Eurex richtet sich breiter aus
Von Udo Rettberg
Handelsblatt, Boca Raton (10.04.07) - Die deutsch-schweizerische Terminbörse will verlorenes Terrain im Rohstoffbereich aufholen. Eurex erweitert das Angebot und plant, neben Kontrakten auf Anleihen und Aktien auch Derivate auf Rohstoffe und in Fremdwährung gehandelte Derivate anzubieten.
Die deutsch-schweizerische Terminbörse Eurex will ihr bisher eher einseitig ausgerichtetes Angebot ausbauen und den Ansprüchen des Marktes besser gerecht werden. Das kündigte Vorstandschef Andreas Preuss im Gespräch mit dem Handelsblatt an.
Die Eurex hat auf Grund ihres technischen Vorsprunges zwar dem Volumen nach die alteingesessene Chicago Board of Trade (CBOT) überholt, sie fällt bislang aber mit ihrer Angebotspalette deutlich hinter die US-Terminbörsen und die europäische Mehrländerbörse Euronext zurück. Auch hat die Konkurrenz inzwischen technisch weitgehend aufgeschlossen. Vor allem die Amerikaner haben in den vergangenen drei Jahren Hunderte Millionen Dollar investiert. Zudem steht ein Zusammengehen der CBOT mit der CME oder dem zweiten Bieter, der New Yorker Intercontinental Exchange (ICE) bevor. Jetzt will die Eurex dem Wettbewerbern vor allem in den Schwellenländern Marktanteile abjagen.
„Die Eurex muss in allen Belangen unbestrittener Marktführer unter den Derivatebörsen in der Welt sein“, sagte Preuss. Dabei will er die Produktinnovationskraft der Börse erhöhen. Die Einführung von Kredit-Futures sei der erste wahrnehmbare Schritt.
Details zu den geplanten Rohstoff-Derivaten wollte Preuss nicht nennen. Am Markt wird aber spekuliert, dass die Eurex Derivate auf den von der deutschen Muttergesellschaft Deutsche Börse im Jahr 2006 lancierten CX-Rohstoffindex bringen könnte. „Wir schließen auch den Eintritt in den Markt für Event-Derivate nicht aus“, sagte Preuss. Event-Derivate sind Wetten auf bestimmte Ereignisse wie Konjunkturdaten, Sportergebnisse oder einen Wahlausgang.
Zudem will die Eurex die globale Verbreitung der vorhandenen Produkte dadurch verstärken, dass die Börse ihre vielfältigen Zielgruppen insbesondere in den außereuropäischen Regionen noch intensiver anspricht als bisher. „Wir verstehen unsere Nutzer als Partner“, sagte Preuss.
Die Eurex müsse in allen Aspekten ihre technologische Marktführerschaft zurückgewinnen, fordert der Vorstandschef. Aus Marktkreisen war in den vergangenen Tagen zu hören, dass die Eurex während der jüngsten Finanzmarkt-Turbulenzen die einzige Terminbörse war, deren System ohne Probleme gearbeitet habe. Man werde kontinuierlich die Kapazität und die Funktionalität der Systeme ausbauen.
Gerade für die zunehmende Zahl der so genannten Algo-Trader sei es wichtig, jederzeit auf alle Marktinformationen zugreifen zu können. Beim Algo-Trading nutzt der Computer mit Hilfe mathematischer Formeln in Millisekunden winzige Kursdifferenzen aus, um kleine Gewinne zu erzielen. Oder er teilt große Aufträge in viele kleine Tranchen auf, um die Preise nicht zu verderben. Das bringt den Terminbörsen riesige Umsätze. Derzeit wickelt die Eurex ihre Aufträge durchschnittlich in 33 Millisekunden ab. „Diese Werte wollen wir in absehbarer Zeit halbieren“, sagte Preuss.
Die Frage nach Kooperationen und Zusammenschlüssen beantwortete der Eurex-Chef diplomatisch: „Wir schließen selbstverständlich keine Optionen aus, aber wir diskutieren sie auch nicht öffentlich.“ Erklärte Unternehmenspolitik sei es vor allem, nach organischem Wachstum zu streben. Sinnvolle Ergänzungen durch Zukäufe seien jedoch zu keinem Zeitpunkt auszuschließen.
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Vom Nobody zum Weltmarktführer
Historie: Die Eurex entstand 1998 aus der Fusion der deutschen und schweizerischen Börsen DTB und Soffex.
Erfolgsgeschichte: In nur zehn Jahren stieg die Eurex zur weltgrößten Terminbörse auf.
Erfolgsfaktor: Entscheidend für den Erfolg ist die Konzentration auf den elektronischen Handel. Die US-Börsen hielten zu lange am Präsenzbörsensystem fest.
Schwächen: Während andere Terminbörsen ihren Volkswirtschaften auch Risikosteuerungsinstrumente auf Rohstoffe offerieren, ist die Eurex bis dato allein auf Finanzwerte fokussiert. Die Abhängigkeit der deutschen Wirtschaft von Rohstoffimporten schafft aber für Absicherungen großen Bedarf.
(Quelle:
http://www.handelsblatt.com/news/Boerse/…reiter-aus.html)