Manche Leute haben vor lauter Law & Order Probleme mit einer sachlich schlüssigen Argumention und scheinen der Unterwerfung unter noch so abstruse Herrschafts-Ansprüche in vorauseilendem Gehorsam ihre Lebensaufgabe zu finden. Es gibt eine ganze Reihe von Berufen, die von solchen Leuten bevorzugt werden, insbesondere alles, was mit ausgeprägter Hierarchie und Status-Symbolen zusammenhängt. (Keirsey-Typ SJ, der aber nur 3/8 der Menschen ausmacht)
In diversen Büchern über die Grundlagen des Strafrechts wird festgestellt, daß es wenig Gerechtigkeit, dafür mehr völlig unzeitgemäße archaische Rache gibt. In der Urzeit versuchte man Differenzen nach einer kriminellen Tat materiell auszugleichen. Erst mit dem römischen Recht kam der Hauptpunkt Strafe, da die verarmten Plebejer kein Eigentum zur Wiedergutmachung mehr hatten und Sklaven erst recht nicht.
Besonders interessant ist der Codex des Hammurapi als erstes geschriebenes Gesetz. Dort sollte der Beschuldigte sein Leben und sein Eigentum an einen Denunzianten verlieren. Hatte aber der Denunziant gelogen, sollte es anders herum geschehen. Leider konnte man bei Aussage gegen Aussage die Wahrheit nicht herausfinden. Dafür gab es die "Wasserprobe", bei der man gefesselt in einen Fluß geworfen wurde. Das mag heute bizarr erscheinen, hat aber durchaus Sinn. Solange genug Leute an die dem zugrunde liegende Mystik glauben, werden sie relativ oft die Wahrheit sagen. Ähnlich ist es mit anderen religiös begründeten Rechtssystemen und ihren "Gottes-Urteilen".
Auch heute gilt, daß Recht haben und Recht bekommen, zwei völlig unterschiedliche Dinge sind. Trotz großer Fortschritte in der theoretischen Begründung bestimmter rechtlicher Maßnahmen, ist die gesellschaftliche Zufriedenheit mit der Rechtsprechung nicht wesentlich größer geworden. Eine Gesellschaft beruht zu allererst auf der aktiven Anerkenntnis moralischer und rechtlicher Normen und erst viel später auf Ächtung und Strafe durch Dritte und spezielle Institutionen. So wirken z. B. moralische Tabus oft viel stärker als selbst hochgradige Strafen.
Selbst in Sicherheitskreisen wird sogar gefragt, ob man kriminelle Taten überhaupt in der heutigen Form bestrafen muß. Ein Beispiel ist der Automobil-Verkehr, wo schuldhafte Verletzungen wesentlich weniger streng gehandhabt werden und man dem Menschen ein hohes Maß an Fehlbarkeit zubilligt. Auch andere Strafformen, die eben nicht auf entwürdigendem Wegsperren aufbauen, sondern auf fühlbaren Sanktionen, die aber nicht den Menschen als Persönlichkeit in seiner sozialen Verankerung zerstören sollen, sind ein großer Schritt vorwärts.
Superstrenge Strafen kannte z. B. der Herrscher Drakon (etwa 630 v. C.). Dort gab es selbst für geringfügigste Delikte "drakonische Maßnahmen", vorrangig die Todesstrafe. Sowas führt zu einem riesigen Anstieg der Kriminalität, da die Leute frühzeitig nichts mehr zu verlieren haben, wenn sie einem minimalen Anfangs-Delikt dann reale schwerste Straftaten folgen lassen, um der Verfolgung zu entgehen. Extremes Law & Order erzeugt also erst Straftaten, die es ohne nie gegeben hätte.
Ein aktuelles Beispiel primitivster Vorurteile ähnlicher Art ist die Forderung nach immer härteren Strafen bei Sexual- oder Drogen-Delikten. Dadurch wird die Gewalttätigkeit der Straftäter erst herausgefordert, da wegen der unverhältnismäßigen Strafen alle Mittel gesucht werden, der Bestrafung zu entgehen. Ohne extreme Strafandrohungen gäbe es nur das ursprüngliche Delikt, mit extremen Strafandrohungen zusätzliche Folge-Gewalttaten (meist die Tötung des Opfers oder Schwerverletzung von Strafverfolgern).
Ein weiterer bekannter Grundsatz ist, daß Dinge, von denen man selber nicht völlig überzeugt ist, oft vehementer vertreten werden, als Dinge, bei deren Bewertung man in sich ruht - quasi um sich mit der Maßlosigkeit selbst zu überzeugen. So sind Strafen zu Delikten, deren Strafwürdigkeit nicht allgemein geteilt wird, oft übermäßig hoch (z. B. im Bereich weicher Drogen). Leider neigt eine Demokratie nach den Erkenntnissen der Institutionen-Ökonomie und der Ökonomie politischer Prozesse nicht zum optimalen Maß. Vielmehr gibt es Kompromiß-Formeln, wo sich in wichtigen Dingen keine Einigkeit erreichen läßt und alles zerredet wird und als Gegenteil Extrem-Formeln, wo sich Hinterbänkler als Einpeitscher wichtig tun können. Die gesunde Mitte wird seltener gefunden.
Bevor man sich bedenklich "Volkes Stimme" (oder wohl doch eher dem Stammtisch) nähert, sollte man genau über die Folgen nachdenken. Sowohl in der Politik als auch in der Ökonomie sind die Folgen oft ganz andere, als man oberflächlich erwartet. Manche falsche Maßnahme ist auch viel einfacher eingeführt, als nach Schaffung der Infrastrukturen und zuständigen neuen Behörden wieder abgeschafft.
Bezogen auf den Anfang mit der Terror-Gefahr als Begründung für extreme Maßnahmen, bleiben die Einpeitscher sowohl die Beweise für eine hunderprozentige Verantwortung der bisher verfolgten Personen schuldig als auch für die Wirksamkeit ihrer Maßnahmen. Es ist schon noch so, daß jemand, der eine Maßnahme, die Andere einschränkt, vollständig schlüssige Argumente liefern muß, und nicht die Opfer der Maßnahmen.
Da ich weder
9/11 Mysteries nacherzählen möchte, noch das Buch von
Andreas von Bülow stelle ich fest, daß selbst Leute, die die meisten Teile als "Verschwörungs-Theorie" abtun, darin genug sehr ernsthafte Fragen finden werden, die auf erhebliche Mängel der kriegesbegründenden offiziellen Version abzielen. Übrigens bezeichnete selbst die letzte Bundesregierung die auf Beliebigkeit beruhenden Angriffe auf souveräne Staaten als völkerrechtswidrig und jeder kann nachlesen, wie diverse peinliche Lügen selbst von den Regierungen mittlerweile "als Irrtümer" zugegeben wurden. Die öffentliche Kritik eines eigentlich eher befreundeten Staates durch eine Regierung kommt nun nicht so oft vor, als daß man leichtfertig darüber hinweg sehen sollte.
Nicht zuletzt haben die 150 Mrd. Dollar pro Jahr unproduktiver Kriegsausgaben auch ihren Teil zur heutigen Krise beigetragen. Da dürfen dann auch alle Leute, die das "nichts angeht" trotzdem ihren Sanierungsbeitrag leisten.