Bei für den Durchschnitts-Anwender nahezu nie vorhandenem Bedarf (z. B. bei Erkundung nicht voll verstandener Hardware-Komponenten) könnte die Ebene des Verfolgens einzelner Maschinen-Befehle durch
JTAG-Applikationen oder direkte Untersuchung physikalischer Parameter (direkt an den Bus-Leitungen oder auch an abgestrahlten Signalen) sogar noch unterschritten werden, indem jedes einzelne Signal im Inneren des Systems verfolgt wird.
Im Prinzip ist man sich sehr tiefgehender Angriffe schon sein etwa 2 Jahrzehnten bewußt und gerade Hersteller von Chip-Karten treiben geradezu abenteuerliche Aufwände, ihre Hardware untracable zu machen, wie z. B. absichtlich geometrisch zu 3D-Irrgärten verdrehte Bus-Leitungen, so daß man eine einzelne Leitung kaum noch anzapfen kann, Bus-Scrambler, die die einzelnen Bus-Leitungen mit raffinierten Algorithmen in Echtzeit austauschen, Schichten von Substanzen oder Schaltungsteile, die in einem irregulären Umfeld, den Chip dauerhaft zerstören, absichtliche Temperatur- oder Strom-Ungleichgewichte, um eine thermische oder elektromagnetische Ausspähung zu erschweren.
In einigen Fällen ist es trotzdem gelungen, ohne Kenntnis der Geheimnisse Erlaubnisse zu erschleichen, indem statt der richtigen Security Credentials als Input einfach physikalisch das Output-Signal im richtigen Zeitpunkt eingespeist wurde. Sicher hat die Oma um die Ecke die dafür erforderlichen Gerätschaften nicht bei der Hand, aber diverse Kartenfälscher benötigen sie standardmäßig und in der unbenutzen Zeit ruft das teure Equipment geradezu nach Zusatz-Aufgaben.
Es gibt also durchaus schon einige Erfahrung, Systeme, die sich sogar dauerhaft außerhalb einer kontrollierten Umgebung befinden, recht wirksam (aber natürlich niemals total) zu schützen. Und an der Sicherheit von Chip-Karten bestehen bei ordentlichem Gesamt-Layout des sie benutzenden Systems heute trozt aller Bedrohungs-Szenarien so wenig Einwände, daß sie mit zum Sichersten gehören, was die IT-Welt anbieten kann und damit auf der ganzen Welt, nahezu bei jedermann grundlegende Infrastrukturen geschützt werden, seien es Kommunikations-Netze, der Geld-Verkehr oder Zugangs-Kontrollen.
Bezogen auf das Trading spielen solche, derzeit noch glücklicherweise mehr theoretischen Angriffe, z. B. auf mobile TAN-Generatoren, Handy-TAN, HSBI-Chip-Karten und ihre Lese-Geräte, Biometrik-Sensoren und Verschlüsslungs-Karten, nur eine praktisch noch unbedeutende Rolle. Entsprechend dem laufenden Hase-und-Igel-Spiel zwischen Angreifern und Verteidigern wird es bei zunehmender Verbreitung solcher Authentifizierungs-, Autorisierungs- und Verschlüsselungs-Systeme aber auch da zu unerwünschter Bewegung kommen, wie man das nach gravierenden Problemen mit mehrfach nötigem Hardware-Tausch beim Bezahl-Fernsehen, zunehmend öfter auftauchenden gefälschten Handy-Karten und einem vor Jahren schon in der Test-Phase geknackten eMoney-System bereits absehen kann.
Daß dabei die Verteidiger bei weitem nicht immer blendend dastehen, zeigt sich auch im KFZ-Bereich, wo einstmals hochgelobte Sicherheits-Systeme derzeit heute eher nur noch eine Basis-Sicherheit bieten, die gegen adäquat ausgerüstete Banden kaum noch ein Hindernis darstellt. Es wird also nur das Gewicht vom ärgerlichen Zufalls-Schaden durch irgendwelche asozialen Gelegenheits-Täter zu hoch-professionellen mafiösen Strukturen verschoben.
Kommen dann noch Interessen-Konflikte zwischen dem an mehr Absatz von Produkten (z. B. KFZ) oder Leistungen (z. B. Security-Abonnements) oder Kosten-Minimierung bzw. Beibehaltung alter Abläufe (z. B. bei Bank-Karten) hinzu, hat der aller-aller-größte Anteil der Nutzer leider schon nahezu verloren.
Darum muß man die jeweils aktuelle Lage auf dem ganz konkreten Einsatzfeld genau beobachten, die bei weitem nicht homogen über alle Einsatz-Gebiete ist, da die Schnelligkeit des Ausschlachtes von Sicherheits-Lücken je nach Gebiet in Abhängigkeit des Wechselspiels von Angreifern und Verteidigern um viele Größen-Ordnungen differiert. Auf manchen Gebieten herrscht langjähriger Waffen-Stillstand auf anderen überschlagen sich die Bedrohungen im kurzen Rhytmus, daß man kaum noch nachkommt.