Ich lehne mich jetzt weit aus dem Fenster und wage folgende Prognose:
Da verabschieden sich alle, die in den letzten 5 Jahren Aktien gekauft haben - und zwar alle in 2 Wochen und einem Tag. Mal schauen, wo die Gegenbewegung einsetzt. Vielleicht schaffen wir es ja noch mal an die 200-Tagelinie bei 7500, die im Moment sehr weit entfernt scheint. Ob das Kapital, das auf lange Sicht anlegt, so schnell wieder zurückkommt, stell ich mal in Frage. Dafür ist gerade bei den Banken zu viel Porzellan (will sagen Vertrauen) zerschlagen worden. Bis dahin sind die Trader unter sich und die werden die Kurse nicht alleine wieder nach oben ziehen. Auf Jahressicht sehe ich den Dax wohl die 5400-5500 (Zwischenhochs aus 2002) ansteuern. Vielleicht sehen wir im Q1 noch gute Unternehmenszahlen, die eine Korrektur der Kurse nach oben rechtfertigen, aber dann sollte es weiter runter gehen. Denn auch wenn das Q1 noch erfolgreich läuft, so bleibt die Stimmung schlecht, Misstrauen weit verbreitet und das wird sich auf die folgenden Quartale auswirken. Die jetzt noch günstige Bewertung der Aktien relativiert sich durch weg brechende Gewinne in Folge des mangelnden Vertrauens in die wirtschaftliche Entwicklung. Dann wird es schwierig Ursache und Wirkung von einander zu trennen. Kam der Crash, wegen der Subprimekrise oder potenzierten sich die Auswirkungen der Subprimekrise erst durch den Crash? Darauf wird es wohl nie eine Antwort geben. Fakt ist: die Amerikaner haben ihr Pulver verschossen, sind jetzt schon hoch verschuldet und fallen als Konsumenten aus. Dazu kommen die Chinesen mit ihrem aufgeblähten Aktienmarkt, wo die Hausse-Euphorie in den letzten Monaten keine Grenzen kannte. Wenn die Ostasiaten erst die Schattenseiten der Börse kennen gelernt haben, werden auch sie den weg brechenden US-Konsum nicht auffangen können (selbst wenn dort die Krise keine Spuren hinterließen, könnten sie es imho nicht). Europa mit seinen noch relativ starken Gewerkschaften wird in nächster Zeit höhere Tarifabschlüsse erleben, was die Inflation nährt. Es ist einfach mehr Potential nach unten als nach oben da. Im Gegensatz zu den letzten 6 Monaten ist das den Anlegern auch bewusst geworden. Jetzt beginnt die Phase, in der Zinssenkungen und Konjunkturprogramme gegenteilig wirken. Das Schlagwort lautet nun: "Wenn die Politik solche Schritte unternimmt, dann muss es wirklich schlimm um die Wirtschaft stehen".
Bislang dachte ich, einen Crash kann es nur aus einer Euphorie heraus geben, die wir bislang in den USA und Europa noch nicht gesehen haben. Soweit wohl auch die Meinung der meisten - und genau da liegt der Hund begraben. Die Börse hat in der Vergangenheit vor allem eines gelehrt: Erwarte das Unerwartete. Lektion 2008: Die Baisse beginnt mit Mangel an Vertrauen und nicht wie früher mit Sorglosigkeit.
Ich hoffe, ich irre mich.