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Hummler führt UBS-Präsident Ospel vor
Konrad Hummler, Teilhaber der Privatbank Wegelin, übt scharfe Kritik an
der UBS. Er wirft dem Verwaltungsrat strategisches Unvermögen vor und
plädiert für ein Aufbrechen der Grossbank.
Konrad Hummler hat sich zwar längst einen Namen gemacht als einer, der
sich nicht scheut, Klartext zu reden. Dass jetzt aber der 54-jährige
Privatbankier und ehemalige UBSler öffentlich eine Breitseite gegen den
Verwaltungsrat der Grossbank abfeuert, sucht seinesgleichen in der
verschwiegenen Schweizer Finanzszene.
Den Namen Marcel Ospel nennt Hummler in seinem
neusten Anlagekommentar zwar kein einziges Mal. Es besteht aber kein
Zweifel, dass seine Kritik in erster Linie auf den UBS-Präsidenten
zielt. Hummler rechnet Ospel die «enorm tiefe Bewertung» der UBS-Aktie
vor, mit der sich die Grossbank «am untern Rande der Branche» bewege.
Aus Sicht der Aktionäre, der er als Vermögensverwalter verpflichtet
sei, sei «die Situation in hohem Masse unbefriedigend» und «letztlich
auf ein jahrzehntealtes strategisches Defizit zurückzuführen».
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Die Ursache der Probleme
ortet Hummler wie andere Marktbeobachter auch im Investmentbanking, das
«die Bewertung in beträchtlichem Masse vergiftet». Bewerte man die drei
UBS-Geschäftsbereiche einzeln, liege der Aktienwert 30 Prozent höher
als heute. Hummler schlägt deshalb ein Aufbrechen der Bank in zwei oder
drei Teile vor. Das gleiche gelte auch für andere Konglomerate wie die
Credit Suisse oder Citigroup.
Die UBS kommentiert den Angriff Hummlers nicht. Es
ist aber offensichtlich, dass Ospel nicht an eine Strategieänderung
denkt. «Das ist kein Thema», sagte er letzten Samstag in der «Finanz
und Wirtschaft». In der «SonntagsZeitung» doppelte er nach und fügte
bei: «Auch das Investmentbanking wird in Zukunft attraktive
Wachstumsaussichten bieten.»
Auch damit räumt Hummler auf. Er bestreitet, dass
die Gewinne im Investmentbanking in die Gruppe zurückfliessen. «Durch
grosszügigste Bonus-Regelungen wird ein wesentlicher Teil des
ökonomischen Profits gar nicht weitergegeben, sondern fliesst in die
privaten Taschen der Investmentbanker.»
Vor allem aber zerzaust der Privatbankier das immer
wieder vorgebrachte Argument, dass zwischen dem Investmentbanking und
dem Vermögensverwaltungsgeschäft hohe Synergien bestehen. Die Realität
spreche gegen das Synergieargument. Tatsache sei, dass das
Investmentbanking den Wert der UBS-Aktie verwässere. Tatsache sei auch,
dass der Abschreibungsbedarf von 4 Milliarden Franken dem
Investmentbanking zu verdanken sei.
Der Wegelin-Bankier kontert vorsorglich auch schon
die Kritik, die man ihm voraussichtlich entgegenhalten wird: Dass er
einem puren Shareholder-Value-, also einem Aktienwertsteigerungs-Denken
verfallen sei, während eine Unternehmensstrategie längerfristigen
Kriterien genügen müsse. Dass die Shareholder-Value-Sicht nur
kurzfristiger Natur sei, bezeichnet Hummler als «durch nichts belegte
Unterstellung». Wahrscheinlich sei dagegen, «dass sich Management und
Verwaltungsrat hinter so genannt „langfristigen Interessen“ verstecken,
um nicht Eigeninteresse und Machtgelüste nennen zu müssen.»
Ob Metzger oder Banker ist wurst
Konrad Hummler, Teilhaber der Privatbank Wegelin, vergleicht die
Kreditmarktkrise mit dem inneren Wesen einer Wurst, deren Produktion
und Verkauf. Die Wurst als «Gemenge von Inhalten, die früher einmal
reelle Fleischstücke waren», sei «sozusagen ein Fleischderivat» –
vergleichbar den heutigen Finanzprodukten. «Während früher reale
Einzelstücke – Hypotheken oder Geschäftskredite als Filets oder Haxen
sozusagen – integral platziert wurden, wird heute zerhackt, vermengt,
gewürzt und verpackt.»
Würste lassen sich aber nach Hummler nur so lange mit Erfolg
verkaufen und mit Vertrauen geniessen, als nicht «ein berechtigter
Verdacht aufkommt, es könnte Gammelfleisch in die Produktion
eingeschleust worden sein». Im internationalen Kreditgeschäft gebe es
genau dieses Gammelfleischproblem.
Dass sich die Schäden der Kreditmarktkrise bisher in Grenzen
halten, führt Hummler auf die relative Unabhängigkeit einzelner
Risikokategorien zurück. «Die Wurster blieben sozusagen unter sich, die
Fleischer waren nicht wirklich betroffen und die Gemüsehändler schon
gar nicht.» (bsi)