@ fuzba
Das Thema hatte ich im Post vom
05.11.09, 19:53 mal kurz angesprochen.
Im Statistik-Paket R beginnen einige Funktionen zur Bestimung der statistischen Power (meist in den Zusatz-Paketen) mit 'power.' Auch in jeder anderen brauchbaren Statistik-Software gehört die Berechnung der statistischen Power eines Tests zu den notwendigen statistischen Elementar-Funktionen.
Entscheidend ist, daß man für eine sinnvolle Angabe schon eine Vorabschätzung braucht, wo die TQ in etwa liegt (ggf. durch einen Vor-Test).
Verständlich wird das an einer manipulierten Münze, die mit 60:40 eine Seite präferiert. Teste ich diese Münze mit 10 Würfen und erhalte genau 60:40, hat das Ergebnis trotzdem kaum eine Aussagekraft, da die Fallzahl viel zu klein ist, sie von einer idealen Münze mit 50:50 zu unterscheiden, die in 10 Versuchen auch mit hoher Wahrscheinlichkeit rein zufällig mit 60:40 auf die gleiche Weise fallen kann. Hier hat also sogar ein Ergebnis, welches genau mit der richtigen Zahl übereinstimmt, trotzdem kaum eine Bedeutung!
Nähert sich die Trennschärfe der Regeln nahe 50:50, werden um mehrere Größen-Ordnungen mehr Fälle gebraucht als bei sehr stark trennenden Regeln. Für die Anwendungen im Trading muß neben der statistischen Power noch das ex-post-CRV einbezogen werden, wobei eine zuerst erfolgende getrennte Bewertung der TQ der Handels-Regeln und eine spätere Adjustierung um das CRV sinnvoller ist, als zu früh einen kumulativen Wert zu bilden.
Zwar bilden für den Erwartungswert des Ertrages TQ und CRV zusammengefaßt eine Gesamtsicht, nicht aber für die gesondert erforderliche Bewertung der TQ (die sich im wesentlichen auf die Qualität der Handels-Regeln bezieht) und des CRV (das sich im wesentlichen auf das Riskiko-Management bezieht).
Die Testfall-Anzahl ist dann ausreichend, wenn man mit der durch die statistische Power angezeigten Restunsicherheit durch Artefakte leben kann, wo eigentlich die gegenteilige Handelsregel richtig gewesen wäre. Irgendwelche Pauschalangaben, wie völlig aus der Luft gegriffene 30, 100 oder 400 Trades bringen da gar nichts, selbst wenn ich sie schon in akademischen Veranstaltungen (sogar zur Präsentation einer Diplom-Arbeit) gehört habe und sie dort sogar vor einem größeren Auditorium beinahe unkommentiert durchgegangen wären. (Was zeigt, wie wenig die Kenntnis über diese Zusammenhänge wirklich verbreitet ist.)