methoden trennen können.

Es geht dabei nicht so sehr um die innere Arbeitsweise eines einzelnen Handelssystems, was ja oft für Dritte gar nicht ausreichend offen gelegt wird. Aber selbst ganz normale Grundfragen, z. B.
  • wie lange eine Trading-Tätigkeit überhaupt mindestens beobachtet werden muß, um darüber eine sinnvolle Aussage machen zu können (1 Trade ist sicher völlig aussagelos für die System-Performance, 100 Jahre zu lang, um es zu erleben),
  • was der richtige Performance-Maßstab ist (die Rendite ohne Risiko-Betrachtung ist es z. B. nicht),
  • was ein brauchbares Risiko-Maß ist (die übliche Volatilität ist zwar rechnerisch ganz einfach, aber berücksichtigt nicht nur das für den Trader schädliche Down-Side-Risk und skaliert nicht richtig über der Zeitachse, da der Hurst-Exponent nicht beachtet wird),
  • was neben dem rein theoretischen im Nachhinein vollständigen Spitze-zu-Spitze-Trading-Ergebnis oder der groben Perioden-Range ein sinnvoller Vergleichsmaßstab ist,
  • durch welche Prinzip-Ideen nachweisbare Wahrscheinlichkeits-Verbesserungen von Markt-Prognosen durchgeführt werden können, wie diese widerspruchsfrei begründet und einzeln gemessen werden, u. ä. Fragen
Solange man sich nicht mal den Basics emotionsfrei stellt, ist es sehr unwahrscheinlich, daß hochraffinierte Gedanken-Gebäude darüber gut funktionieren, gleich ob sie wissenschaftlich oder esoterisch sind.

Das Beharren auf absoluter Wissenschaftlichkeit, welches bei mir sehr oft angenommen wird, bringt es da in den Grundannahmen auf dem jetzigen Stand der ökonomischen Einzelwissenschaft übrigens auch nicht immer auf ein wirklich seriöses Niveau. So kann in den bekanntesten Modellen, die von Gleichgewichtssuche und gut funktionierender Arbitrage ausgehen, eigentlich nicht mal vernünftig erklärt werden, warum überhaupt Trades zustande kommen. Modelle, die den Faktor Mensch mehr in den Mittelpunkt stellen, erklären zwar manche Phänomene qualitativ, sind aber für eine praktische Nutzung im Trading nicht ausreichend quantifiziert.

Der verständige Beobachter ist einer, der bei all den ihm bestens vertrauten Unsicherheiten immer noch in der Lage ist, aus Beobachtung nicht nur einer isolierten Erscheinung aus der eigenen Erfahrung überinstitutional und extrapersonal ein brauchbares Urteil zu fällen. Dabei spielt z. B. bei in Foren oft mal aufs Geradewohl herausposaunten Super-Techniken die sofortige routinemäßige Einbeziehung von Fremdvergleichen, Durchschnittswerten, Grenzfällen, Fortschreibungen, Gegenpositionen, logischen und methodischen Fehlern etc. eine große Rolle, die weniger Erfahrene weder leisten noch in ihrer ganzen Wichtigkeit erkennen können.

Der in seine eigene Idee verliebte Trader und noch mehr der vom künftigem Reichtum träumende Nicht-Trader, sind in solchen Betrachtungen durch ihren persönlichen Bias keine in jeder Hinsicht maßgeblichen Diskussions-Teilnehmer sondern zum großen Teil eher Beobachtungsobjekte.

Das mag sich wieder extrem überheblich anhören, aber auch der Arzt, der Anwalt und genauso auch die Putzkraft und der Gefängnisaufseher haben nicht selber das Problem, an dessen Lösung bei anderen Menschen sie mitwirken. Auch dort gehört es zum üblichen Verfahren, ihre Hinweise viel zu häufig zu ignorieren oder gar offen dagegen zu opponieren.

Das Trading ist bei weitem nicht der einzige Lebensbereich mit extremen Grauzonen. Egal wo man hinsieht, können die selbstverständlichsten Dinge so hinterfragt werden, daß sich vieles sicher Geglaubte völlig ins Nichts auflöst.

In allen Lebensbereichen ist es typisch, daß was der eine als erhebliche Herausforderung oder gar hochtraumatische Erfahrung wahrnimmt, von erfahreneren Leuten in Sekunden in wohlbekannte Kategorien eingeordnet werden kann, egal wie schlimm das für den Betroffenen ist.

Dieser weitgehend Außenstehende, der die brutalen Wahrheiten ausspricht, ist der Beobachter.

Die Prinzipien des Trading-Systems sind für diese Betrachtung egal und daher kann jeder treiben, was er denkt, so es ihm hilft. Nach übereinstimmender Definition der oben genannten Begriffe (und noch vieler weiterer mehr), kann dann aber über dem System die objektive Evaluation erfolgen. Da kann der betroffene Trader gar nichts hinzudeuten und es geht nur um realisierte Fakten.

Ohne ein solches Evaluations-Kriterium ist das Einzige, was dem Trader bleibt, der Glauben an sich und seine Methode, mit einem solchen Kriterium bekommt er aber eine echte belegte Aussage. Das heißt auch nicht, daß irgendwer seine Resultate offenlegen muß, sondern nur, daß es ohne einen Beurteilungs-Maßstab und die richtige Methode, ihn dann auch anzulegen, nicht geht. (wobei nicht ins andere Extrem verfallen werden sollte, alle Dinge die derzeit nicht ordentlich meßbar sind, nicht wenigstens durch eine ganzheitliche qualitative Sicht beurteilen zu wollen.)

Selbstverständlich gibt es aus vielen Gründen Systeme, die sich schwer testen lassen. Trotzdem können und sollen auch diese im Vornherein auf Plausibilität untersucht werden und im Nachinein kann man sich bei jedem System der bangen Frage stellen, ob es was taugt oder wenigstens brauchbare nachnutzbare Teil-Ideen enthält.

Daß nicht alles Kapital in noch weniger Händen gebündelt ist als ohnehin schon, zeigt, daß es selbst bei den Leuten, die alle Potentiale und Ressourcen haben, objektive Grenzen ihrer Möglichkeiten gibt.

Daraus kann der kleinere Trader bei richtiger Erkenntnis seiner Möglichkeiten sowohl Vorteile ziehen, indem er Dinge macht, die so großen Markt-Teilnehmern nicht möglich sind (z. B. sich andauernd an eine Bewegung als Parasit ranzuhängen), als auch seine Grenzen erkennen, indem er akzeptiert, was er prinzipiell nicht kann, sei es aus theoretischen, technischen, rechtlichen, kapitalmäßigen Gründen etc.

Ansonsten ist diese Frage nach der Akkumulation und Konzentration des Kapitals eine sehr gute Frage und tendenziell mit endlichen Konzentrations-Geschwindigkeiten trifft die Annahme auch zu, wobei es aber auch wieder zyklisch wiederkehrende hausgemachte oder externe Schocks gibt, die über Jahrzehnte ausgebaute Top-Positionen binnen Kurzem zerrinnen lassen, weil das kapitalistische System als solches in einem weit über den wünschenswerten Innovations-Druck hinausgehendem Maß zur Destabilisierung beiträgt.

@ MB/8

Auch die Frage nach der Technischen Analyse als Humbug hat es besonders schwer in sich. Ein Ökonomie-Nobelpreis-Träger (habe gerade das Buch nicht bei der Hand, um zu sagen, wer es war) hinterfragte sie z. B. überhaupt nicht inhaltlich, sondern ging andersherum von der empirischen Tatsache aus, daß sie häufig angewandt wird, und wahrscheinlich nicht alle Leute wahnsinnig sind, die sie betreiben.

Die Frage ist doch: Was hat man sonst? (abgesehen mal von der Fundmentalen Analyse, die sich erst mal toll anhört, aber eher noch weiter daneben liegt, insbesondere weil ja allen potenten Mitspielern im Mittel die gleiche Information zur Verfügung steht)

Hier muß ein Kompromiß geschlossen werden zwischen völligem Blindflug und fadenscheiniger Orientierung, die im Spiel mit den Wahrscheinlichkeiten einen mininmal positiven Erwartungswert herausholt und sei es nur in der Anregung der Phantasie des Traders für ein unbewußtes Element, welches in der eigentlichen Methode gar nicht explizit richtig beschrieben wurde.

Es gibt aber für Leute, die mit einem Vorsprung vor dem meist als state-of-the-art gesetzten Mainstream (der ja streng genommen, wenn er Mainstream ist, schon mindestens von vorgestern ist) systematisch kleine Vorteile für sich erzielen können.

Wie man gedanklich an eine dauerhafte Hinterfragung des als vermeintlichen state-of-the-art gesetzten Mainsteams herangeht, zeigt Ken Fisher in seinem schon mal besprochenen Buch. Dort werden nicht so sehr die brennendsten Fragen für einen Daytrader beantwortet, aber eine exzellente Einführung in Hinterfragung als ganzheitliche Kultur für einen Markt-Teilnehmer gegeben. Ist zwar nicht ganz so flüssig zu lesen, aber mir hat es gut gefallen, weil es ein Füllhorn von Anregungen liefert, die in Teilen durchaus auch für sehr kurzfistig agierende Markt-Teilnehmer nicht uninteressant sind.

Mehr auf das Daytrading bezogenene Anregungen liefert Larry Williams in seinem ebenfalls schon mal besprochenen Buch, obwohl er in einigen Fragen polarisierende Ansichten vertritt.

Ansonsten spielt unabhängig vom Wissensstand sehr viel Training und hart erarbeitete Erfahrung eine ganz wichtige Rolle, die kaum durch etwas anderes ersetzt werden kann. Dabei ist es ganz egal, ob sie sich auf die reine Screen-Time eines manuellen Daytraders, die Zahl geplanter Trades eines längerfrsitigen Investors oder die Zahl getesteter Systeme eines Entwicklers bezieht.
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191

Tuesday, August 25th 2009, 12:16am

666

Heute mal abweichend von der Forderung nach wissenschaftlicher Schlüssigkeit gleite ich jetzt auch mal ins Mystische ab und bemerke, daß die Zahl 666 des im letzten Posting erwähnten Beitrages im Buch der Offenbarung 13-18 als die Zahl des Tieres (in der Bedeutung des abscheulichsten Höllenwesens) bezeichnet wird, für die auch noch gilt:

sin(666°) + cos(6 * 6 * 6°) = - Phi

mit Phi als der Zahl des goldenen Schnittes Phi = (1 + sqrt(5)) / 2.

Na ob das keine tiefere Bedeutung hat? ?( Wenn man beachtet, daß die Diagonalen im Pentagramm (je nach Stellung der Spitzen ein mystisches Symbol des Guten oder des Bösen) zum Abstand der Spitzen auch das Verhältnis Phi haben.

Mit etwas (gegenüber der innerhalb der Wahnwelt der Zahlenmystik anzuwendenden Regeln getürkter) Zahlenmystik ist sogar das WWW ein Ausdruck von 666. Bei einer ebenfalls etwas freien Deutung (Trennstriche sind streng genommen nicht genau gleich der 6) findet man die 666 übrigens auch auf jedem EAN-Barcode beim Einkaufen, ganz mit der biblischen Aussage, daß nur derjenige kaufen und verkaufen kann, der mit dem Malzeichen versehen ist.

So jetzt hatte ich auch mal Märchenstunde, aber die obige Formel mit der 666 und Phi ist ganz schön KISS.
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190

Monday, August 24th 2009, 11:59pm

KISS - or not?

Die Forderung nach KISS , keep it simple and stupid, ist für sich selbst schon stupide
Diese Aussage Im Beitrag 666 in GeorgM's Thread ist durchaus im positiven Sinne diskutierbar. Einerseits muß wirklich nicht alles auf der Welt einfach sein, denn offenbar gibt es ja diverse Systeme von geradezu überwältigender Komplexität, sowohl im biologischen, sozialen, ökonomischen und technischen Bereich. Andererseits ist es seit jeher die Aufgabe des menschlichen Forschergeistes, komplizierte Systeme weitestmöglich in ihre einfachsten Grund-Funktionen, -Komponenten und -Wechselwirkungen zu zerlegen und die Gesetzmäßigkeiten dafür zu finden.

Dabei gibt es durchaus Systeme, die so hochkomprimiert in ihrer Funktion sind, daß ihre Beschreibung viel mehr materielle Ressourcen erfordert als das System selbst oder sogar das System herzustellen. Ein Beispiel für einen großen Beschreibungsaufwand wäre ein Chip, ein Beispiel für beides wäre die DNA oder eine ganze Pflanze.

Hier könnte es so scheinen, daß die heutigen Ansätze der dekomponierenden Erkenntnis-Gewinnung an ihre Grenzen stoßen, es gibt aber derzeit keine anderen, die ihr Funktionieren für viele Gebiete nachvollziehbar unter Beweis gestellt haben. Von spontaner Universal-Erkenntnis in der Art "göttlicher Eingebung" wird zwar oft erzählt, die Anleitung, so etwas gezielt hervorzurufen, ist nirgendwo zu finden, meist nicht mal die Belegbarkeit eines dagewesenen Einzelfalles.

Sicher können auch alle heutigen führenden Wissenschaftler irren, aber in der heutigen Naturwissenschaft, Technik, Ökonomie, aber auch im Rechtswesen und anderen Gebieten ist die wechselweise Anwendung von Analyse und Synthese die Haupt-Arbeitsweise und es ist unwahrscheinlich, daß gerade in einem Trading-Forum die Welt-Revolution der Erkenntnistheorie ausgelöst wird. Vielmehr ist anzunehmen, daß diejenigen, die nach immer neuen noch komplizierteren Systemen suchen, besonders weit vom Verständnis der grundlegenden Zusammenhänge entfernt sind, wobei das ganz allgemein auf die Mehrheit der Trading-Foren zutrifft und dort auch auf die Mehrheit der Nutzer.

Kurt Biedenkopf sagte einmal sinngemäß, daß die Entwicklung üblicherweise vom Primitiven über das Komplizierte zum Einfachen geht. Das Primitve kriegt man in den ersten Anfängen einfach nicht besser hin. Danach beseitigt man alle Einzeldefizite sukzessive durch Hinzufügen immer weiterer Komponenten für irgendwelche Teilfunktionen zum Ausgleich von Defiziten des ursprünglichen Grundprinzipes oder vorher zugefügter zusätzlicher Komponenten. Mit jeder durchgehend besser verstandenen Funktion des Systems kann man aber nach und nach auf zusätzliche Krücken gegen Defizite verzichten und das System wird einfacher und klarer, und wenn schon nicht in der Menge der Komponenten und deren Wechselwirkungspfaden so doch in der Klarheit der System-Architektur und im Verständnis der Wechselwirkung der Teile.

In dem Sinne ist KISS also richtig.

Ich gebe übrigens gerne zu, daß ich als Informatiker genau wie der ganze Berufsstand eher dazu neige, Dinge zu kompliziert werden zu lassen und von Zeit zu Zeit ein expliziter Anstoß erforderlich ist, die Dinge in ihrer Komplexität zu reduzieren.

Bei einem Handelssystem sprechen gegen viele Regeln, daß man bei numerischen Backtests ab einer bestimmten Anzahl von einstellbaren Parametern zu einer in ihrer exponentiell wachsenden Vielzahl von Kombinationen nicht mehr beherrschbaren Systemgröße kommt. Beim Verzicht auf Backtests und rein deduktivem Verständnis der Wirkung der Regeln fällt es ab einer bestimmten (eher sehr kleinen) Zahl von Regeln immer schwerer, ihre Auswirkung noch zuordnen zu können.

So bleibt also auch rein pragmatisch kaum etwas anderes als KISS übrig, selbst wenn man es nicht mag.

Dabei heißt KISS aber immer nur so einfach wie möglich - niemals einfacher.

Eine der menschlichen Auffassungsgabe von 7 +/-2 Punten entgegenkommende Zerlegung sollte man bei Wahlmöglichkeiten auf jeder Ebene anstreben, aber einer solcherart aus psychologischen Gründen gewählten Zerlegung können sich schwerwiegende sachliche Gründe entgegenstellen.

Ob die dann entstehende komplizierter als gewünscht ausfallende Beschreibung noch KISS ist (dann eben auf dem gerade noch bestmöglichen Level) oder nicht (und KISS also gescheitert ist), hängt von der individuellen Definition von KISS ab.
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DickT (25.08.2009), Krümel (02.04.2010)