Betriebs- und volkswirtschaftliche Betrachtungen

      RE: Rationalisierung ist richtig

      Für die Großunternehmen gilt in erster Näherung der Satz: Kennst Du eins, kennst Du alle. (Ist nicht von mir!)

      Da hat sich doch im Laufe der vielen guten Jahre soviel von Anspruchsmentalität und Desinteresse auf allen Ebenen eingeschliffen, daß ein einzelner Mensch mit der Korrektur in der Regel überfordert sein muß. Überall lauern die Besitzstandswahrer mit den abenteuerlichsten Pseudo-Begründungen auf ihre Chance, jede noch so gute Entscheidung zu Fall zu bringen, um egoistisch ihre Pfründe zu wahren. Erschwerend kommt noch die Mode unserer Zeit hinzu, jährlich mit immer neuen Kennzahl-Systemen irgendwas Isoliertes abändern zu sollen. Häufig werden für neue Moden auch gleich die passenden neuen Manager mitgebracht, so daß die Verweilzeit auf einem Posten bis überhaupt noch etwas Längerfristiges bewirkt werden kann, zu gering ist.

      Daß in Konzernen stromlinienförmige Typen eher Karriere machen als Leute, die schon in früher Zeit zu klar ihre Meinung artikulieren, ist doch ein Fehler des Systems und nicht der Manager, die dieses System erzeugt. Wenn der Manager allen möglichen Institutionen neben seinem direkten Vorgesetzten Rechenschaft schuldet, muß er eben auch sehr viel Zeit aufwenden, weniger sachdienliche Rand-Interessen mit zufrieden zu stellen, als sich klar auf ein Hauptziel zu fokussieren.

      Solange Selbständige und Mittelständler Herr im Hause waren, haben Sie Bestleistungen erbringen können, aber auch sie werden durch immer mehr Bürokratisierung in ihrem Handeln zunehmend gelähmt.

      Bevor man Vorstände mit häufig auch in der Bild-Zeitung benutzten publikumswirksamen Attributen versieht, sollte man wirklich mal auf die oft gute Arbeit sehen. Die Top100-Vorstände stehen übrigens bei Gehältern im unteren einstelligen Millionenbereich für Unternehmen mit Börsenwerten und Umsätzen im zwei- bis dreistelligen Milliardenbereich. Wer das kritisiert, kann sich ja mal auf die Ochsentour bis zu einem Vorstandsposten begeben. So einfach ist das vielleicht doch alles nicht, denn in Wahrheit gibt es ein gravierendes Problem mit dem Nachwuchs wirklich fähiger Manager, der schon auf den unteren Führungsstufen beginnt und sich nach oben hin eher noch verschärft.

      Und nochmals: Die Eliminierung überflüssiger, nicht wertschöpfender Vorgänge - im strengen Sinne also nicht mal Arbeit - ist eine wichtige Management-Aufgabe. Zur Kunst eines Managers gehört neben vielem anderen auch die genaue Unterscheidung zwischen echter Arbeit und dem Spielen von Arbeit, womit ich nicht wertschöpfende Vorgänge bezeichne, die für einen Außenstehenden und zuweilen auch die Beteiligten wie nutzbringende Arbeit erscheinen. Dabei ist das einzige Kriterium die Erzeugung marktgängigen Outputs und nicht möglicherweise gigantischen subjektiven Inputs. Es zählt als nur das in Geldeinheiten bewertete Resultat und nicht der Fleiß und das gilt auf jeder Größe der Wertschöpfungseinheit, vom Einzelnen über Arbeitsgruppen und Abteilungen bis zu ganzen Unternehmen und Konzernen.

      Bereits die längere Teilnahme am "Arbeit spielen" ist Entlassungsgrund genug, denn damit hat der Beschäftigte ausreichend gezeigt, daß er seinen eigenen kurzfristigen Vorteil eines für die Wertschöpfung wenig beitragenden Gehaltes den langfristigen Interessen des Unternehmens im harten Wettbewerb auf den Märkten überordnet. Die Annahme, daß "Arbeit spielen" längere Zeit gut geht, muß in einer Zeit, in der ganze Stäbe von Rationalisierern systematisch nach Einspar-Potentialen suchen, auch als so naiv gelten, daß aufgrund mangelnden Elementar-Verständnisses für die Wirtschaftabläufe ebenso eine Kündigung aus fachlichen Gründen richtig wäre.

      Als sehr grobe Schätzregel hat sich in etwa bewährt: Jeder, der von sich aus laut fordernd mehr Geld möchte, ist es meist nicht wert, den echten Leistungsträgern dient das Management Gehaltserhöhungen eher einvernehmlich, oft sogar vorauseilend an, damit sie gar nicht auf die Idee kommen auf dem freien Markt woanders zu suchen.

      RE: Rationalisierung ist richtig

      Original von xyxyber
      Wenn ein Vorstand es schafft, die ökonomisch sinnvollen Entscheidungen zu treffen und durchzusetzen, ist er bestimmt mehr als nur 30 % Gehaltserhöhung wert. Er wird in seinem Vertrag mit dem Unternehmen nicht für die dauerhafte Aufrechterhaltung von Ineffizienz bezahlt.


      Um so hanebüchener heutzutage Vorstände und andere Manager an Konzernspitzen bezahlt werden, um so abgehobener,chaotischer und idiotischer sind Ihre Entscheidungen. Ein asozialer Haufen von Extrem-Egoisten, die ständig Sand ins Getriebe von den Mitarbeitern an der Basis schmeißen und sich selber gegenseitig bereichern.

      Da funktionieren noch nicht einmal selbstverstänldichsten Kontrollaufgaben in den Vorständen, man schiebt sich gegenseitig nur immer mehr Geld zu.
      Refco z.B. hat es nur am extremsten getrieben.

      Das es auch noch gute Spitzenmanager gibt ist klar, aber die sind leider eine kleine Minderheit.

      Also Fazit: Gehaltskürzungen von diesem Söldner-Gesindel-Pack um 90 %, dann gibt es vielleicht wieder gute Vorstände wie in den Zeiten, als sie nicht mehr als das siebenfache eines einfachen Arbeiters verdient haben.

      Die echten Stützen der Wirtschaft sind u.a. kleine Selbstständige und Firmeninhaber, die für Ihre Firma bei Insovenz auch einstehen müssen, und nicht hergelaufene Manager, die erst Riesen-Scheiß produzieren und dann durch Abfindungen auch noch extrem abkassieren.

      Deine Argumentation kann ich nur verstehen, wenn Du selber Manager oder angehender Manager bist und für Deine Zunft hier ein bischen werben willst.
      Damit kannst Du aber hier sicherlich keinen Blumentopf gewinnen, da müßtest Du schon ein bischen geschickter argumentieren.

      Falls Dein Beitrag Satire war, dann hast Du mich allerdings gut ins Boxhorn gejagt. :P :baby: ;)

      Edit:

      Ich hatte Dein letztes Posting noch nicht gelesen, da stehen natürlich teilweise Dinge drin, denen ich auch zustimmen kann. ;)

      Gruß
      Bo10a

      Dieser Beitrag wurde bereits 4 mal editiert, zuletzt von „Bo10a“ ()

      RE: Rationalisierung ist richtig

      Ob uns das gefällt oder nicht, das ist in dem praktizierten (von den absoluten Zahlen der Managergehälter im Rahmen einer Gesamtkostenrechnung eher als gering zu bezeichnendem) Ausmaß sowohl betriebswirtschaftlich als auch volkswirtschaftlich richtig. Meist wird nur eine vordergündige Neid-Diskussion angestoßen, die an den wirklichen Ungerechtigkeiten als zwingende Folge ökonomischen Verfalls nichts ändern kann.

      Der Fehler liegt nicht in der Freisetzung bis dato unzweckmäßig eingesetzter Arbeitskräfte, sondern in den hohen Friktionskosten auf dem Arbeitsmarkt. Am Ende ist "Hire and Fire" in seinen endgültigen Auswirkungen sozialer als ein überbürokratisierter, vollkommen unflexibler Arbeitsmarkt und am Ende all dieser unseligen "Sozialgesetze" kommt das blanke Elend mit Hartz IV heraus.

      Egal, was hier in Deutschland noch herumgeträumt wird, in Asien und Amerika wird nicht geschlafen. Wenn man die Maßstäbe nicht nach unten anpassen will, muß man sich desto mehr strecken. Wahnwitzige Politiker-Versprechen, mit weiterer Überschuldung ganzer Generationen bezahlt, werden kein einziges Problem lösen, sondern nur den ohnehin schon riesigen Handlungsbedarf erhöhen.

      Objektiv ist doch das bisherige Modell Deutschland schon zu großen Teilen gescheitert und die Politiker sind gerade dabei, das letzte Quentchen an Handlungsfähigkeit auch noch zu verspielen.

      Es ist gut, daß sich zunehmend mehr Manager zur Verantwortung ihren Eigentümern gegenüber bekennen. So gibt es wenigstens noch einen Bereich der Gesellschaft, wo nicht aus dem Vollen heraus verschwendet wird. Würde der Arbeitsmarkt richtig funktionieren und die Bürokratie beschleunigt, würden auch hier Investitionen mit großem Kapital erfolgen, denn gerade für sehr teure Investitionen ist der Standort-Vorteil eines politisch stabilen Rechtsstaates viel wichtiger als die Lohnkosten.

      Vielleicht müssen die Kapital-Verlagerungen sogar als sehr schlimmes Zeichen der Notwendigkeit gesehen werden, langsam sein Geld aus der Gefährdung durch zunehmende staatliche Zwänge in D abzuziehen. Es ist immer wieder bemerkenswert, wie sich die gleichen Trader beim Schutz ihres eigenen Kapitals sehr intensiv mit Steuerfragen und Sicherheitsaspekten bis Hin zum Auswandern beschäftigen, es anderen Kapitaleignern aber eher verwehren wollen. Nun ist aber gerade großes Kapital eher noch mehr an ausreichenden Rahmenbedingungen interessiert. Da wird doch mit zweierlei Maß gemessen. In einer Gewerkschaftsversammlung wäre das ja ok, für professionelle Trader erscheint mir das eher unverständlich.

      Es geht überhaupt nicht um die Höhe der Managergehälter und deren berechtigter Kopplung an Produktivitäts-Kennziffern. Es geht um eine dem 21. Jahrhundert angemessene globale Dynamik in allen Arbeitsbereichen. Wer sich der erforderlichen Dynamik verweigert, sei es aktiv oder passiv, wird unweigerlich von ihr gebrochen werden.

      Jeder erfolgreiche Trader weiß, daß man sich mit jedem Trade einem Risiko stellt und romatisches Verdrängen des Risikos in der Regel zu seiner vollen Realisierung und langfristig sehr großen Verlusten führt. Warum wird bei den gleichen Operationen, wenn sie nicht auf der abstrakteren Finanzebene sondern auf der operativen Ebene betrachtet werden, Sozialromatik eingebracht?

      RE: Rationalisierung ist richtig

      Die Basis eines funktionierenden Gemeinwesens ist immer zu allererst eine objektiv richtig funktionierende und damit auch gute Gewinne abwerfende Wirtschaft.

      Richtig!

      Die gut abgeworfenen Gewinne sollten jedoch nicht übermäßig nach oben in den Flaschenhals fallen, sonst ersticken eines Tages noch Leute daran.

      Und damit meine ich keinesfalls die viel zitierten Worte "soziale Gerechtigkeit", das sind für mich schon Unworte des Jahres.

      Und wie soll das im Turbokapitalismus vernünftig verteilt werden? Doch wohl nicht mit Hilfe der überflüssigen Gewerkschaften. (stopfen sich auch nur selbst die Taschen voll)

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „chatterhand“ ()

      RE: Moin Moin

      @ Xenia

      So einfach wollten wir uns das heute mal nicht machen. Schuni hatte in seinem Posting vom 28.09.2006 13:33 eine auch für Trader relevante Frage nach sozialer Verantwortung angestoßen.

      Original von Schuni

      hmmm, geil der konzern wird mir echt immer sympathischer.... soviel zum thema verantwortungsbewusstsein von unternehmen...

      bin ja eigentlich wirtschaftsliberal eingestellt, aber was hier in den letzten jahren abgeht, da könnt man echt zum sozi werden...

      RE: Rationalisierung ist richtig

      Trader sollten die Dinge klar und ohne jede Beschönigung sehen. Wo kommen ihre Gewinne her? Im ersten Schritt aus den Taschen der Verlierer. Wo kommt das Geld der Verlierer her? Wenn es nicht gerade das Zusammengesparte vom Studenten-Ferienjob oder ähnliche Marginalien sind, ist das Startkapital genau wie das Kapital eines jeden anderen Kapitalisten neben eigener Leistung auch durch ihn begünstigende systembedingte Vorteile entstanden. Trader sind bestimmt nicht die erste Wahl, bei der Suche nach Personen, die sich durch besonders soziales Denken auszeichnen.

      Wenn ein Vorstand es schafft, die ökonomisch sinnvollen Entscheidungen zu treffen und durchzusetzen, ist er bestimmt mehr als nur 30 % Gehaltserhöhung wert. Er wird in seinem Vertrag mit dem Unternehmen nicht für die dauerhafte Aufrechterhaltung von Ineffizienz bezahlt.

      Wenn man irgendwo verortet ist und das einen Standort-Nachteil darstellt, was erstaunlicherweise nicht auf alle westlichen Staaten zutrifft, muß man sich dem stellen und besser werden, nicht teurer und weniger Zeit arbeiten, sondern das Maximum an den noch verbliebenen Standort-Vorteilen herausholen.

      Zwischen der ökonomischen Wahrheit und dem gefühlsmäßig spontan erstmal angenehmeren Empfinden liegen oft Welten. Trotzdem ist die Verschwendung von Ertragspotentialen auf lange Sicht fast immer die größte Sünde. Die Basis eines funktionierenden Gemeinwesens ist immer zu allererst eine objektiv richtig funktionierende und damit auch gute Gewinne abwerfende Wirtschaft.

      Betriebs- und volkswirtschaftliche Betrachtungen

      Hier sollten alle Dinge diskutiert werden, die allgemeine betriebs- und volkswirtschaftliche Zusammenhänge und Ansichten betreffen und sich nicht unmittelbar auf die sofortige Ausnutzung in einem Handelssystem oder den nächsten Trade beziehen. Darunter sind unter anderem z. B. zu verstehen:
      • Rationalisierungen, Umstrukturierungen, Mergers, Akquisitionen, Splits, Spin-Offs usw.
      • Vor- und Nachteile der Globalisierung
      • Verhalten und Verantworung des Managements und der Eigentümer
      • Verhältnis unterschiedlicher Steakholder zueinander
      • Aktivitäten der Wirtschaftspolitik
      • Wirtschaftliche Visionen
      • Betriebs- und volkswirtschaftliche Ursache-Wirkungs-Relationen