@ DanielR
Die Aussage ist so allgemein recht gewagt. Im Regelfall wird Software auf die ordnungsgemäßte Arbeitsweise sowohl von der sichbaren End-Funktionalität als auch zuweilen intern auf Code-Level auf Richtlinien-Konformität geprüft. Dabei wird die offenkundige Mangelhaftigkeit nicht ohne weiteres toleriert.
Sollten auf bestimmten (aber regulären mit Börsen-Ordnungen geregelten) Märkten bestimmte Markt-Teilnehmer auch ohne "geheime" Schnittstellen bestimmte Informations-Möglichkeiten haben, die die Mehrheit der Markt-Teilnehmer nicht hat, um bestimmte Sonder-Funktionen (z. B. als bevorrechtigter Market-Maker) wahrzunehmen, so gehört es nicht zu ihrem regulären Geschäfts-Modell diese exzessiv auszunutzen. Die richtige Bewertung der genauen Regularien und Softwares der einzelnen Börsen-Plätze sollte man nicht pauschal so abtun, als ob dort alles Mauschel-Buden wären.
Sind die abzugreifenden Orders klein, ist der erzielte Gewinn beim Verstoß gegen die Wohlverhaltens-Regeln im Verhältnis zu den Sanktionen ökonomisch nicht sinnvoll, sind die zu manipulierenden Orders groß, bringt man auch potente Markt-Teilnehmer gegen sich auf.
Ganz so einfach ist das also nicht, da die meist sehr umfassenden Börsen-Ordnungen und Software-Richtlinien eben nicht alles Denkbare erlauben und oft sehr detaillierte Vorgaben machen. Da werden wohl die schlechten Erfahrungen mit OTC-Winkel-Buden sehr voreilig auf geordnete Märkte übertragen. Andererseits gibt es in allen Regularien Lücken, die teils so katastrophal sind, daß sie sogar solche Events wie den
Flash-Crash am 06.05.2010 nicht verhindern konnten.
Sollten die Dinge konsolodiert wirklich in die behauptete Richtung belegbar sein (Ich bitte ebenso wie enuxx um konkrete Beispiele!), müßte man hinterfragen, warum sie dann trotzdem angewandt werden, da es ja genügend alternative Handels-Plätze/-Systeme gibt, die dank höherer Transparenz mehr Chancen-Gleicheit für die Markt-Teilnehmer gewährleisten.
Bei all solchen Annahmen, sollte man immer bedenken, daß zu einer Gewinn-bringenden Ausnutzung solcher Gelegenheiten eine ganze Reihe zusätzlicher Bedingungen zusammenkommen müssen. Die wichtigsten davon sind, daß es keine anderen ähnlich potenten Mitspieler mit gegenteiliger Intention gibt und daß man nicht selber durch seine Manipulation eine direktionale Bewegung auslöst. Market-Maker verdienen nämlich ihr Geld sicherer, wenn sie längere Zeit die Ask-Bid-Spanne in einem engen Bereich handeln können, als wenn sie schnell durch die Orderbuch-Level jagen müssen.