Die Einlassung "
Also, ohne die 1 Position von gestern mal zu beachten" könnte man naheliegend zum Wahlspruch aller Trading-Traumtänzer verallgemeinern zu:
Ohne meine Verluste zu beachten, wäre ich der weltbeste Trader überhaupt.
Nun aber sind die Verluste real und da können wir doch gleich vom typischen Anfänger mit maßloser Over-Conficence und Super-Schmalspur-RM lernen,
wie man es auf keinen Fall machen sollte:
Am 29.03.2010 um 17:14 wird eine Short-Position im GBP.USD mit 1,6 Lot zu 1,4966 eingegangen. Kritiken daran überlasse ich Anderen, denn ich stehe nicht so auf dem Vertiefen von Pro und Contra für die Setups einzelner Trades, da das meist mit der Überschätzung der eigenen Prognose-Fähigkeiten verbunden ist und bei richtigem RM/MM notfalls auch ein Zufalls-Einstieg ausreichende Dienste tut (Damit beschäftigten sich mehrere akademische Arbeiten, die erst in letzter Zeit vorgestellt wurden, obwohl ich sie inhaltlich ziemlich schwach fand.)
Nun würde sich bei fachgerechtem Trading nach den Kriterien der benutzten Methode für die eröffnete Position ein Zeitrahmen und aus zu diesem gehörenden Marktbedingungen und der Volatilität ein Stop Loss ergeben. Der typische Anfänger hat aber weder einen vorher bestimmten Zeitrahmen noch einen fest bestimmten Stop Loss sondern strudelt unkoordiniert durch die Märkte.
Schaut man dann statt auf den einzig maßgeblichen Netto-Anlagewert auf die unbedeutende Account-Balance scheint die Welt halbwegs in Ordnung, solange die Verluste nicht realisiert werden. Dieser Fehler mag vom Poker-Spielen herrühren, wo der Zeitraum einer Hand (eines einzelnen Spieles) so kurz und mit den verschiedenen Wettrunden so dynamisch ist, daß man bestimmt das Ende der Hand abwartet, um dann den neuen Chip-Stack zu zählen. Im Trading, wo Positionen wesentlich längere Zeit offen sein können, ist das aber vollkommen falsch.
Da aber auch die offene Verlust-Position, wenn schon nicht alleine, so wenigstens in einem Trade-Bundle irgendwie zu einem Gewinn umgelogen werden soll, gibt es nun u. a. folgende typische Anfänger-Varianten:
- Underwater-Pyramiding ("Verbilligen", Aufstocken im Verlust) und
- Aussitzen bis zum Break-Even, wo dann entnervt, aber zufrieden über die Verlust-Vermeidung schnell glatt gestellt wird.
Diese Vorgehensweisen sind beide falsch, weil Aussitzen (unter einigen sinvollen Anahmen) meist nutzlos ist, da mit dem Glattstellen einer Position nur der ohnehin schon vorhandene status quo eingefroren wird. Wenn nach dem Eingehen des Trades eine ausreichend große Bewegung über einen sinnvollen Stop Loss hinaus eingetreten ist, wird entweder das Setup von Anfang an ungüstig gewesen sein oder sich im Nachhinein etwas zu ungunsten des Traders auf den Märkten verändert haben, wodurch das Beibehalten der Verlust-Position statistisch in den allermeisten Fällen die falsche Entscheidung in einem vorgegebenen Zeitrahmen ist.
Natürlich können sehr viele Positionen durch Aussitzen irgendwann mal in den Gewinn kommen. Trotzdem ist das Aussitzen meistens falsch, weil eine frühzeitige Realisierung eines kleinen Verlustes das Kapital und die Aufmerksamkeit für weitere erfolgversprechende Opportunitäten freigesetzt hätte, die unbelastet vom Zustand des im Pokern "pot committed" sein genannten Zustandes (Nun habe ich schon soviel "investiert", das darf auf keinen Fall umsonst sein.) und darum besserer mentaler Einstellung eingegangen werden können.
In der Summe ist die Strategie aus frühzeitigem Realisieren kleiner Verluste und Eingehen anderer Positionen (ggf. auch der Gegen-Position zur vorigen Verlust-Position, ggf. nach dem Abwarten des Endes der ungünstigen Bewegung) eine Strategie mit einem höheren Erwartungswert, wobei genaue Details von Markt zu Markt und den Details der Strategie abhängen und nicht allgemein quantifiziert werden können, wohl aber von jedem Trader in seinen Vorbereitungen durchzutesten/durchzurechnen sind (was der "FXM" natürlich nicht braucht, da er ja besser weiß wie Trading geht, als der Rest der Welt

).
Dazu sein noch bemerkt, das es auch Märkte gibt, wo Aussitzen grundsätzlich die richtige Strategie ist, nämlich anti-persistente Märkte mit einem Hurst-Exponenten < 0,5. Dazu gehören insbesondere Volatilitäts-Futures u. ä., wie z. B. Options-Kombinationen, die synthetisch einen solchen Future implizit enthalten können. Aber auch einige Aktien gehören dazu. Bei all diesen Produkten gilt der zu stark verallgemeinernde Spruch "The trend is your friend" nicht. Devisen liegen mit Hurst-Exponenten mit meist etwas über 0,5 im Bereich, wo weder hektisches Agieren noch extrem ausgeprägtes Trendfolgen optimale Strategien sind und die Marktbedingungen gemessen mit den chaostheoretischen Kennzahlen in allen Zeitrahmen relativ heterogen sind (weshalb sie für die meisten Trader relativ schwieriger zu traden sind als z. B. stark trendierende Aktien/Aktien-Indizes).
Der zweite Fehler ist noch viel schlimmer, da dabei nicht mal der status-quo beibehalten wird, sondern das Risiko einer schon schlecht gelaufenen Position sowohl über die mentale Beherrschbarkeitsgrenze als auch das risiko-mathematisch richtige Maß (so denn wenigstens die ursprüngliche Position dem entsprach) erhöht wird. Diese Strategie ist unabhängig von den chaostheoretischen Eigenschaften eines Marktes immer falsch, da keine statistische Maßzahl eines Marktes verhindern kann, daß eine durch das nur einen Mittelwert angebende Maß eine weitere und ggf. sehr schnelle ungünstige Marktbewegung eintritt.
Wegen des dann über der mentalen Beherrschbarkeitsgrenze liegenden Risikos sind völlig irrsinnige Reaktionen des Traders fernab der Ratio beinahe schon gesetzmäßge Folge eines solchen Handelns. Der einzig bewährte Weg, daß sich ein normaler Mensch mit den nicht völlig zu unterdrückenden Emotionen eines Menschen davor schützt, ist das vorige Begrenzen der Risiken statt ihres Aufstockens. Damit kann man als Trader sogar ziemlich lange mithalten, selbst wenn die Setups nicht Top-Qualität haben.
Was macht nun unser Trading-Sternchen?
Die GBP.USD-Position wird laufen gelassen, und wenn nicht zwischendurch der Verlust-Streß übermäßig wurde, hätte sie heute um 14:24 beim Kurs von 1,5187 einen stolzen Drawdown von 221 Pips oder 2616 EUR, also statt den gestrigen knapp 5 % vom Account schon knapp 8 % vom Account.
Die zur "Verbilligung" genutzte Position soll ja angeblich einen Stop gehabt haben, so daß sie nicht ins Gewicht fällt.
Egal, welche Ansichten jemand zu irgendwelchen Trading-Details vertritt, sowohl 5 % und erst recht 8 % sind im Day-Trading für eine einzelne Position völlig indiskutable Drawdowns.
Bevor jetzt jemand glaubt, ich würde von mir selber behaupten, immer alles richtig und diszipliniert zu machen, nie unqualifiziert Time-Frames zu vermischen etc., gebe ich durchaus zu, auch öfter mal gegen die Disziplin zu verstoßen, was ziemlich oft gut geht, sich unter dem Strich aber nicht bewährt und nur darum gerade noch gut geht, weil ich wenigstens völlig unabhängig von irgendwelchen Markt-Überlegungen aus Kapital-Sicht einen absoluten und niemals verschieblichen Super-Stop habe, wo ich einfach alles schließe und eine Auszeit nehme. Das letzte Mal tat ich das ... eben.
Anmerkung: "Eben" ist schon eine Zeit lang her, weil ich, auch wenn es manchmal nicht so aussieht, neben dem Verfolgen des FXM-Bullshits noch Anderes zu tun habe. Ebenso wurde der maximale Drawdown punktgenau am TH um 17:03 nochmal getroffen. Ganz so klappt das mit dem Aussitzen wohl nicht in sinnvoller Zeit, wenn ansonsten eher kleinste Gewinne kurz über der minimalen Haltezeit geschnappt werden, um nicht vom Anbeiter als Scalper rausgeschmissen zu werden.