Plauder-Thread rund ums Trading

      Zu dem Rechtsstreit:

      Zu denken wäre auch an eine sog. Störung der Geschäftsgrundlage mit den Rechtsfolgen Vertragsanpassung bzw. Rücktrittsmöglichkeit. Dass der notwendige Beweis für die Bank hier schwer zu führen sein dürfte, ist klar, aber ausgeschlossen ist es nicht. Die erfolgte Bestätigung der Order dürfte hier ein Problem sein, wobei zu sehen ist, dass diese Bestätigung wohl unter dem Vorbehalt der noch zu erfolgenden manuellen Einbuchung stand. Ganz so klar, wie die Börsenordnung dies zu regeln vorgibt, ist der Fall daher ganz und gar nicht.

      Hintman schrieb:

      Ganz spannend. Nur scheine ich nicht zu kapieren wann der Entry stattfindet: wenn ein Unternehmen nachbörslich die Zahlen bekannt gibt, steigt man dann zum Close ein, oder zum Open am nächsten Tag, oder....?


      Ich habe das so verstanden, dass der Zeitpunkt des entry vor dem Bekanntgeben der Zahlen stattfindet. Im Fall der Bekanntmachung der Zahlen nach Börsenschluss also noch vor dem Close.

      wolli schrieb:

      Überrendite durch antizyklisches Trading bei Bekanntgabe der Quartalsergebnisse:
      wsj.com/public/resources/documents/FearandGreedJPM0922.pdf


      Ganz spannend. Nur scheine ich nicht zu kapieren wann der Entry stattfindet: wenn ein Unternehmen nachbörslich die Zahlen bekannt gibt, steigt man dann zum Close ein, oder zum Open am nächsten Tag, oder....?
      Der Autor ist in den besprochenen Werten zumeist selbst investiert. Traden auf eigene Gefahr, Signale sind aktuell großteils experimentell zwecks Challenge "In 30 Tagen zur Trading Strategie".
      Plane deinen Trade, trade deinen Plan!
      If it´s not a HELL YES, it´s a NO!

      Die "Justiz" kann alles willkürlich hinbiegen

      @ petersubbe

      Danke für die kompetente und klare Aussage und herzlich willkommen im Forum.

      Allerdings ist die Rechtsprechung über alle Maßen und oft selbst für Insider erstaunlich erfinderisch beim am Ende doch recht willkürlichen Hinbiegen durch unerwartete und vorsätzlich sinnwidrige Subsumtion und vermeintlich notwendige ausufernde Auslegung des Rechts im Sinne der Launen der Richter oder von Einflussnahmen auf diese.

      So kommt es an unterschiedlichen Gerichtsorten in gleichen Sachlagen zu völlig gegensätzlichen Urteilen oder auch im Zuge des Instanzenweges zu schwerwiegenden Abänderungen, die überhaupt keine Beseitigung eklatanter Mängel vorinstanzlicher Urteile sein müssen, sondern einfach eine andere Willküranwendung.

      Richter spielen in ihren Gerichtssäälen zu häufig Gott und das Sprichwort vom Befinden in "Gottes Hand" vor Gericht und auf hoher See hat darum weit mehr als nur beiläufige Bedeutung.

      Recht ist in seinem Wesen bei den heutigen Anwendungspraktiken Unrecht. Gerichte sind gar keinesfalls die angeblich so unabhängigen neutralen Instanzen, als die sie sich aufzuspielen versuchen, sondern besonders übel verkappt und willkürlich operierende Teile des Unterdrückungsapparates. Mit der Methode extremer Schwafelei versuchen sie sich scheinbar unangreifbar zu machen, die Drecksarbeit der Vollstreckung delegieren sie dann in gespielter Erhabenheit an die unmittelbar physisch brutaleren Teile des Machtapparates. Wegen ihres hohen schein-intellektuellen Aufwandes und ihrer Aalglattheit zur Durchsetzung ihrer Willkür sind sie noch viel schlimmer als die Teile des Machtapparates, die regelmäßig bei völlig aus dem Ruder laufenden menschenrechtswidrigen Exzessen erwischt werden.

      Recht haben und Recht bekommen sind oft unüberbrückbar weit entfernt.

      Wirklich neu ist das alles nicht, denn die von der Justiz verlangte Aufgabe zu Dingen, an denen die Beteiligten auf ihrem stets nur begrenztem Informationsstand in Realtime Entscheidungen fällen mussten, mit denen alle Seiten wenigstens eben konnten, im Nachhinein in beliebig langer Zeit unter Zuhilfenahme beliebig vieler interner und externer Kompetenz angeblich die "richtige" Lösung finden zu sollen, ist gar nicht erfüllbar. Schon vor vielen Tausenden Jahren bei der erstmaligen Kodifizierung von "Recht" wusste man implizit darum und wendete teils extrem drastische Maßnahmen zur "Rechtsprechung" an, um die Leute eigentlich davon abzuhalten, mit ihren Problemen Dritte zu behelligen, statt sich eigenverantwortlich gütlich zu einigen.
      Wer nichts weiß, muss alles glauben.
      nach §32 der Börsenordnung sind zivilrechtliche Anfechtungsansprüche, so wie es die Bank einscheinend probiert, explizit ausgeschlossen, siehe de.wikipedia.org/wiki/Mistrade
      de.wikipedia.org/wiki/Mistrade
      An sonsten würde keine Börse mehr funktionieren, da der Käufer nie sicher sein könnte, ob der das Wertpapier auch wirklich erhält.

      Darüber hinaus ist eine Bank verpflichtet,dass sie ein funktionierendes Risikomanagement hat. Die BaFin wird den Fall auch sicherlich unter dem aufsichtsrechtlichen Aspekt prüfen...

      Geht das mit der Folgeklage überhaupt?

      @ vikke

      Danke für den Verweis.

      Wie das mit der Folgeklage im Erfolgsfall gehen soll, ist mir allerdings nicht klar, da im Zivilprozess der Anspruch abschließend zu formulieren ist und ein weiteres Verfahren in der gleichen Sache normalerweise nicht geht. Dem stehen im Gegensatz zum Strafrecht sogar sehr hohe Hürden entgegen, wenn später neue Tatsachen bekannt werden. Ein Zivilprozess hat neben dem Anspruchsausgleich auch den Zweck dauerhaft Rechtssicherheit zu schaffen und eben gerade keinen Dauerstreit laufen zu lassen.
      Wer nichts weiß, muss alles glauben.

      woren schrieb:

      @ vikke

      Die Suche findet sogar Armin S. in Wikipedia, aber wo die Reduktion seiner Forderung steht, habe ich mittels Google nicht gefunden.

      Die erste Annahme war, nur oberflächlich gelesen zu haben, aber auch mit etwas mehr (zumindest eingebildeter) Mühe, habe ich das nicht gefunden.

      Es ist natürlich eine erhebliche Reduktion des Anspruches, der möglicherweise in einem Vergleich noch weiter reduziert wird, wobei zumindest bei einer Klage nach deutschem Recht eine schrittweise Aufstockung der Ansprüche in der gleichen Sache mit Folgeklagen nicht möglich ist.


      Auf der dritten Seite:

      handelsblatt.com/finanzen/bank…-einem-deal/19845514.html
      @ vikke

      Die Suche findet sogar Armin S. in Wikipedia, aber wo die Reduktion seiner Forderung steht, habe ich mittels Google nicht gefunden.

      Die erste Annahme war, nur oberflächlich gelesen zu haben, aber auch mit etwas mehr (zumindest eingebildeter) Mühe, habe ich das nicht gefunden.

      Es ist natürlich eine erhebliche Reduktion des Anspruches, der möglicherweise in einem Vergleich noch weiter reduziert wird, wobei zumindest bei einer Klage nach deutschem Recht eine schrittweise Aufstockung der Ansprüche in der gleichen Sache mit Folgeklagen nicht möglich ist.
      Wer nichts weiß, muss alles glauben.

      Interessanter Rechtsstreit

      Der Rechtsstreit zum Bankirrtum wird interessant sein, denn es geht um die grundsätzliche Frage, inwieweit die speziellen Mistraderegelungen allgemeinen zivilgerechtlichen Regeln zu Bereicherungsrecht und Anfechtung vorzuziehen sind.

      Als juristischer Außenseiter tippe ich mal ohne übermäßige Bestimmtheit darauf, dass die Rechtsprechung eher zu der Ansicht kommen wird, dass die Bank Recht hat. Auch die gegenteilige Position ist nicht völlig aus der Welt. Die Rechtsprechung kann auch versuchen, sich mit der nachdrücklichen Aufforderung der Parteien zu einem Vergleich aus der Affäre zu ziehen. In Anbetracht des üppigen Streitwertes halte ich das Anrufen des Gerichtes durch den Trader für gewagt und verstehe die Risikowut des vermutlich im Hintergrund vorhandenen Prozessfinanzierers nicht.

      Neben den rechtsinhaltlichen Fragen ist das Urteil auch rechtspolitisch interessant, da es die Frage stellt, ob sich das Gericht als fairer Kämpfer für objektive Rechtsanwendung sieht oder eher seiner Rolle als Systembewahrer nachkommt, bei der es nicht erwünscht sein kann, dass ein Kleinspekulant auf fadenscheinige Weise absahnt, wenngleich das System über genügend Mechanismen verfügt, ihm das Geld auch wieder zu entziehen und sei es durch völlig geordnet ablaufenden eigenen Konsum.
      Wer nichts weiß, muss alles glauben.

      Purri schrieb:

      IB hätte übrigens auch CFDs im Angebot. Ich schätze IB aber eher so ein, dass sie das Angebot für deutsche Kunden eher einstellen als das Risiko zu übernehmen.


      Das gilt schon ziemlich als gesichert, ja.
      Der Autor ist in den besprochenen Werten zumeist selbst investiert. Traden auf eigene Gefahr, Signale sind aktuell großteils experimentell zwecks Challenge "In 30 Tagen zur Trading Strategie".
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