DAX-GEFLÜSTER
Gefährlicher Goldrausch
Von Karsten Stumm
Börsenprofis erhöhen ihre Prognosen, Investmenthäuser bieten mehr und mehr Rohstoffanlagen zum Kauf an, und selbst kleine Sparer investieren plötzlich Geld in Gold oder Silber. Der Rohstoffmarkt boomt, doch die ersten Experten warnen bereits vor einer verhängnisvollen Blase.
Hamburg - Die Börse hat einen neuen Star. Mit ihm, so hört man, kann man langfristig nur gewinnen. Eine einzige Unze Gold kostet bereits 660 Dollar, das ist der höchste Preis seit mehr als 20 Jahren. Und Fondsmanager sagen, es gehe Schritt für Schritt weiter, bis 2000 Dollar für eine einzige Feinunze des Edelmetalls geboten würden. Die Kursentwicklung für Silber verläuft kaum anders.
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Goldbarren:
Tatsächlich scheinen die Möglichkeiten verlockend zu sein. Und so mancher Experte ist sich sicher: Anleger weltweit stehen vor einem neuen Superzyklus der Rohstoffmärkte - mit immensen Gewinnmöglichkeiten. So erwartet auch Klaus Martini, Chefanlagestratege der Deutschen Bank, dass der Rohstoffsektor eines der Megathemen der kommenden Jahre sein wird. Auch der Ölpreis hat schließlich die Schwelle von 70 Dollar pro Fass längst überschritten. Und er scheint weiter zuzulegen.
Einige Experten fürchten hingegen, dass an den Rohstoffmärkten eine gewaltige neue Blase entsteht. Joachim Goldberg ist einer von ihnen. "Jeder Sparer muss innehalten und nachdenken, wenn sich die Bewertungsmaßstäbe an den Börsen verschieben. An dieser Schwelle stehen wir jetzt", sagt der Geschäftsführer der Frankfurter Firma Cognitrend, die sich auf Finanzmarktanalysen mit psychologischem Blickwinkel spezialisiert hat, zu manager-magazin.de.
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Die Dax-Show: Kursentwicklung im Rückblick
"Jahrelang galt unter vielen Händlern als ausgemacht, dass Gold nie wieder so eine Bedeutung erlangen wird, wie zu Beginn der achtziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts", erinnert sich Goldberg. Damals kostete eine Feinunze des Edelmetalls etwa 850 Dollar, der höchste je erzielte Preis für eine Winzigkeit des Rohstoffs. "Jetzt aber scheinen alle Argumente aus jener Zeit vergessen zu sein", hat Goldberg bemerkt.
Beispielsweise das hohe Gewicht des Metalls: Weil es so schwer ist, sei es nur schlecht zu transportieren und eigne sich nicht als Ersatz für modernes Geld, lautet ein zentrales Argument. Genau deshalb seien weder eine kräftige und dauerhafte zusätzliche Nachfrage nach dem Rohstoff zu erwarten, noch langfristig steigende Goldpreise.
"Ob das Argument nun stimmen mag oder nicht, spielt keine große Rolle in der Beurteilung der jetzigen Situation", glaubt der Cognitrend-Geschäftsführer. "Entscheidend ist viel mehr, dass die ersten Anleger wieder bewusst Argumente ausblenden, die gegen ihre Meinung sprechen. Und das kann ein Indiz für eine beginnende Blasenbildung sein."
Der Kontrollillusion erlegen
Zwar haben die Rohstoffpreise zuletzt vor allem auf Grund der kräftig wachsenden Weltwirtschaft geboomt und nicht wegen wilder Spekulationen. "Die machen beispielsweise am Ölmarkt derzeit gerade einmal zwei bis drei Prozent der Preisbewegungen aus, der allergrößte Teil ist vor allem auf die hohe Ölnachfrage Chinas zurückzuführen", sagt John Baumann, Rohstoff-Analyst und Dachfondsmanager bei HSBC Trinkaus & Burkhardt in Luxemburg.
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