Langfristige Vorhersagen sind mit sehr hohen Unsicherheiten behaftet und dem Wesen fachgerechten Tradings widerspricht es zutiefst, diese Unsicherheit nicht auch mit richtig gewählten Risiko-Parametern ganz bewußt zu akzeptieren. Trading ist das Verantwortungs-volle Managen von Risiken und nicht munteres Kurse-Raten oder Erspinnen einseitig orientierter Zukunfts-Szenarien.
Einer der größten Fehler unerfahrener und/oder überheblicher Trader ist es, momentane Entwicklungen fortzuschreiben, also Hochs auf unbeschränktes Wachstum und Tiefs auf den Total-Zusammenbruch fortzuschreiben. Da die Geschichte eine Geschichte des Kampfes um die maximale Beute ist, die aus den arbeitenden Menschen hart an der Grenze zur Revolution heraus gepreßt werden kann, waren die Zeiten nie einfach und es hat immer die eigentlich gleichen Probleme gegeben.
Sicher ist die Annahme eines DAX von unter 2000 Punkten nicht absolut abwegig, aber man sollte sie im Zusammenhang mit den Ständen vor 20 Jahren und der in der Zeit stattgefundenen Anhäufung von nicht ausgeschütteteten Unternehmensgewinnen und der Inflation betrachten. Dann sieht die Sache schon ganz anders aus.
Auch wenn ich selber dem System ausreichend kritisch gegenüber stehe, ist das blinde Herbeireden eines kurzfristigen Total-Zusammenbruches keine sachlich zwingend ableitbare Schlußfolgerung oder gar evidente Tatsache.
Natürlich sind gigantische Kursbewegungen die große Chance für die super-fette Beute eines richtig positionierten Traders.
Bei extrem weit entfernten (und wie oben schon erwähnten damit auch vom Markt als eher unwahrscheinlich angesehenen) Kurszielen ist der Kauf von Optionen bzw. Optionsscheinen weit aus dem Geld das Mittel der Wahl.
Sie sind extrem billig und haben sehr hohe Hebel. Bei wirklichem Eintreten der gigantischen Kursbewegungen, ggf. noch unter Volatilitätszunahme (bei den aktuellen Volatilitäten aber eher kaum noch) sind Vervielfachungen um mehrere dezimale Größenordnungen völlig normal.
Um nicht wegen einer knappen Verfehlung der Zielmarke ohne Not hohe Verluste einzufahren, empfiehlt es sich, den Betrag auf verschiedene Basispreise aufzuteilen. Wenn wirklich an die Zeitgenauigkeit der eigenen Prognose geglaubt wird, sollte beachtet werden, daß kurzlaufende Optionen zum gleichen Basispreis stets preiswerter sind als langlaufende.
Es gibt für eine ziel- und zeitgenaue Prognose weitab liegender Kurse kein besseres Anlage-Instrument als den Kauf weit aus dem Geld liegender Optionen. Nur sie haben die entsprechend hohen Hebel, um wirklich bedeutende Gewinne einzufahren. Tritt die Prognose allerdings nicht ziel- und zeitgenau ein, verlieren sie alleine durch den Zeitwert-Verlust, da sie am Verfallstag nur noch den inneren Wert haben, welcher bei Nicht-Erreichen des Basis-Preises genau Null ist. Ein weiterer Vorteil von gekauften Optionen ist, daß man keine Risiken über die zu zahlende Prämie hinaus eingeht.
Grundsätzlich sollte aber ein Trader mit der Qualifikation "Profi" nicht so over-confident sein, an irgendwelche Prognosen - seien sie auch noch so gut begründet - so sehr zu glauben, daß er Haus und Hof darauf verwettet.
Eines der stärksten Beispiele haben wir gerade letzte Woche mit dem CHF gesehen, wo der Höhenflug ja "sonnenklar" gewesen sein sollte und Optionen für weit unter der Parität zum Euro auch die super-fetter Beute versprachen ... bis die Spielregeln mit einem künstlich eingeführten, weit höheren Floor durch dazu fähige Parteien geändert wurden. Danach würde kein rational agierender Spieler die Gegenseite des schlecht ausgegangenen Options-Geschäftes zu einem auch nur annähernd befriedigenden Preis mehr einnehmen und der annähernde Totalverlust wäre schlagartig innerhalb weniger Sekunden nach der Nachricht eingetreten.