Wer gerade den
Flash-Crash vom 06.05.2010 als besonders heraus stechenden Beleg für die Schädlichkeit des HFT heran zu ziehen versucht, zeigt damit recht klar, daß der die Ursachen nicht versteht. Damit ist die sogenannte "Studie" der "Forscher" eher wertlos, da tendenziös und oberflächlich.
Für eine sachgerechte Beantwortung der Frage nach der Schädlichkeit des HFT sind mindestens 2 Dinge zu klären:
1. Handelte es sich bei den Effekten wie z. B. am 06.05.2011 um einen (partiellen) Zusammenbruch der Infra-Struktur, der durch zusätzliche Handels-Regeln (wie z. B. weit frühere Aussetzung bei Infra-Struktur-Problemen oder überhöhter Volatilität) behebbar wäre? Diese Frage muß klar mit Ja beantwortet wären. Aus dieser Teil-Antwort folgt also eher eine Verbesserung-Notwendigkeit des HFT als dessen Abschaffung.
2. Steht die Liquiditäts-Verdünnung durch untertägigen Handel nicht überhaupt in Konflikt mit dem Ziel einer optimalen Preis-Findung? Diese Frage wäre schon viel eher - dann aber bitte tiefgründig durchdacht - zu diskutieren. Über die "Illusion der Liquidität" gab es ja schon öfter verschiedene Artikel anerkannter Autoren, die zeigten, daß die wirklich vorhandene Liquidität regelmäßig überschätzt wird. Das gilt insbesondere für Sonder-Situationen, was aber schon lange vor dem computerisierten Handel so war.
Aus volkswirtschaftlicher Sicht langfristiger echter Investoren würde sogar der Handel in nur in einer einzigen Auktion pro Monat ausreichen. Alle weiteren Handelszeiten entstehen nicht so sehr aus absolut unabdingbarer volkswirtschaftlicher Notwendigkeit als viel mehr aus der Unsicherheit der schwachen Hände, die die Illusion des jederzeit möglichen Ausstiegs benötigen, um überhaupt ihr Geld an die Märkte zu tragen.
Seit der Zeit des zunehmenden Intraday-Handels kommt noch das Argument des durch kürzere Halte-Dauern vermeintlch beliebig verringerbaren Risikos hinzu, wodurch die Liquidität steigt. Leider übersehen dabei die meisten Trader, daß gerade bei den massivsten Kurs-Bewegungen im Zusammenwirken mit technischen oder organisatorischen Breaks ziemlich unkontrollierbare Verlust-Potentiale auftreten, da bei einem Break innerhalb der üblichen Handelszeit Stop-Loss-Orders nicht ausgeführt werden.
Da allerdings selbst die meisten Trader dieses Problem völlig unverantwortlich ignorieren, indem sie auf Optionen zum Schutz vor extremen Bewegungen auf beiden Seiten verzichten, ist kaum zu erwarten, daß eher von außen über den Markt urteilen wollende Betrachter davon etwas verstehen.
Ansonsten (wenn man die in den Berichten gar nicht auftauchenden ernst zu nehmenden Argumente mal außen vor läßt) erinnert die "Diskussion" über den HFT etwas an die Zeit, wo über die Eisenbahn gesagt wurde, daß von deren Geschwindigkeit die Fahrgäste oder Kühe verrückt würden oder wo vor jedem Auto ein Flaggen-winkender Warn-Posten vorher laufen mußte.
Wenn man den Markt als wirkliches Fließen von Liquidität auffassen möchte, ist das bekrittelte Hoch-Rechnen vieler kleiner ineinander greifender Transaktionen zu angeblich bedenklichen kumulierten Summen genauso falsch, als wenn man bei einer technischen Maschine, die einen insgesamt kontinuierlichen Prozeß bewerkstelligt, jede Motor-Umdrehung als besonderes Ereignis notieren würde.