Mit Über-Simplifizierung wird man den wirklichen ökonomischen Belangen nicht gerecht. Erstens gilt (zumindest tendenziell) immer noch das Gesetz des einen Preises für hinreichend portable Angebote und zweitens ziehen zunehmende Investitionen in ähnliche industrielle Infrastrukturen über den Wettbewerb um die gleichen Verwertungs-Bedingungen für das Kapital auch in Ländern mit noch so geringen Löhnen steigende Lebenshaltungs-Kosten nach sich, denn die ähnlichen Investitions-Kosten müssen auf die Produkte umgelegt werden, weiterhin stehen die Industrie-Investitionen mit Wohn-Immobilien im Wettbewerb.
Länder mit ähnlichen Bedingungen bleiben darum nicht ewig billig, wie man an diversen ehemals als billig gestarteten Ländern leicht sehen kann. Wenn die Preise aber nicht mehr um wirklich satte Differenzen (min. auf dem Niveau höherer 2-stelliger Prozent-Beträge) auseinander liegen, spielen die weichen Faktoren des Standortes und der räumlichen und kulturellen Nähe zu den Kunden eine immer größere Rolle.
Obwohl ich ein großer China-Fan bin und mir auch wünsche, daß die USA in die Schranken gewiesen werden, kann ich die Lage nicht ganz so schwarz sehen. Und bevor in China bei aller Imposanz einiger Orte, die mit einer bestimmte Produkt-Gruppe fast den ganzen Weltmarkt abdecken sollen, vermeintlich ohne Einschränkungen an allen Orten über-dimensionale "Hyper-Industrien" gesehen werden, besuche man mal den
Rust Belt in den USA und relativiere dann seinen subjektiven Eindruck zumindest ein wenig.
Auch wenn in den USA Vieles geradezu Wirklichkeits-entrückt kaputt ist (z. B. das sich völlige Sich-Selbst-Überblassen ganzer verfallender Stadt-Viertel [besonders gut in Detroit zu besichigen], völlige Geister-Städte mit riesigen nicht rekultivierten Industrie-Brachen usw.) und sie in der produzierenden Industrie auch in der Tat gravierende Struktur-Schwächen haben, sind sie ganz bestimmt noch nicht soweit in die Ecke gedrückt, daß sie ein Entwicklungs-Land sind, wenngleich die gravierenden sozialen Ungerechtigkeiten und Verfalls-Erscheinungen das für einen großen Teil der dortigen Verlierer des Systems den Eindruck machen könnten.
Insbesondere ist die Grenz-Ziehung zwischen den Gesamt-Bevölkerungen verschiedener Länder weniger Ziel-führend für eine angemessene Betrachtung als der Vergleich sozial unterschiedlich aufgestellter Teile der Bevölkerung. Einem (nominell gleich reichen) Milliardär geht es in der dritten Welt eher noch besser als in den USA und ein Obdachloser ist an jedem Ort der Welt den Unbilden der Natur und den Gefahren krimineller und staatlicher Übergriffe und dem Vegetieren nahe am unmittelbaren Überlebens-Kampf auf ähnliche Weise ausgesetzt.
Nachtrag: Wenn der Westen sich aber weiterhin nicht aufs echte und harte Arbeiten statt aufs hirnlose Schwadronieren aufgeblasender Politiker und Gewerkschafts- und Industrie-Funktionäre und das Pflegen alter Zöpfe, die vor einem Jahrhundert vielleicht noch gingen, konzentriert, hat er alle Chancen, die finstersten Erwartungen im Kampf um seinen künftigen ökonomischen Platz noch zu unterbieten.