AKTIENPOWER AG - Banales in Gold, Platin und Turbo-Platin
Von Karsten Stumm, Manager Magazin
(05.04.05) - Ehemalige Angestellte von Motivationsguru, Pleitier und Knastbruder Jürgen Höller sind zurück auf der Bühne. Seine Ex-Mitarbeiter verkaufen jetzt Aktienseminare - und nebenbei Beteiligungen an ihrer neuen Firma: Es soll die größte außerbörsliche Emission Deutschlands werden. Das fürchten Anlegerschützer auch.
Hamburg - An wichtigen Stellen seiner Börsenvorträge klatscht Alfredo Cuti in die Hände. Sparsam und gezielt, nur einmal. Seine Zuhörer, zumeist mittelalte Privatanleger, sollen wissen: Jetzt kommt was Wichtiges, seine Spezialstrategie zum Beispiel. "Mit ihr", sagt Cuti, - klatsch! - "können Anleger ihr Geld immer wieder vermehren. Einfach so, ein Leben lang."
Dann reißt er beide Arme hoch, wie ein Sportler, der einen wichtigen Punktgewinn feiert.
Alfredo Cuti ist Verwaltungsrat der Aktienpower AG mit Sitz im Schweizer Ort Baar, und er ist Verkäufer. Derzeit im Angebot des gelernten Datenverarbeitungskaufmanns: Börsenseminare in der Version Gold, Platin und Turbo-Platin, jeweils für eine Gebühr in Höhe von 990 Euro. Dafür bekämen die Anleger Börsenstrategien vermittelt, die "so genial sind, dass sie die Finanzwelt in ihrem Fundament erschüttern", sagt Cuti.
Börse leicht gemacht
Erschüttert sind bisher vor allem die Seminarteilnehmer. Ihnen sind für die knapp 1000 Euro simple Aktienanalysen mit Hilfe von Durchschnittskursen als Weg "zur finanziellen Freiheit" vorgestellt worden - so einfach kann Börse sein. Und so schön mechanisch: Professionelle Chartexperten haben schon vor Jahrzehnten herausgefunden, dass mit solch starren Modellen niemand auf Dauer Erfolg haben kann.
Dennoch hat Cuti mit seinen Seminaren und dem Vertrieb eines Börsenbriefs schon jetzt so viele Menschen von seiner Börsenstrategie überzeugen können, dass die Firma nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr einen Umsatz in Höhe von 3,7 Millionen Schweizer Franken erwirtschaftet hat. Genug für das Aktienpower-Team, etwas Großes zu wagen: "Deutschlands größte außerbörsliche Emission aller Zeiten."
Alfredo Cuti will - klatsch! - Geschichte schreiben.
Die Aktienpower AG sucht ab sofort Anleger, die in das Seminarunternehmen investieren wollen. Gegen eine Zahlung in Höhe von 125 Franken können Investoren eine vorbörsliche Beteiligung an der Firma aus dem Steuerparadies Zug zeichnen, und ab 2007, sofern alles gut geht, eine Dividende von 8 bis 9 Prozent pro Jahr einstreichen - nicht gerade bescheiden: Die Dax-Werte mit der derzeit höchsten Ausschüttung, DaimlerChrysler und Deutsche Telekom, schaffen gerade einmal die Hälfte.
Damit nicht genug. Cuti stellt den Zeichnern seiner vorbörslichen Beteiligung auch noch in Aussicht, "die Aktien im Jahr 2008 für das Doppelte an die Börse zu bringen". Anlegerschützer Jürgen Kurz kann bei solchen Versprechungen nur warnen: "Das sind Lockversprechen, die typisch sind für Angebote auf dem grauen Kapitalmarkt." Anleger könnten bei dem Investmentangebot der Firma Aktienpower nur sicher sein, dass "einzig Herr Cuti einmal ein reicher Mann sein wird - und ein gesuchter dazu", sagt Kurz, Sprecher der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz.
Mit Chefs, denen die Staatsanwaltschaft auf die Füße tritt, haben einige Mitstreiter aus Cutis Team übrigens schon Erfahrung machen müssen. Hinter der Aktienpower AG stehen eine ganze Reihe Verkäufer, die einst den Vertrieb für Motivationstrainer Jürgen Höller schmissen und teils selbst von der Pleite der Höller-Firma Inline betroffen waren: die jetzigen Aktienpower-Vertriebsgeneraldirektoren Hans-Peter Borst und Andreas Wengler zum Beispiel, Vertriebsvorstand Ronald Schnaus, die Vertriebler Kerstin Mecklenburg sowie Sebastian Kieser, einer von Jürgen Höllers Ex-Telefonverkäufern.
Gewinn muss um das 160-fache steigen
Die eigene Umsatz- und Gewinnerwartung der Aktienpower AG sollten allerdings selbst für die ehemaligen Höller-Mitarbeiter atemberaubend sein. Laut Börsenprospekt sollen bis zu 16 Millionen Aktien zu 125 Franken unters Volk gebracht werden. Mit der in Aussicht gestellten Dividende von 8 bis 9 Prozent jährlich müssten dafür ab 2007 wenigstens 180 Millionen Euro Gewinn nach Steuern erwirtschaftet werden. Im vergangenen Jahr blieben bei den Schweizern unterm Strich allerdings nur 1,1 Millionen übrig - nicht mal ein 163stel der benötigten Summe.
Das nötige Bare soll vor allem durch die Anlage der Investorengelder erwirtschaftet werden. Jene 125 Franken pro Anleger und vorbörslicher Beteiligung, die gerade zum Kauf angeboten wird. "90 bis 95 Prozent dieses Kapitals wird sicher investiert, etwa in Bundesschatzbriefe. Der Rest soll nach dem Anlagesystem von Herrn Cuti an der Börse eingesetzt werden", sagt Aktienpower-Rechtsanwalt Dominik Lechler.
Der Rest muss dann allerdings wirklich Außergewöhnliches leisten. Bei einer derzeit maximal erreichbaren Rendite von 4,2 Prozent für fest verzinste Spareinlagen wird ein sagenhafter Börsenerfolg aus Cutis-Aktienanlagen nötig, um für das Gesamtdepot eine Rendite in Höhe von 8 bis 9 Prozent zu erwirtschaften. Dennoch verschickt die Aktienpower AG sogar Werbung, die den Anlegern den Kauf der vorbörslichen Beteiligung als Teil der Altersrente empfiehlt.
DSW-Sprecher Kurz rät Anlegern dann auch vom Kauf der außerbörslichen Beteiligung der Aktienpower AG ab. "Die Erfahrung zeigt, dass Versprechen wie die von Aktienpower fast nie eingehalten werden. Und auf die Gewinnaussagen in den Prospekten des Unternehmens muss man nicht viel geben: Sie sind nicht bindend."
Der Gesetzgeber schreibt nur Börsenprospekte vor, die formal vollständig sind. Eine inhaltliche Prüfung gibt es aber nicht. Kurz' knappes Fazit: "Für die eigene Rentenvorsorge taugen außerbörsliche Beteiligungen wie die der Aktienpower AG fast nie."
(Quelle: Manager Magazin,
http://www.manager-magazin.de)