@ pips
Diese Argumentation zum Copyright ist oft zu hören, hat aber in Wahrheit nur teilweise und unter bestimmten, System-erzwungen kaputten Voraussetzungen damit zu tun, da die Ausgestaltung der Vergütung und deren Ausschüttung auch auf viele andere Varianten vorgenommen werden könnte. Mit den diversen Verwertungs-Gesellschaften und den an sie zu zahlenden Abgaben sind wir von einem Zusatand irgendwelcher "freien Märkte" sowieso ganze Dimensionen entfernt, so daß ein anderer Mechanismus kaum willkürlicher wäre als die heutigen.
Das heutige "Copyright"-Unrecht basiert auf dem knallharten Interessen-Konflikt zwischen Anbieter und Nachfrager, was aber auf Grund der beliebigen Kopierbarkeit von Informationen prinzipiell so nicht funktionieren kann. "Normale" begrenzte physische Ressourcen werden bei der Benutzung aufgezehrt und sie können wegen ihrer Körperlichkeit auch effektiv angeeignet werden, indem z. B. eine physische Abgrenzung erfolgt oder eine Kontrolle des physichen Bestandes und seines Transfers.
Es gibt aber auch andere Ressourcen, die in wegen ihrer massiven Verfügbarkeit kaum einen unter kapitalistischen Betrachtungen ökonomischen Wert besitzen (z. B. Meerwasser am/im Meer, Luft, so man bei beiden von der Kontamination mit Schadstoffen absieht, die für eine Nutzbarmachung dann Fall-weise doch Aufwände erfordern können) oder Ressourcen, die zwar nominell in jemandes Eigentum stehen, aber zu denen wegen bestimmter Usancen die völlig exklusive Nutzung nicht erzwungen werden kann/darf (z. B. Land-/Forstwirtschaftliche Flächen, Flächen mit Wege-Rechten).
Die Information spielt da eine noch weitergehende Rolle, da ihre physische Repräsentation sogar mit verschwindendem Aufwand beliebig vermehrbar ist.
Wenn man eine sachgerechte Leistungs-bezogene Vergütung möchte, die den Nutzer ehrlich an der Nutzungs-Messung beteiligt, so muß dieser durch die ungefälschte Teilnahme an der Leistungs-Messung keinen Nachteil erleiden. Das wäre z. B. durch eine prozentuale Festlegung des Anteiles am volkswirtsschaftlichen Gesamt-Produkt für sonst nur schwer abrechenbare geistige Leistungen möglich, die dann entsprechend der Leistungs-Messung aufgeteilt wird.
Solche Modelle sind keineswegs exotisch, denn sie finden bei der Budgetierung aller öffentlichen Ausgaben statt, die mit über 50 % Staats-Quote sowieso den wichtigsten stark eingeschränkten Markt darstellt. Viele geistige Leistungen werden bereits heute so entgolten (Zwangs-Gebühren-Fernsehen, Uni-Bibliotheken, öffentliche wissenschaftliche Einrichtungen [ohne Dritt-Mittel-Anteile], Teile der öffentlichen Kultur).
Weiterhin sind die Autoren gar nicht die zentralen Nutznießer des heutigen "Copyright"-Unrechtes, sondern zu allererst die Medien-Konzerne, die damit nicht nur ein Riesen-Geschäft machen, sondern auch noch das öffentliche Bewußtsein System-konform manipulieren.
Ein besonders schwerer Schaden durch das "Copyright" wird durch die Nicht-Nachvollziehbarkeit und Innovations-Hemmung in der Software-Branche erzeugt, die heute durch das Enthalten-Sein von Software in fast allen Produkt-Bereichen die ganze Wirtschaft schädigt. Zum Durchsetzen des "Copyrights" müssen nämlich Sachen, die bei öffentlichem Bekanntsein viel besser nutzbar wären, geheim gehalten werden.
Da liegt eine riesige Kluft zwischen Open Source, wo jedermann mit Sach-Verstand sowohl kontrollieren als auch sich inspirieren lassen kann und das Geld mit der Problem-Lösung mit einer Software verdient wird und der proprietären Software, wo das Geld zu Lasten der Kunden an der Software selber gemacht wird, die oft als Katze im Sack gekauft wird und mit Featuritis hypertrophiert, damit der Kunde so sehr gebunden ist, daß er gar nicht mehr frei entscheiden kann, sondern in ewiger Sklaverei bei einem Anbieter gefangen ist.
Wie immer, wenn eine Schein-Lösung einen irreparablen Prinzip-Schaden hat, müssen zur Zwangs-weisen Aufrecht-Erhaltung von Verhältnissen wider die Natur der betreffenden Sache immer neue und immer schärfere Regeln eingeführt werden, um den eigentlich total kranken Zustand nicht endgültig zerbröseln zu lassen. Wenn man sich
DMCA & Co. anschaut, macht sich hier ein relativ kleiner Teil der Gesellschaft zur Schein-Legalisierung des größten Raubzuges der Menschheits-Geschichte auf (nämlich der Konfiszierung unserer Gehirne und ihrer Inhalte) und setzt dabei alle Bürger-Rechte unter seine eigenen Profit-Interessen. Das ist das moderne Raub-Rittertum.
Nicht der Hersteller von "nicht-legitimen" Kopien ist der Verbrecher, sondern diese Raub-Ritter. Daß diese Leute nicht wählerisch in ihren Mitteln sind, sieht man an ihrer aggressiven Wortwahl, die von "Raub"-Kopien spricht, wobei Raub aber das gewaltsame physische Entwenden einer Sache von einer Person darstellt, worum es hier gar nicht geht. Auch daß wegen vergleichsweise lächerlicher Ansprüche massive Eingriffe in Verfassungs-Rechte (Hausdurchsuchungen, Beschlagnahmen) und absolute Phantasie-Gebühren abgezockt weden, macht diese Leute nicht sympathisch.
Das von ihren Lobbies durchgepeitschte "Recht" unter Flutung überforderter Parlamente mit selbst verfaßten Gesetzes-Vorlagen, die oft 1:1 durchgewinkt werden, ist nicht das Recht des Volkes, auch wenn es formal den Anschein hat und das ganze System mit großer Mühe genau diese Fiktion erzeugen soll.
Absolut absonderlich wird es dort, wo das ursprüngliche Geschäfts-Modell des Verkaufens durch das absichtliche Lancieren von Möglichkeiten zum Erstellen von nicht den heutigen Lobby-Gesetzen entsprechenden Kopien ersetzt wird, nur um danach dort abzukassieren, wobei aber gar kein Mensch das Produkt zu den geforderten Preisen gekauft hätte.