Seit vielen Jahren bin ich vom Trading fasziniert. Mangels Zeit habe ich aber nie richtig damit angefangen. Ein paar mal habe ich mit Demokontos herumgespielt, aber das bringt nichts.
Ende 2010 habe ich die Gelegenheit genutzt bei FxFlat ein Tradingkonto zu eröffnen und 100 Euro Bonus für die Einzahlung von 2.000 Euro zu erhalten. Die 100 Euro sollten mein Tradingkapital sein, mit dem ich an zwei Tagen in der Woche ab ca. 15:30 Uhr Erfahrung im Trading sammeln wollte.
Mit 1 Microlot im EURUSD und ca. 15 Pips Initial-Stop hatte ich mir ein einfaches RM/MM vorgegeben, mit dem ich auch eine ausreichende Anzahl an Verlusttrades ohne größere Probleme überleben sollte. Als Tradingtagebuch habe ich mir eine EXCEL-Tabelle zurechtgelegt. Für eine vorherige Tradingstrategie-Überlegung und Backtesting hatte ich leider keine Zeit. Ich wollte es einfach so probieren.
„Ziel“ war es, zumindest das Tradingkapital über ein Jahr lang zu erhalten und möglichst noch Gewinn zu machen. Sollte das Ziel verfehlt oder die 100 Euro verzockt werden, würde ich das Trading endgültig aufgegeben. Ich wollte damit ein ernsthaftes Trading vorgeben und keine Spielereien, wie im Demokonto, zulassen. Die Graphik zeigt den Kontoverlauf (bezogen auf die 100 Euro Tradingkapital) für dieses eine Jahr.
Hier noch meine Erkenntnisse zu bestimmten Zeitpunkten:
- Am Anfang habe ich nur nach Bauchgefühl gehandelt. Der anfängliche Gewinn schrumpfte dann aber langsam dahin. Ich fand zwar meist die Zeitpunkte, an denen Bewegung in den Kurs kam, aber die Richtung war immer das Problem.
- Am Punkt 1 wurde mir klar, dass ich Verlust machen würde, wenn ich so weiterhandle. Ich suchte etwas, das es mir erleichtert die Kursrichtung besser zu erkennen. Mit „Andrews Pitchfork“ hat das dann zu Beginn einigermaßen funktioniert. Da ich aber immer auf die Wendepunkte im Kursverlauf spekuliert habe und die Gewinntrades dann doch nicht laufen lies, kam bald die Verlustphase.
- Am Punkt 2 war mir klar, dass ich mit diesem Handelsstil meinen Verlust nicht wieder aufholen kann. Es fehlten klare Handelssignale und die Geduld auf Signale zu warten. Ich bin dann auf den Keltnerkanal gestoßen, mit dem ich Kursverläufe besser einschätzen konnte. Der Verlust wurde weniger. Die „Angst vor Verlusttrades“ hinderte mich allerdings davor, Gewinne laufen zulassen. Aber es ging etwas aufwärts.
- Am Punkt 3 hat mich ein „Falschtrade“ aus dem Verlust herauskatapultiert. Ich eröffnete einen Shorttrade, der gleich 10 Pips ins Plus ging. Nachdem der Kurs zurückkam, habe ich den Trade geschlossen. Erst danach habe ich bemerkt, dass ich versehentlich nicht mit einem Microlot, sondern mit einem „richtigen Lot“ gehandelt habe. Zum Glück ist der Trade ca. 1 Pip im Plus gelandet. Lange habe ich überlegt, ob ich diesen „Falschtrade“ zählen lassen soll. Eigentlich wäre der Trade mit den 100 Euro Tradingkapital nicht machbar gewesen. Auf der anderen Seite war das Geld auf dem Konto und einen Verlust hätte ich auch nicht durch Bareinzahlung eliminiert. Also habe ich ihn zählen lassen. Auf Grund des positiven Kontos bin ich dann etwas leichtsinnig geworden.
- Am Punkt 4 wurde mir nach einer Verlustserie klar, dass mein Trading zwar besser läuft, aber ich gehe zu oft aussichtsreiche Trades nicht ein, da ich Zweifel an dem Signal habe. Und die Angst vor Verlusttrades lässt meine Gewinner nicht laufen. Zur Zeit versuche ich 3 Tradingstrategien umzusetzen, die in einem Webinar vorgestellt wurden, und die zusammen mit meinen bisherigen Charteinstellungen kombiniert werden können. Bis jetzt hat es allerdings nur dazu geführt, dass ich keine Verlusttrades eingegangen bin (aber auch keine richtigen Gewinntrades!).
Fazit nach einem Jahr:
Das „Ziel“ ist erreicht. Allerdings bin ich vom erfolgreichen Trading mit kontinuierlichen Gewinnen doch noch einiges entfernt. Dass ich nicht im Verlust bin, verdanke ich meiner hohen Trefferquote von ca. 65 % positiver Trades, aber die Psyche verhindert ein viel besseres Tradingergebnis.
Wie geht es jetzt weiter:
Eigentlich müsste ich mir jetzt strikte Tradingregeln vorgeben und diese durch ein Backtesting verifizieren. Damit würde mein Vertrauen in meine Signale gestärkt und könnte meine Gewinner dann eher laufen lassen. Die Angst vor den Verlusttrades würde damit auch automatisch kleiner werden. Leider fehlt mir dazu vorerst die Geduld, die Zeit und ein vernünftiges Handwerkszeug. Somit wird es wohl beim „Forwardtest“ bleiben!
Mein Ziel für das nächste Jahr:
Mein Trading verbessern und mich langsam an höhere Einsätze pro Trade gewöhnen.
Ich bin am überlegen, ob ich den US30 handeln sollte. Da wären Abends genügend Umsätze vorhanden und bei FxFlat gibt es zur Haupthandelszeit den Traumspread von 1 Punkt! Allerdings ist mir der Sprung von 1 Microlot auf 1 CFD doch noch etwas hoch. Denn das erste Ziel, die 100 Euro zu erhalten, bleibt natürlich bestehen und bei 1 CFD Einsatz würde das RM/MM nicht mehr stimmen. Mit mehr Tradingkapital wird erst dann getradet, wenn ich mit meiner Tradingstrategie kontinuierlich Gewinne mache.
Mal sehen was es in einem Jahr zu berichten gibt.